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TWB XXII: Oilfinger

7. Juni 2013

Ich bin fast schon etwas verwirrt, wenn ich ehrlich sein darf. Ich hätte nie gedacht, dass der Start meiner „The Weekly Bond“-Reihe mir Dinge eröffnen würde, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte. Erst wird mir klar, dass ich Timothy Dalton als James Bond sogar noch über Roger Moore stellen würde, dann das ich „Casino Royale“ weniger hochbewerte als noch zu Beginn… tja und jetzt musste ich mir auch noch eingestehen, dass „Ein Quantum Trost“ gar nicht sooo schlecht war, wie ich immer dachte. Ich habe fast schon ein bisschen Angst, mir als nächstes „Skyfall“ anzuschauen.

Aber kommen wir erst einmal zu „Ein Quantum Trost“. Im Gegensatz zum fiesen und vor allem schwach aufgelösten Cliffhanger in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ wird in „Ein Quantum Trost“ erstmalig in der Geschichte der Bond-Reihe tatsächlich mal eine vorangegangene Handlung fortgesetzt. Nach dem Tod seiner geliebten Vesper sucht Bond (Daniel Craig) die Drahtzieher und stößt dabei auf die mysteriöse Organisation „Quantum“. Dank furchtbar ausgereifter Technik und einem Geldschein kommt Bond auf die Spur von Dominic Greene (Mathieu Amalric), einem Quantum-Mitglied. Doch an Greene und seinen Geschäften mit einem bolivianischen General sind auch noch andere interessiert… wie zum Beispiel Bonds Freunde vom CIA oder die ominöse Camille (Olga Kurylenko). Allerdings muss Bond sich beeilen, denn Quantum ist auch ihm auf den Fersen.

Erst einmal muss ich sagen, dass ich es schon irgendwie cool finde, dass man versucht hat, eine neue Schurken-Organisation einzuführen. „Quantum“ klingt jetzt vielleicht nicht unbedingt so cool wie „S.P.E.C.T.R.E.“, aber es ist ein netter Anfang. Immerhin bietet sich so eine Organisation hervorragend dafür an, die wildesten und verrücktesten Gegner auf Bond loszulassen. Leider kommen wir hier dann auch gleich zum wohl größten Problem von „Quantum“: Keines der Mitglieder wirkt unglaublich böse. Der mysteriöse Drahtzieher mit der weißen Katze fehlt ganz. Stattdessen möchte uns der Film wohl deutlich machen, dass die Bösen dieser Welt nicht mehr so einfach zu identifizieren sind. Es könnte jeder sein… Hauptsache, er hat genug Geld. Immerhin ist das eine Botschaft, die mehr Wahrheit beinhaltet als noch die Schurken von „S.P.E.C.T.R.E“. Und trotzdem fehlt das gewisse Etwas.

Das hat leider auch Bond-Bösewicht Mathieu Amalric nicht. Als Schurke wirkt der so furcht einflößend wie eine mies gelaunte Katze. Wobei selbst die wahrscheinlich mehr Biss hätte als Amalrics Greene. Erneut könnte man mutmaßen, dass das gewollt sei, um ein realistisches Bild auf die Schurken unserer Zeit abzugeben. Aber erneut sage ich: Ein paar Dinge können bei Bond ruhig so bleiben, wie sie von Anfang an waren.

Doch Blockbuster-Neuling Marc Forster orientiert sich vorwiegend am vorangegangenen „Casino Royale“. Was für den Regisseur sicherlich nicht einfach war. Sonst hatte er doch mit Action nicht sonderlich viel am Hut. So wirkt zwar seine anfängliche Verfolgungsjagd am Gardasee extrem stylisch, doch schon die ersten Faustkämpfe Bonds jagen einem bei all ihrer Hektik, den schnellen Schnitten und der unübersichtlichen Wackelkamera Schmerzen in den Kopf und Schweiß auf die Stirn. Forster müht sich redlich ab, „Ein Quantum Trost“ zu einem ordentlichen Action-Streifen werden zu lassen, vergisst dabei aber, die Story. Statt den halbwegs interessanten Plot mit der weltweit agierenden Organisation weiter auszubauen, muss man sich mit Greene und dem flachen Plot in Bolivien begnügen.

