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Ein Neuer ist in der Stadt

22. Juli 2013

Manchmal mache ich mir ja schon ein bisschen Sorgen, dass die Technik zu sehr in unseren Alltag integriert wird: Autos, die selbst einparken; Telefone, die mit dir reden; Kühlschränke, die dir sagen, wie alt die Milch ist. Aber man kann sich auch nicht davor verstecken – außer man hat das Bedürfnis, Einsiedler irgendwo in Alaska zu werden. Ansonsten bleiben einem nicht viele Möglichkeiten. Gut, ich habe (noch) keine Angst davor, dass die Roboter uns irgendwann alle ersetzen oder gegen uns Krieg führen. Doch es klingt schon fast plausibel, wenn einige Wissenschaftler behaupten, dass die nächste Stufe der menschlichen Evolution eng mit der Technik verbunden ist – quasi bionische Menschen. Die perfekte Einheit zwischen Mensch und Maschine. Klingt gruselig, klingt interessant… kein Wunder, dass sich Filme deswegen immer so gerne damit auseinandersetzen.

Den nächsten Schritt in der Evolution macht auch Paul Verhoeven in seinem Klassiker „RoboCop“. Detroit, irgendwann in der Zukunft: Die Polizei gehört mittlerweile dem privaten Konzern OCP (Omni Consumer Products), dessen Präsident Dick Jones (Ronny Cox) gerade dabei ist, halb Detroit umzubauen. Doch dafür braucht er Ruhe auf den Straßen. Um die Kriminalität besser zu kämpfen, sollen Cyborg-Beamte für Recht und Ordnung sorgen. Doch das Projekt ED-209 schlägt fehl. Dafür scheint ein anderes Projekt Früchte zu tragen: Der RoboCop – halb Mensch, halb Roboter. Wie gut für OCP, das der junge Polizist Alex Murphy (Peter Weller) durch eine üble Bande von Gangstern niedergemetzelt wurde. OCP bekommt den Körper, baut Murphy als Cyborg wieder zusammen, löscht sein Gedächtnis und schickt ihn auf die Straße. Doch Murphys Erinnerungen kochen in ihm wieder auf… wodurch er plötzlich zu einer Gefahr für OCP wird.

Ja, man merkt es doch irgendwie schon an der Inhaltsangabe – dies ist ein klassischer Verhoeven: außen knackig, innen auch mit Köpfchen. Was wohl so viel heißen soll wie: „RoboCop“ ist rein äußerlich betrachtet ein cooler Sci-Fi-Action-Kracher, der es sich aber nicht nehmen kann, hier und da sehr satirisch auf Bürokratie, die Gesellschaft oder die Medien zu schauen. Allein die Idee, dass ein privates Unternehmen die Polizei aufkauft, ist schon reichlich absurd. Und diese Polizei wird dann auch noch geführt wie ein normales Geschäft. In erster Linie ist das Streben auf Erfolg natürlich löblich. Doch zählt am Ende für das Unternehmen nur eine Zahl – die Einnahmen. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass Menschenleben nicht ganz so wichtig sind. Hauptsache, dass Geschäft brummt. Ähnlich ernüchtern gehen auch die Medien in „RoboCop“ zur Sache: Kriege, Hungersnöte – alles langweilig. Ein Halb-Mensch-Halb-Roboter-Bulle – großes Kino!!!

Und das ist „RoboCop“ ja auch wirklich. Es ist ein unterhaltsamer Film, der vor allem wegen seiner satirischen Momente zum Schmunzeln einlädt. Es ist aber auch ein verdammt brutaler Film: Allein die Szene, in der Murphy zu Brei geschossen wird… autsch!!! Da lässt Verhoeven aber auch wirklich gar nichts aus. Das ist wirklich die Szene, die wohl auch deutlich macht, dass dies Verhoevens erster richtiger Hollywood-Streifen ist. Mit den Regeln der Altersfreigabe kannte sich Mr. Verhoeven wohl noch nicht so gut aus. Denn auch wenn die Murphy-Todesszene die härteste des Films bleibt, streut Verhoeven hier und da immer mal wieder ziemlich blutiges Zeug dazwischen. Trotzdem (oder gerade deswegen???) macht „RoboCop“ verdammt viel Spaß.

Peter Weller hat dabei kaum mehr zu tun als sein markantes Kinn zu zeigen. Vorher sehen wir Weller nur kurz, dann wird er zu Mus verarbeitet und dann hat er seine Maske auf. Ähnlich tapfer wie Karl Urban in „Dredd“ kämpft sich Weller ohne große Mimik durch den Film. Dafür bekommt er ja aber (wieder genau wie in „Dredd“) die charmante Nancy Allen als Partnerin an die Seite. Die beiden kämpfen gegen das System, dass nicht nur großartig durch Ronny Cox vertreten ist. Ein weiterer Schurke ist ein (für mich zumindest) Altbekannter: Kurtwood Smith, den ich persönlich eigentlich nur aus der Sitcom „Die wilden Siebziger“ kenne, spielt den knallharten Gangster. Zwar etwas verwirrend, wenn man ihn nur aus einer Comedy-Serie kennt, aber es funktioniert.

„RoboCop“ ist ein verdammt cooler Film… ein „alter“ Klassiker, den man sich gerne und öfter anschauen kann. Zumal wir ganz nebenbei auch noch eine (möglicherweise) äußerst wichtige Lektion lernen: Sollten die Roboter kommen, brauchen wir einfach nur steile Treppen! Solange es keine Terminator sind, sollte uns das schon retten! (Jeder, der den Film gesehen hat, wird wissen, wovon ich spreche)

Wertung: 9 von 10 Punkten (Verhoevens Zukunft sieht nicht wirklich rosig aus, unterhält aber verdammt gut)

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9 Kommentare leave one →
  1. 22. Juli 2013 10:22

    Ja, sehe ich ähnlich. Ein sehr relevanter Sci-Fi-Streifen, den Verhoeven da gezaubert hat. Herrlich überzogen und teils fies brutal. Mit Kurtwood Smith ging es mir übrigens genau andersrum. Ich kannte ihn nur aus „RoboCop“ und ihn dann als Familienvater zu sehen war durchaus befremdlich… 😉

    • donpozuelo permalink*
      22. Juli 2013 11:11

      Smith kannte ich echt NUR aus „Die wilden 70er“. War für mich ziemlich befremdlich ihn jetzt hier zu sehen. Aber so ist es halt immer, wenn man sich ein Bild von einem Schauspieler gemacht hat… War trotzdem großartig. 😉

  2. 23. Juli 2013 19:17

    Allein die Idee, dass ein privates Unternehmen die Polizei aufkauft, ist schon reichlich absurd.

    So absurd finde ich die Idee gar nicht, in Detroit wären sie darüber wohl gar nicht unglücklich. Dort braucht die Polizei momentan über 50 Minuten, um Notrufe wahrzunehmen. „RoboCop“ ist natürlich ganz großes Tennis, für mich Verhoevens Opus Magnum!

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2013 22:49

      Dass das irgendwann wahrscheinlich so sein könnte, möchte ich gar nicht abstreiten. Es klingt nur echt verrückt. Was das Opus Magnum angeht… habe zu wenig Verhoeven-Filme gesehen, um das beurteilen zu können.

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