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Wer zur Hölle ist dieser Gatsby?

27. Mai 2013

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß ja, dass ich nie dazulerne… und eigentlich immer versuche, vor einer Literaturverfilmung das eigentliche Buch zu lesen. Und obwohl ich weiß, dass ich nur enttäuscht werden kann, mache ich es immer wieder (zuletzt war meine Enttäuschung bei „Warm Bodies“ einmal mehr Beweis dafür, dass ich eigentlich weniger lesen sollte). Ich kann einfach nicht anders… Dazu kommt dann auch noch das F. Scott Fitzgeralds „Der Große Gatsby“ jetzt kein Wälzer ist, sondern eher kurze Lektüre, die man schnell durch hat.

Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich auch vor dem Buch schon ziemlich gespannt auf Baz Luhrmanns Version von „Gatsby“ war. Immerhin ist Luhrmann der Mann großer, imposanter Bilder vermischt mit einem hinreißenden Soundtrack. Den durfte man ja auch schon mit jedem neuen Trailer bewundern… denn statt wirklich neuer Bilder gab’s eigentlich immer nur neue Musik. Die aber immer wieder perfekt passte. Weswegen „Gatsby“ der erste Film ist, bei dem ich den Soundtrack schon hatte, bevor ich überhaupt den Film gesehen hatte.

Die Erwartungshaltung war also immens hoch: Ich mochte das Buch, mir gefielen die Trailer und die Musik lief eh schon ständig auf meinem Telefon rauf und runter. Zusammen mit der Tatsache, dass Leonardo DiCaprio, Carey Mulligan, Tobey Maguire, Joel Edgerton (für alle, die es nicht wissen: Der Mann, der Osama erschossen hat) und Bollywood-Legende Amitabh Bachchan vor der Kamera standen, konnte „The Great Gatsby“ für mich entweder ein Desaster oder ein Kinohighlight des Jahres werden.

Bevor wir dazu kommen, was es denn nun geworden ist, hier noch mal kurz, worum es eigentlich geht: Die ganze Geschichte ist ein Rückblick, eine Erzählung von Nick Carraway (Tobey Maguire). Er lebt in einem kleinen Haus in einer sonst nur von Villen bestückten Gegend von Long Island. Hier wohnt auch seine Cousine Daisy (Carey Mulligan), die mit ihrem Mann Tom (Joel Edgerton) ihr reiches, aber doch recht ereignisloses Leben lebt. Direkt neben Nick haust der mysteriöse Millionär Gatsby (Leonardo DiCaprio), der die wildesten Partys feiert und über den niemand wirklich etwas weiß. Nur dem unscheinbaren Nick vertraut sich Gatsby irgendwann an… und so erfährt Nick, dass Gatsby vor Jahren schon mit Daisy zusammen war und sich eigentlich wieder haben will.

Das ist eine sehr grobe und peinlichst ungenaue Darstellung von dem, was Gatsby ist: Auf der einen Seite ist es die Geschichte eines verzweifelt verliebten Mannes und auf der anderen Seite ist es eine harsche Kritik an der Dekadenz der Reichen in den 20er Jahren. Prunk, Glitter ist alles, was sie wollen. Für die Menschen an sich interessiert sich hier keiner… weswegen große Partys bevorzugt werden: schließlich fällt man hier nicht auf.

Die großen Partys zu Beginn zelebriert Luhrmann mit großem Bombast. Laute Musik, tolle Kostüme und schwindelerregende (im wahrsten Sinne des Wortes) Kamerafahrten lassen uns in diese anonyme Welt des Feierns eintauchen. Hier beweist Luhrmann gleich auch, dass er perfekt Bild und Musik in Einklang bringt. Selbst wenn Party-Mukke von Fergie oder Will.I.Am im Hintergrund läuft, passt das trotzdem perfekt zum Setting.

Was die Settings angeht: Wow… groß, größer, Luhrmann kann man da wohl nur sagen. Und das wiederum fügt sich wunderbar mit der Darstellung des Gatsby zusammen: Dieser Mann lebt allein in diesem riesigen Schloss, dass er zwanghaft mit ihm unbekannten Leuten füllt und man sich genau wie Nick immer wieder fragt, wer diese Menschen eigentlich sind. Antwort: Keine Ahnung!!! Wie die Motten fliegen sich einfach zum größten Licht.

„The Great Gatsby“ ist aber neben sein Schauwerten vor allem ein Charakterfilm und auch hier hat sich Luhrmann nicht lumpen lassen. DiCaprio spielt, man kann es nicht anders sagen, wirklich großartig. Ob nun bei den komischen oder ernsthaften Momente, „The Great Gatsby“ zeigt einmal mehr, was für ein vielseitiger Schauspieler DiCaprio doch ist. Auch an Tobey Maguire und Joel Edgerton kann man nichts bemängeln. Allein an Carey Mulligans Daisy muss man sich wirklich gewöhnen: Was Mulligan nämlich wunderbar hinbekommt, ist die Tatsache, dass Daisy eigentlich ein ziemlich oberflächlicher Mensch ist. So wirkt Mulligans Schauspiel manchmal fast schon abwesend, doch es passt perfekt zu ihrer Rolle.

Man merkt es vielleicht: Ich war echt schwer begeistert. Vom großen Party-Rummel zur Liebestragödie… Luhrmann inszeniert alles mit sehr viel Liebe zum Detail. Dabei könnte man ihm vielleicht vorwerfen, alles etwas zu genau zu nehmen. „The Great Gatsby“ verlangt viel Sitzfleisch und auch wer das Buch nicht kennt, wird schnell wissen, wie alles ausgehen wird. Von daher hätte man das Ganze vielleicht ein kleines bisschen zügiger erzählen können… da verliert sich Luhrmann gerade am Anfang etwas zu sehr in seinen wirklich tollen Bildern.

Trotzdem: „The Great Gatsby“ hat meine Erwartungen erfüllt, ich bin zufrieden, der Film ist toll!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (sehr genaue Verfilmung in tollen Bildern und mit großartigen Darstellern UND einem geilen Soundtrack)

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6 Kommentare leave one →
  1. 27. Mai 2013 09:18

    Da ist sie ja wieder, mein alter Freund auf diesem Blog: die 9/10 😀

    Mir verlangte der Film ja kein Sitzfleisch ab, ich war sogar überrascht, wie schnell die 2,5 Stunden verflogen waren und dann plötzlich der Abspann einsetzte. Schöner Film, wenn auch kein vollkommen runder. Aber das liegt eher an Fitzgerald als an Luhrmann.

    • donpozuelo permalink*
      28. Mai 2013 14:59

      Hin und wieder tauchen sie immer mal wieder auf 😉

      Die Bemerkung zum Sitzfleisch war eigentlich auch eher nebensächlich, gebe ich zu. Für mich ist die Zeit auch gut verflogen, auch wenn man gerade am Anfang schon etwas zügiger hätte werden können. Und was das Buch angeht: Ja, das stimmt!!! 😉

  2. 27. Mai 2013 19:32

    I disagree, aber das weisst du ja old sport‘

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