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Ryan und das Motorrad

8. Juli 2013

Ryan Gosling hat ein Problem. Und dieses Problem heißt „Drive“. Naja, eigentlich ist das kein Problem, schließlich war (und ist) „Drive“ ein verdammt cooler Film. Doch Ryans Hindernis besteht darin, dass der Mann sich eigentlich keinen Fahrzeugen mehr nähern darf. Sonst heißt es nämlich sofort: „Oh, das ist Drive 2“. Das zumindest hört man irgendwie ziemlich oft, wenn man über Goslings neuesten Film „The Place Beyond The Pines“ spricht. Und naja… ganz so abwegig scheint diese Behauptung auch nicht zu sein, schließlich wird Gosling in den Trailern immer als Motorrad-Stuntfahrer gezeigt, der dieses Mal nicht für andere, sondern für sich selbst das Fluchtfahrzeug lenkt. Aber, und das sollte an dieser Stelle noch einmal deutlich wiederholt werden, dieser Film ist keine „Drive“-Fortsetzung. Egal, wie verlockend das für den ein oder anderen auch klingen mag.

In „The Place Beyond The Pines“ spielt Gosling Luke, Mitglied einer Motorrad-Stunt-Gruppe, die in einem Wanderzirkus auftritt. Als er nach einem Jahr in das verschlafene Nest Schenectady (übersetzt bedeutet das „The Place Beyond The Pines“ – nur falls sich jemand fragt, woher der Titel kommt) zurückkehrt, muss er feststellen, dass die junge Kellnerin Romina (Eva Mendez), mit der er mal was hatte,  einen kleinen Jungen hat. Klein-Jason ist Lukes Sohn. Um für seinen Sohn zu sorgen, entschließt sich Luke dazu, zum Bankräuber zu werden. Anfangs klappt das sogar, doch Luke wird gierig und gerät dadurch ins Visier der Polizei. Zu der auch Kleinstadtpolizist und Jura-Student Avery (Bradley Cooper) gehört. Das Zusammentreffen hat für beide schwerwiegende und nachhaltige Folgen.

Es tut mir Leid, aber ich muss hier so verdammt kryptisch bleiben, um niemandem den Film zu versauen. Denn wenn man das vielleicht vorweg sagen darf: „The Place Beyond The Pines“ ist nicht das, was der Trailer vorgibt. Dieser Film ist so viel mehr. Er umspannt ganze 15 Jahre und beinhaltet so viel Stoff, dass andere daraus mehrere Filme hätten machen können. Aber Derek Cianfrance entschied sich dazu, alles in einen sehr, sehr langen Film zu packen. Ambitioniert… so steckt in „The Place Beyond The Pines“ Drama, Polizei-Thriller und Coming-Of-Age-Story (auch damit ist schon wieder zu viel gespoilert, sorry!).

Neben all den vielen verschiedenen Genres, die „The Place Beyond The Pines“ in sich aufnimmt, stellt der Film selbst auch noch so etwas wie einen Dreiteiler in einem einzigen Film dar. Dabei verknüpft Cianfrance geschickt alle drei Geschichten miteinander, um seine Geschichte durchs Schicksal, Zufälle oder wie auch immer man es nennen möchte aufzubauen. Und hier liegt mein einziger großer Kritikpunkt an dem Film: Man merkt dem ganzen die extreme Länge an und trotzdem wirken manche „Episoden“ etwas holperig und wenig kreativ. Gerade der Mittelteil war mir persönlich etwas zu schwach… gerade nach dem fulminanten Start. Hier haut Cianfrance erst alles raus, holt gerade aus Gosling und Mendez wirklich alles raus und versaut es sich dann mit einer schwachen Fortführung. Ohne jetzt zu viel verraten zu wollen: Es kommt zu einer eigentlich interessanten Story über Korruption und Schuld. Das eine soll das andere verstärken, doch letztendlich wirkt es alles sehr aufgesetzt. Meiner Meinung nach hätte man das Ganze im Schnitt weglassen können…. aber gut, das ist eine, meine, Meinung.

Wo Cianfrance an Erzählmasse vielleicht ein winzigkleinesgroßes bisschen übertreibt, das macht er an Charakterzeichnung wieder wett. „The Place Beyond The Pines“ ist da wieder ein spannendes Drama über die Entscheidungen, die wir treffen. In dieser Welt gibt es kein Gut und kein Böse. Der „böse“ Luke will nur Gutes tun und der „gute“ Avery rutscht ab ins Böse. Die Grenzen von Moral verschwimmen – je nach Blickwinkel. Und am Ende lacht das Karma! Dank der wirklich tollen Darsteller wird dieser Aspekt auch sehr schön deutlich. Goslingspielt seinen wortkargen Luke mit ausdauernder Intensität, während Cooper endlich mal zeigen kann, wie viel mehr er doch kann.

Derek Cianfrances „The Place Beyond The Pines“ ist anstrengend und schwer zu verdauen. Ein bisschen übernimmt sich der Film – weniger wäre mehr gewesen. Trotzdem wirkt das Gesehene noch eine ganze Weile nach.

Wertung: 7 von 10 Punkten (drei Filme zum Preis von einem – einige Sachen sind gut, andere nicht so sehr… und NEIN, ES IST KEIN „DRIVE“)

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8 Kommentare leave one →
  1. 8. Juli 2013 11:28

    Dein Fazit unterschreibe ich völlig – letztlich habe ich das Ganze aber doch ein wenig besser gewichtet als du.

    • donpozuelo permalink*
      8. Juli 2013 11:39

      Ich weiß, aber mich hat dieser „zweite“ Teil mit Schwerpunkt Bradley Cooper einfach zu sehr aus dem ganzen Film herausgerissen. Diese ganze Korruptionsnummer war mir zu konstruiert. Hätte man sich fast sparen können und es wäre trotzdem ein spannender Film geworden.

  2. 8. Juli 2013 13:42

    Hmmm, den Film möchte ich mir unbedingt anschauen – warte aber lieber auf die DVD Fassung 🙂

    • donpozuelo permalink*
      8. Juli 2013 14:40

      Mmh… Geschmackssache. Ich würde auch sagen, dass die DVD vollkommen ausreicht 😉

  3. 13. Juli 2013 08:35

    Kann mich größtenteils anschließen. Die Korruptionsgeschichte im zweiten Teil war unnötig und passte nicht so richtig rein. Aber bei der Summe der Teile komme ich am Ende nur auf 6 Punkte.

    Und Gosling nervt. Mehr Gesichter als Til Schweiger hat er auch nicht.

    • donpozuelo permalink*
      13. Juli 2013 11:18

      Danke, endlich mal jemand, der diesbezüglich meine Meinung teilt. 😉

      Was Gosling angeht, sage ich ja, er hat echt das Problem, fast nur noch diese halbstummen, stoischen Rollen zu spielen. Ganz mit Til Schweiger würde ich das noch nicht vergleichen, aber langsam scheint es für den guten Mann echt zum Fluch zu werden.

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