Für jemanden wie Forster, der doch eigentlich sonst immer so viel Wert auf die Charaktere legt, wirken fast alle in diesem Film etwas fehl am Platz. Craig fühlt sich in diesem Film noch weniger als Bond an. Ja, er trinkt seinen Martini, ja, er schläft mit Gemma Arteton (die dann als Hommage an Shirley Eaton in „Goldfinger“ als ölige Leiche dran glauben muss), aber ansonsten ist dieser Bond mittlerweile wirklich mehr zu einer Mischung aus Bourne und MacGyver geworden. Der coole Agent weicht mehr und mehr dem Actionheld, der mit Rennen und Ballern an sein Ziel kommt.

Somit komme ich, ähnlich wie schon bei „Casino Royale“, zu dem folgenden Urteil: „Ein Quantum Trost“ ist nicht wirklich schlecht. Als Action-Film funktioniert er ganz gut. Marc Forster gibt sich Mühe, allerdings hat er sich zu sehr mit der Action beschäftigt und vergisst dabei, seinen Helden. Es scheint wirklich so, als hätte man Schwierigkeiten, den neuen Bond mit den alten Tugenden zu vereinen. Er entwickelt sich mehr und mehr zu einem austauschbaren Action-Typ. Und das ist echt nicht gut…

Wertung: 6 von 10 Punkten (schade, die Idee mit der Organisation ist eigentlich nicht schlecht…)

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10 Kommentare leave one →
  1. 7. Juni 2013 09:09

    Ja, sehe ich ganz ähnlich und habe ich auch ebenso bewertet. Wirklich schade, denn die Story hatte durchaus Potential…

    • donpozuelo permalink*
      7. Juni 2013 17:47

      Ich find’s auch fast ein bisschen schade, dass man Quantum nicht in „Skyfall“ aufgenommen hat. Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch.

  2. 9. Juni 2013 02:36

    „Erst wird mir klar, dass ich Timothy Dalton als James Bond sogar noch über Roger Moore stellen würde…“
    Ich würde jeden andern Bonddarsteller über Roger Moore stellen, selbst David Niven und Peter Sellers… 😉

    • donpozuelo permalink*
      9. Juni 2013 11:01

      Ja, schon. Aber ich bin mit Moore groß geworden. Jeder Bond-Film war für mich mit Roger Moore… ich kannte keinen anderen. Deswegen stand er anfangs für mich immer an erster Stelle. JETZT bin ich natürlich schlauer 😉

  3. 11. Juni 2013 10:12

    Mein grosser kleiner Bruder hat keine Ahnung, und wenn wir uns sonst überall finden, was Bond angeht – das ist ein ewiger Streitpunkt. Wobei der späte Moore WIRKLICH schlecht ist.

    Generell stimme ich dir auch zu – Forster macht keinen allzu schlechten Job, nur verliert er sich ein bisschen in seiner eigentlich netten Idee, die aber in dieser Form nichts taugt.

    • donpozuelo permalink*
      11. Juni 2013 12:12

      Scheint so ein allgemeines Problem von Forster zu sein – zumindest wenn es um Action geht. Ähnliches wird man leider auch bei „World War Z“ feststellen müssen… ohne jetzt zu viel zu verraten.

      Ich sage grundsätzlich nichts gegen Moore… nur mittlerweile wurde mir ein wenig die Augen geöffnet und ich habe noch ein paar mehr Leute als James Bond kennenlernen dürfen. Und da musste ich halt ein paar Sachen überdenken 😉

      • 11. Juni 2013 16:58

        @Owley: abgesehen von „The Spy Who Loved Me“ und „For Your Eyes Only“ konnte mich seine Darstellung gar nie überzeugen.

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