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Katerstimmung

29. Mai 2013

Alkohol ist eine schlimme Sache! Naja, eigentlich ist es auch eine ganz nette Sache, wenn man seine Grenzen kennt. Doch wie sooft im Leben erfordert das „Grenzen ausloten“, das man aktiv wird. Meistens, und gerade beim Alkohol, geschieht das recht ungeplant… und artet hin und wieder aus. Das Schlimme daran ist: Früher konnte man einfach damit leben, dass man irgendwie einen Filmriss hatte. Heutzutage muss man sich davor fürchten, auf facebook oder auf youtube mitzuerleben, was in diesen schrecklichen und dunklen Minuten und Stunden geschehen ist.

Was waren das noch für Zeiten, als man sich umhören musste, was geschehen war. Das war wenigstens noch detektivische Feinarbeit, die durch das Ausschmücken und die Übertreibungen von Freunden in ihrem Resultat eigentlich nur schlimmer wurde.

Todd Phillips ließ Bradley Cooper, Ed Helms und Zach Galifianakis 2009 genau das durchleben und landete mit „Hangover“ einen unerwarteten Hit. Die drei Typen, die sich nach einer durchzechten Nacht an nichts mehr erinnern und auch ihren Freund Justin Bartha (die ärmste Sau des Films) nicht wiederfinden konnten, waren großartig. Der Schönling, der Normalo und der Verrückte auf einem irrsinnigen Trip durch Vegas – Stripper, Tiger, verrückte Chinesen und Mike Tyson inbegriffen. „Hangover“ war wirklich bestes Spaß-Kino. Was man anschließend vom zweiten Teil nicht wirklich behaupten konnte. „Hangover 2“ hatte zwar auch hier und da seine Momente, blieb aber im Endeffekt ein Remake vom ersten Teil… mit der Ausnahme, dass das Ganze nun in Bangkok spielte. Irgendwie war dieser Versuch, das „Wolfsrudel“ wieder auf die Leinwand zu holen, ziemlich lame. Umso mehr muss man sich fragen, was ein dritter Teil da noch besser machen kann?

Diese Frage beantwortet uns Todd Phillips nun mit „Hangover 3“… und versucht gleich zu Beginn deutlich zu machen: Dieser Film ist anders. Dieses Mal beginnt es nämlich nicht mit einem Hangover, sondern mit einer toten Giraffe und einer damit verbundenen Massenkarambolage. Der gute Alan (Galifianakis) soll endlich auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht werden. Deswegen will ihn seine Familie in eine Anstalt verfrachten. Gemeinsam mit Phil (Cooper), Stu (Ed Helms) und Doug (Bartha) macht sich Alan widerwillig auf den Weg dahin. Unterwegs werden sie jedoch von Gangsterboss Marshall (absolut traurig und komplett unterfordert: John Goodman) aufgehalten: Der vermisst nämlich schmerzlich über 20 Millionen in Gold, das ihm Nervensäge und Quälgeist Chow (Ken Jeong) abgenommen hat. Marshall nimmt Doug gefangen und fordert das Wolfsrudel auf, Chow und das Gold zu ihm zu bringen.

Ja, leider ist Justin Bartha auch im dritten Teil wieder die ärmste Sau des Films. Taucht kurz auf und ist gleich wieder weg. Und das ist nicht der einzige Verweis, den Todd Phillips im dritten Teil seiner Kater-Reihe macht. Mit vielen kleinen Rückblenden, Verweisen oder Gastauftritten verbindet „Hangover 3“ alles zu einem großen Ganzen. Naja, zumindest versucht man es. Leider fällt das meisten eher lasch aus. Tiger spielen keine Rolle, Heather Grahams Auftritt ist einfach nur traurig und die Verweise auf etwaige Tattoos oder schlimme Sex-Erlebnisse sind zwar nett, aber auch schnell wieder vergessen.

