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Das Grab der Leuchtkäfer

15. Juli 2013

Es gibt viele Filme, die sich mit dem Thema Krieg auseinander setzen. Meisten natürlich nicht, um selbigen zu zelebrieren, sondern um ihn anzuprangern, ihn als Wurzel allen Übels darzustellen. In den meisten Fällen wird das aber so angegangen, dass man den Krieg selber in den Vordergrund stellt und dadurch den Wahnsinn verdeutlicht. Es gibt grandiose Beispiele dafür… doch es gibt nicht all zu viele Filme, die Anti-Kriegsfilm sind und ohne große Kriegsszenen auskommen. Die meisten wollen dann wahrscheinlich doch den Action-Aspekt, um mit großen Schauwerten aufzuwarten. Aber es gibt auch immer wieder „wunderbare“ Beispiele, die sich wirklich „Anti-Kriegsfilm“ nennen können (eines meiner Lieblingsbeispiele ist dafür nach wie vor „Johnny got his gun“).

Für mich als Studio Ghibli-Fan war es daher fast schon eine kleine Offenbarung, dass ausgerechnet das Studio mit den besten und fantasiereichsten Animationsabenteuern auch ein filmisches Kleinod hat, das sich auf beeindruckende und einfühlsame Weise mit den Schrecken des Krieges auseinandersetzt.

Es beginnt mit dem Tod des Jungen Seita in Japan kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Seita wird unser Erzähler und berichtet uns von seiner tragischen Geschichte: Seita und seine jüngere Schwester Setsuko verlieren ihre Mutter nach einem Bombenangriff auf die kleine Hafenstadt Kobe. Eine Tante nimmt die beiden Geschwister widerwillig auf. Doch als Seita sich lieber um das Wohlergehen seiner Schwester kümmert, als sich beim Wiederaufbau nützlich zu machen, behandelt die Tante die beiden immer schlechter – es gibt weniger zu essen und mehr Schelte. Schließlich flüchten die beiden, leben in einem alten Schutzbunker an einem See, an dem nachts die Glühwürmchen tanzen.

„Die letzten Glühwürmchen“ ist vielleicht einer der bewegendsten Anti-Kriegsfilme, den ich jemals (!!!) gesehen habe oder noch sehen werde. Da bin ich mir verdammt sicher. 1988 muss wohl wirklich das Jahr gewesen sein, in dem man sich bei Studio Ghibli dachte: „Okay, jetzt zeigen wir, was wir drauf haben – und zwar in jeder Beziehung!“ Während Hayao Miyazaki mit „Mein Nachbar Totoro“ für wahrscheinlich einen der besten Kinderfilme sorgte, schuf Isao Takahata „Die letzten Glühwürmchen“.

Es ist ein unglaublich sensibler Film, der sich ganz eng an seine beiden Hauptfiguren schmiegt und diese fortan nicht mehr aus den Augen lässt. Ich weiß gar nicht, wie ich es passend beschreiben soll, aber Takahata schafft es, dass man eine unglaubliche Bindung zu dem Geschwisterpaar entwickelt. Dabei darf man sich auch wirklich nicht von der an Zeichenstil stören, der gerade bei Schwesterchen Setsuko an die alten Trickfilmserie „Heidi“ erinnert. Aber wer könnte sich an etwas stören, dass im Endeffekt nur dazu beiträgt, dass die Figuren auf ihre eigene Art noch so viel sympathischer wirken.

Seita versucht alles, um seiner kleinen Schwester beim Vergessen all der schlimmen Dinge zu helfen. So liefert der Film immer wieder unglaublich sanfte und auch lustige Momente, die man bei dem schweren Schicksalsschlag, den die beiden erlitten haben, auch dringend braucht. „Die letzten Glühwürmchen“ entwickelt eine unglaubliche Intensität… ich habe mich echt gefühlt, als wäre ich direkt mit dabei. Es ist ein spannender Abenteuerfilm und ein bewegendes Drama. Mit sehr viel Gefühl für das richtige Timing, die richtige Stimmung erzählt der Film in ruhigen Tönen seine Geschichte. Und auch wenn wir schon von vornherein wissen, wie es enden wird, fiebert man doch bis zur letzten Minute mit den beiden mit. Und nachdem man – über die recht kurze Zeit – eine Beziehung zu diesen Beiden aufgebaut hat, ist man danach um so betroffener.

Es tut mir Leid, ich labere einfach nur, weil mir die passenden Worte nicht einfallen, um euch zu sagen, wie gut „Die letzten Glühwürmchen“ wirklich ist. Es ist definitiv einer der traurigsten Studio Ghibli-Filme, dass es mir schwer fallen wird, den noch einmal zu schauen. Wer ihn aber noch nicht gesehen hat: Hier wartet ein ganz besonderer Film auf euch!

Wertung: 10 von 10 Punkten (Gänsehaut pur, man lacht, man weint, man fiebert mit)

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