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TWB XVIII: Gute schlechte Nachrichten

10. Mai 2013

Es ist eine schwierige Zeit, in der ein „GoldenEye“-Nachfolger gedreht werden muss. Nicht nur sind die Erwartungen nach dem erfolgreichen „Neustart“ mit Pierce Brosnan extrem hoch, das Ganze wurde auch noch vom Tod des Bond-Produzenten Albert R. Broccoli überschattet… und der Mann überwachte seit dem Beginn der Reihe das Fortbestehen des Agenten. Doch wie wir ja alle wissen, bleibt Bond in der Familie und wird von nun an vollständig von Broccolis Tochter Barbara übernommen, die schon die beiden Dalton-Filme mitproduzierte.

Es hängt also ein großer trauriger Schatten über dem achtzehnten Bond-Film, der nun auch noch beweisen muss, dass der Erfolg von „GoldenEye“ wiederholbar ist. Und wie bei jedem guten Helden hängt der Erfolg davon ab, wie übermächtig sein Gegner erscheint. Da die bösen Russen nicht schon wieder beansprucht werden können, entscheidet man sich dafür, Bond in „Der Morgen stirbt nie“ gegen die Allmacht der Medien antreten zu lassen: Der Medien-Mogul Elliot Carver (Jonathan Pryce) will mit seinen Zeitungen und Sendern die absolute Weltmacht werden. Deswegen braucht er gute schlechte Nachrichten, die er auch gerne selbst produziert. Und so plant er, Großbritannien und China in einen Krieg zu verwickeln. Der gute James (Pierce Brosnan) soll das verhindern… und damit er bei so einem großen Gegner nicht allein dasteht, hat er unerwartete Hilfe von Wai Lin (Michelle Yeoh) vom chinesischen Geheimdienst.

„Der Morgen stirbt nie“ weckt in mir gemischte Gefühle. Gerade was Story und Action angeht. Die Story an sich fand ich persönlich recht unspektakulär. Man erkennt zwar die Bemühungen, sich ein neues, moderneres Feindbild anzulegen, aber meine Meinung nach ist man ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Jonathan Pryce spielt seine Rolle als verrückter, machthungriger Medien-Mogul zwar sehr gut, doch wirkt alles, was er macht und plant, sehr surreal. Es ist zwar nicht abwegig, was er tut, aber die Art und Weise wirkt ein wenig zu abgehoben. Ich kann es nicht richtig in Worte fassen, aber da war mir ein Goldfinger dann doch sehr viel realistischer. Gleichzeitig muss man dazu sagen, dass der ganze Plot einfach nur eine Aufarbeitung von „Man lebt nur zweimal“. Aber selbst da fand ich das Raketen-Klauen von S.P.E.C.T.R.E. passender. Wenn man bei „Man lebt nur zweimal“ bleibt, dann erklärt sich auch gleichzeitig der Versucht, mal wieder ein bisschen Fernost-Kunst mit einzubringen.

Während das aber in Filmen wie „Man lebt nur zweimal“ oder „Der Mann mit dem goldenen Colt“ noch recht ansehnlich war… vor allem weil man neben den Martial-Arts-Szenen auch sehr schön das jeweilige Land als exotischen Drehort in Szene setzte, muss in „Der Morgen stirbt nie“ die kleine Michelle Yeoh alles alleine wuppen. Sie muss den Asia-Flair genauso tragen wie die fernöstlichen Kampfkünste. Als Bond-Girl war sie mir persönlich fast ein wenig zu steif und unnahbar, aber das ist ja auch mal eine nette Abwechslung (im Gegensatz zu Teri Hatchers Kurzauftritt, von dem nur die Strapsen in Erinnerung bleiben). Immerhin liefert Yeoh in Sachen Kampfkunst aber auch, was verlangt wird. Yeoh vermöbelt die bösen Jungs und lässt den guten Jungen schön zappeln. Ein taffes Bond-Girl, das dennoch nicht so ganz überzeugt.

Was man an der Story vielleicht bemängeln könnte, macht Regisseur Roger Spottiswoode durch satte Action wieder wett. Damit kündigt sich schon an, was man leider auch über die übrigen Pierce Brosnan-Filme sagen kann: Es werden große Material-Schlachten… in denen Gadgets und grandiose Action-Sequenzen die Vorherrschaft über eine gute Story erlangen werden. Ich habe noch gut in Erinnerung, wie zu fast jedem Pierce-Brosnan-Bond immer nur über DIE eine spektakuläre Stunt-Szene gesprochen wurde: Für „Der Morgen stirbt nie“ war das entweder der Sprung aus dem Hochhaus, bei dem Bond und Wai Lin an einem riesigen „Big Brother“-Porträt von Carver herunterrutschen oder der wirklich spektakuläre Sprung mit dem Motorrad über einen Helikopter. Alles Szenen, die wirklich toll aussahen und die in Erinnerung bleiben… leider sind sie auch das Einzige, woran man sich bei diesem Film wirklich erinnert. Der Rest bleibt unter allen Erwartungen.

Wenigstens Pierce Brosnan kann auch in seinem zweiten Abenteuer als Doppelnull-Agent überzeugen. Die Qualitäten, durch die er schon bei seinem ersten Auftritt glänzte, behält er bei… und bleibt somit wenigstens ein zusätzliches Highlight für einen Bond-Film, der zwar viel versucht, aber nicht wirklich fesselt.

Wertung: 6 von 10 Punkten (gute Action… mehr aber leider auch nicht)

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6 Kommentare leave one →
  1. 10. Mai 2013 09:57

    Bitterböse und es wird nicht besser. 😦 Der Beste mit Brosnan war „Goldeneye“ und der war so gut, dass ich ihn als einen der besten Bond-Filme aller Zeiten bezeichne. Ich schlimmer.

    Na wie gesagt, es geht nur noch abwärts mit ihm…

    • donpozuelo permalink*
      10. Mai 2013 10:07

      „GoldenEye“ spielt für mich auch ganz vorne mit… gar keine Frage. Aber leider sind alle anderen Brosnan-Filme echt austauschbar und auch ein wenig langweilig.

  2. 12. Mai 2013 08:57

    So schlecht fand ich den nicht.
    Klar, im Vergleich mit „GoldenEye“ kann er nicht mithalten, und der Film bedient sich zu einem Grossteil bei seinen 17 Vorgängern, und bietet wenig „neues“, doch die Idee mit dem Medienmogul als Villain fand ich doch recht interessant.

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2013 11:42

      Den Medienmogul fand ich ja auch nicht so schlecht, allerdings fand die Art und Weise, wie sie ihn „aufbauen“ schon ein wenig merkwürdig. Außerdem geht der Fokus doch sehr viel stärker auf die Action und die Stunts als eine interessante Agentenstory. Trotzdem ist es von allen „GoldenEye“-Nachfolgern sicherlich noch der sehenswerteste.

      • 12. Mai 2013 14:36

        Dass ist schon so, entwickeln sich die Brosnan-Bonds doch steil nach unten, bis zum Tiefpunkt „Die Another Day“

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