Aber hey, muss ja nichts schlimmes sein. Immerhin ist „Hangover 3“ kein Remake oder ein Reboot. Ja, Vegas spielt auch wieder eine wichtige Rolle, aber ansonsten ist Teil 3 ein lobenswert neuer Ansatz… naja, zumindest wirkt es neu, weil der „Hangover“ an sich fehlt. Der Rest unterscheidet sich dann nicht allzu stark von den vorherigen Teilen: Phil, Stu und Alan laufen verzweifelt durch die Gegend, suchen Chow, geraten in allerlei merkwürdige und pikante Situationen, kreischen sich gegenseitig an, haben sich wieder lieb und versuchen einfach nur, rechtzeitig Doug zu retten.

Halt wirklich nicht viel Neues. Bleibt noch die Hoffnung, dass das Ganze wenigstens witzig ist. Aber auch diese Hoffnung stirbt relativ schnell. Denn leider Gottes legt „Hangover 3“ das Augenmerk noch mehr als sonst auf das, wie ich finde, nicht komische Duo Ken Jeong und Zach Galifianakis. Jeong nervte schon im ersten Teil – da war es aber wenigstens noch halbwegs zu ertragen. Jetzt im dritten Teil müssen wir sehr viel mehr von dem Typen ertragen… und es tut mir Leid, das sagen zu müssen: Aber der Typ ist nicht witzig! Gleiches gilt für Galifianakis als Alan. Im ersten Teil war der verrückte Typ ja noch irgendwie lustig, aber mittlerweile schockt er auch niemanden mehr mit seinen Sprüchen (die allesamt recht flach ausfallen) und seinen verrückten Ideen (siehe vorherige Klammer).

Während ich mir bei „Hangover“ noch regelmäßig die Tränen aus dem Gesicht wischen musste, musste ich mir bei „Hangover 3“ ordentlich den Kiefer massieren, der durch gelangweiltes Gähnen arg in Anspruch genommen wurde. „Hangover 3“ versucht den Spagat zwischen Neuem und Alten und scheitert kläglich. Dafür wird der Film als der unlustigste Beitrag zur „Hangover“-Trilogie in die Geschichte eingehen.

Ach: Bevor ich es vergesse – Natürlich lohnt es sich auch bei diesem Teil, auf den Abspann zu warten. Ob man dann wirklich begeistert ist, von dem, was man da zu sehen bekommt… das muss jeder für sich entscheiden.

Wertung: 4 von 10 Punkten (netter Versuch, Phillips, aber wo bleiben die Lacher???)

9 Kommentare leave one →
  1. 29. Mai 2013 10:50

    Bei Iron Man habe ich zwar nicht mein Wort gehalten, aber bei Hangover 3 werde ich es sicherlich tun. Der wird wirklich gemieden.
    Galifianakis wird da ziemlich verschwendet, glaube ich. Ich fand ihn bei Saturday Night Live letztens ziemlich witzig und überraschend anders als seine verrückten Charaktere, die er in solchen Filmen spielt.
    Und Ken Jeong ist schon eine Sparte für sich, manchmal geil, manchmal ist er auch nervig, das stimmt schon.

    • donpozuelo permalink*
      29. Mai 2013 11:18

      „Iron Man 3“ sollte man schon gesehen haben 😉 „Hangover 3“ kann man sich wirklich sparen… oder vielleicht irgendwann mal reinschauen, wenn der im Fernsehen kommt. Er ist wirklich nicht besonders gut. Jeong und Galifianakis spielen das gleiche wie sonst auch… nur da sie dieses Mal mehr im Mittelpunkt stehen, stinken halt alle anderen (vor allem Cooper und Helms) extrem ab. Dazu die schwache Story… nein danke!!!!

  2. 29. Mai 2013 12:01

    Now im scared D:

    • donpozuelo permalink*
      29. Mai 2013 12:03

      You should be!

      • 1. Juni 2013 21:19

        Ok ist gesichtet und ich muss dir leider in allen Punkten wiedersprechen. Ich fand das mit Abstand den besten Teil der Reihe, da ich mit dem eigentlichen „hangover“ Motiv nicht wirklich viel anfangen konnte und das Heist Thema daher eine willkommene Abwechslung war.

        • donpozuelo permalink*
          2. Juni 2013 20:55

          Tja, wie das halt immer so ist. Jedem das Seine 😉 Ich war wirklich nur wenig begeistert… aber ich konnte noch nie so richtig was mit Alan und Chow anfangen. Als Nebenfiguren gut, aber als Hauptfiguren mir etwas zu viel.

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