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Zombies all over the world!

26. Juni 2013

Wir wissen ja eigentlich alle, was zu tun ist, wenn die Zombie-Apokalypse kommt. Film und Fernsehen präsentiert uns mit drei Möglichkeiten: 1) Irgendwo verschanzen und auch Rettung hoffen oder 2) gleich beim ersten Mal in den Kopf treffen, um unter den Zombies zu überleben oder 3) gefressen werden. Ich würde mich wahrscheinlich heulend im Keller verstecken und irgendwann an Unterernährung krepieren, aber wer weiß schon, was genau er machen würde, wenn die Untoten kommen.

Max Brooks, Sohn des Mel, hat sich damit etwas genauer beschäftigt und sogar einen Survival Guide geschrieben. Regeln, wie man mit Zombies umgeht, sind wichtig. Vor allem, wenn es zum Kampf gegen die Zombies geht. In seinem „World War Z“ hat Brooks das sehr eindrucksvoll (und auch wirklich sehr lesenswert) in einer Art Sammlung von Augenzeugenberichten beschrieben. Und natürlich klopft bei einem erfolgreichen Buch Hollywood an die Tür. In diesem Fall waren es Brad Pitt und Leonardo DiCaprio, doch am Ende gewann Pitt.

Der darf als U.N.-Gesandter Gerry Lang in eine trostlose Welt reisen. Wie aus dem Nichts taucht die Zombie-Plage plötzlich auf. Auf der ganzen Welt. Niemand scheint sicher zu sein. Zum Glück kennt Lang die richtigen Leute, die ihn und seine Familie in Sicherheit bringen können. Um jedoch weiterhin diesen „Luxus“ zu haben, soll Lang nach einer Möglichkeit suchen, wie man gegen die Zombies angehen kann. Für Lang beginnt eine lange Reise quer über den Globus.

Ich weiß gar nicht so genau, wie ich anfangen soll. Ich hatte keine großen Erwartungen an diesen Film. Nicht nur, weil ich das Buch vorher schon kannte, sondern weil die Kombination Marc Forster, Brad Pitt und Zombies für mich nicht wirklich gut zusammenpassten. Marc Forster steht ja eigentlich – abgesehen von „Ein Quantum Trost“ – nicht unbedingt für großes Action-Kino. Brad Pitt war zwar schon mal untot, aber als Zombiekiller konnte ich mir ihn jetzt auch nur schwer vorstellen.

Rausgekommen ist dann tatsächlich ein Film, der selber nicht so genau zu wissen scheint, was er denn nun eigentlich sein möchte. Zombie-Film? Gesellschaftskritischer Katastrophen-Film? Action-Horror mit Botschaft? „World War Z“ ist von allem ein bisschen, aber nichts ganz richtig gut. Vielleicht liegt das daran, dass neben Comic-Ikone J. Michael Straczynski auch „Cabin in the Woods“-Regisseur Drew Goddard und „Prometheus“-Vernichter Damon Lindelof am Drehbuch gewerkelt haben. Somit gibt’s viele gute Ideen, die aber noch lange keinen guten Film machen. Trotzdem wirkt „World War Z“ jetzt nicht so wild zusammengeschustert. Das Ganze gibt schon noch ein zusammenhängendes Bild, auch wenn manche der Weltreise-Etappen ziemlich kurz geworden sind. So fliegt man quasi nur nach Korea, um dort den nächsten Stichwortgeber zu finden und sofort geht’s weiter.

Besonders ins Zeug gelegt hat sich Marc Forster dann aber vor allem bei seinen Zombies. Ob nun die erste Welle in Philadelphia oder der Sturm auf Jerusalem… diese Zombies sind mal was etwas Neueres. Mehr wie ein Schwarm Heuschrecken über ein Feld jagt, flitzen die Zombies in „World War Z“ über die Menschen. Nichts mit Schlurfen und gemütlich vor ihnen weglaufen. Hier heißt es, schnell sein. Es ist ein interessanter Aspekt, der die Bedrohung durch die Zombies selbst sehr viel glaubwürdiger macht. Allerdings muss ich hier gleich alle enttäuschen, die krasse Zombie-Action erwartet:

„World War Z“ ist kein „Resident Evil“-Abklatsch. Im Gegenteil, es passiert wirklich nicht viel. Es gibt keine Zerfleischungen, keine Splatter-Einlagen, kein gar nichts. Jede Folge von „The Walking Dead“ hat mehr Blut und Gedärme als „World War Z“. Der Film ist zahm. Bevor was wirklich Schlimmes passiert, schwenkt die Kamera irgendwo anders hin.

Das ist alles nicht wirklich tragisch, dennoch kann „World War Z“ nicht so richtig zünden. Die Story selbst beschäftigt sich erstaunlich wenig mit einer wirklichen Erforschung der Plage. Erklärungen dürft ihr keine erwarten. Dafür versucht Forster hier und da noch ein bisschen Grusel mit einzubinden (was kaum funktioniert, weil es alles sehr vorhersehbar bleibt). Dazu kommt ein recht schwaches Ende, bei dem man sich echt fragen muss, wie das Original-Ende ausgesehen hat? Schließlich wurde der Film um ein Jahr verschoben, nur um so was abzuliefern.

„World War Z“ ist nett. Die Zombie-Action ist nett. Brad Pitt ist nett. Der Film haut nicht von den Socken, bietet zwar ein paar coole Sequenzen, bleibt aber im Großen und Ganzen hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Wertung: 6 von 10 Punkten (World War Z ohne echten World War – bei einem Sequel will ich aber echt ein wenig mehr sehen)

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22 Kommentare leave one →
  1. 26. Juni 2013 08:10

    Das hört sich – ehrlich gesagt – schrecklich an. Dabei hatte die Vorlage so viel Potential. Echt schade…

    • donpozuelo permalink*
      26. Juni 2013 08:58

      Die Vorlage ist großartig, aber wenn man ehrlich ist, auch wirklich nicht zu verfilmen. Draus geworden ist letztendlich ein Zombie-Film ohne viel Zombies, damit das Ganze in irgendeiner Art und Weise als Sommer-Blockbuster für die ganze Familie durchgehen könnte. So richtig funktioniert hat das aber nicht.

  2. 27. Juni 2013 00:08

    Mir hat er ein bisschen besser gefallen, vll. weil ich die Vorlage nicht kenne und vll. weil mir deutlich mehr – sagen wir – egal war – z. B. dass nichts offensichtlich zerfleischt wurde. Er ist ein atmosphärischer Actioner, der zwar – wie du schon sagst – vorhersehbar ist, aber immer viel Spaß macht. Meine Kritik haue ich erst morgen raus.

    Ich würde mich übrigens sehr über ein Sequel freuen. Ich meine, nach diesem Ende… bitte ja!

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2013 09:06

      Ich fand’s halt ein bisschen sehr dolle schade, dass es so verkrampft auf PG-13 gehalten wurde. Die Action sieht zwar gut aus, aber so richtig kommt da keine Zombie-Apokalypse-Stimmung auf 😉

      Und was das Sequel angeht… warum nicht? Eine spektakuläre Massenschlacht in Moskau haben sie ja schon gedreht… und dann nicht in den Film mit reingenommen, sondern dieses furchtbar langweilige neue Ende produziert. Das dürfte zumindest die Kosten für Teil 2 niedriger halten.

  3. 27. Juni 2013 09:08

    Hm, was du nur gegen das Ende hast? Ich glaube du bist da ein bisschen zu sehr versteift darauf, was gewesen wäre wenn. Was aus dem Blickwinkel, wenn man nicht weiß, dass es andere oder härtere Szenen gibt? Und ich finde – vor allem in diesem Fall – dass ein Zombiefilm nicht immer blutrünstig sein muss.

    Nuja, wie gesagt. Teil 2 darf sehr gerne kommen. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2013 09:37

      Ich fand das Ende passte mir persönlich nicht zum Film. Erst große und auch teils recht gute Action, dann auf einmal langweiliges Schleichen durch Gänge. Ich sage ja nicht, dass es da blutrünstiger gehabt hätte… das war ja schon von Anfang an klar, dass man das nicht bekommt. Aber auf mich wirkte das Ende extrem konstruiert – man brauchte unbedingt ein Happy End. Soweit ich weiß, war das Original-Ende sehr viel offener… zumindest was die Problematik mit der ganzen Zombie-Plage angeht.

      Naja… vor Teil 2 würde ich dir echt gern das Buch ans Herz legen. Das ist wirklich großartig… und leider in der Form auch echt nicht verfilmbar. Von daher hat der Film schon alles versucht (und wenigstens den Titel beibehalten). Das Buch wäre als TV-Serie wahrscheinlich besser zu machen gewesen.

  4. 27. Juni 2013 09:41

    Es gibt ja scheinbar 2 Bücher von Max Brooks. Welches davon soll man lesen, bzw. habe das als Hörbuch gefunden (für meine langen Fahrten): http://www.audible.de/pd/B006DI6HEG

    Hmm. Mich erinnert die Situation gerade an „Man of Steel“. Da warst du mehr begeistert als ich – jetzt umgekehrt. 😉 Und das mit dem durch die Gänge schleichen brachte noch einmal richtig dichte Atmosphäre in den Film. Das hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Die Mitbesucher im Kino jedenfalls waren äußerst still und gebannt, genauso wie ich. Da hörte ich von niemanden „laaaangweilig!“.

    Na wie gesagt, was da ursprünglich geplant war oder nicht, ist mir alles völlig wurst. Das Endprodukt ist so gesehen gelungen, auch wenn eigentlich sehr viel mehr konstruiert wirkt als nur das Ende.

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2013 09:54

      Es gab vor „WWZ“ noch den „Zombie Survival Guide“. Den habe ich aber auch noch nicht gelesen. Von daher kann man beides unabhängig von einander gut lesen. Und WWZ ist als Buch wirklich toll. Hat mir verdammt gut gefallen, weil Brooks da diesen globalen Faktor natürlich sehr viel besser durch die verschiedenen Augenzeugenberichte hervorheben kann, als das im Film überhaupt möglich gewesen wäre.

      Zum Film selbst sage ich ja nicht, dass er langweilig war. Dass ich das Buch schon kannte, war sicherlich ein Problem. Aber ich glaube, selbst ohne Buch hätte mir der nicht so gut gefallen. Ich weiß auch nicht, vielleicht hätte man wirklich mutiger sein sollen… ich hätte mir auch ein bisschen mehr Hintergrund zu den Zombies an sich gewünscht.

      • 27. Juni 2013 09:58

        jup jup, I understand. 😉 Und als Schlusswort zur Diskussion: Nach genau diesem Ende verzeihe ich es dem Film, dass der Hintergrund zu den Zombies nicht weiter beleuchtet wurde. Allerdings nur solange, bis Teil 2 wirklich kommt und ein bisschen tiefer in die Materie geht.

        Wegen Buch: Unschlüssig ob Hörbuch oder Buch. Zum Lesen habe ich eigentlich aufgrund (zu vieler) Comics zuhause keine Zeit. Wird also wohl das Hörbuch. 😉 Thx für den Hinweis.

        • donpozuelo permalink*
          27. Juni 2013 10:02

          Da der zweite Teil ja eigentlich schon fast beschlossene Sache ist, bin ich da auch gespannt, was sie da wohl draus machen werden.

          Und viel Spaß beim echten „WWZ“ 😀

  5. 30. Juni 2013 12:47

    Einfach meh und einfach viel zu wenig gruselig für einen Zombiefilm (teilweise musste ich sogar ziemlich fest lachen…ähnlich wie bei Mama). Wieso man sich also nicht ans Buch gehalten hat bleibt mir unverständlich.

    • donpozuelo permalink*
      30. Juni 2013 20:53

      Warum man sich nicht ans Buch gehalten hat, kann ich dir sagen: Weil man das nicht ins Kino bringen kann. Wahrscheinlich hätte es als Serie irgendwie funktioniert, allerdings müsste man dann immer wieder mit dem Vorwurf, man kopiere „The Walking Dead“.

      Was ich nicht verstehe, sind zwei Dinge: Warum holte man sich für sowas Marc Forster??? Und warum macht man einen Zombie-Film PG-13? Familientauglich ist das Ding auch ohne das ganze Blut nicht wirklich.

      Irgendwie ziemlich traurig, das Ganze. Da hätte man eigentlich einen verdammt geilen Film draus machen können.

      • 30. Juni 2013 20:54

        Ach jetzt kommt schon! Hackt lieber auf Man of Steel rum.

        • donpozuelo permalink*
          30. Juni 2013 21:01

          Nicht bei mir!!! 😉

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