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TWB XVII: Mein erstes Mal

3. Mai 2013

Für mich war Roger der Einzige, der Wahre! Aber ich glaube, so ergeht es wohl jedem Kind der Achtziger… das war einfach Rogers Zeit! Das oder im Fernsehen liefen einfach mit Vorliebe Rogers Filme. Somit wuchs ich auf mit Roger, lernt Roger besser kennen und lieben. Roger war die große Nummer Eins. Von Sean oder George oder gar Timothy hatte ich nie gehört. Und so wurde ein ganz anderer meine Nummer 2. Ich wusste damals nicht, dass James Bond für gute sechs Jahre eine Pause eingelegt hatte. Ich wusste nicht, dass der gute Timothy nach so langer Wartezeit nicht noch einmal Bond sein wollte. Das einzige, was ich damals 1995 wusste, war folgendes: Ich würde zum ersten Mal in meinem Leben einen Bond-Film im Kino sehen. Das war schon so eine kleine Sensation für mich… weswegen Pierce Brosnans Einstand als James Bond in Martin Campbells „GoldenEye“ auch immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird.

Aber genug der Sentimentalitäten, kommen wir zu den Fakten: Es ist schon schade, dass es so lange dauerte, bis nach „Lizenz zum Töten“ ein weiteres Bond-Abenteuer folgte. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hätte Timothy Dalton gerne noch ein weiteres Mal gesehen. Sein Bond gefällt mir echt mehr und mehr. So aber wurde Platz für einen neuen Mann gemacht: Pierce Brosnan. Der sollte ja eigentlich schon zu „Der Hauch des Todes“ an den Start gehen, war aber verhindert. Naja, besser spät als nie.

In „GoldenEye“ legt sich dieser neue Bond nun mit der russischen Terror-Organisation Janus an, die nicht nur seinen besten Freund Agent 006 (Sean Bean) umgebracht hat. Janus hat sich auch – mit Hilfe von General Ourumov (Gottfried John) und dessen Gehilfin Xenia Onatopp (Famke Janssen) – das Satelitten-System „GoldenEye“ unter den Nagel gerissen. „GoldenEye“ sorgt für nette Zerstörungen dank elektromagnetischer Impulse. Gemeinsam mit der Programmiererin Natalya (Izabella Scorupco) versucht Bond Janus aufzuspüren… große Überraschungen inklusive.

Nach so langer Wartezeit und mit einem neuen Bond-Darsteller wurde alles von Grund auf erneuert. Die wohl größte Erneuerung dürfte aber zweifelsohne Judi Dench als Bonds neue Vorgesetzte M sein. Ein resoluter, Feuer speiender Drache, der Bond als sexistischen Dinosaurier beschreibt und damit wohl endlich mal allen Frauenverbänden, die Bond-Filme als chauvinistisch betrachten, aus dem Herzen sprach.

Neben Dench gilt das Augenmerk natürlich erst einmal diesem neuen Typen… der zum Glück das Zeug dazu hat ein wirklich guter Bond zu sein. Jetzt im Nachhinein empfinde ich Brosnans ersten Auftritt als eine Art Mischung aus Roger Moore und Timothy Dalton. Er reißt die Sprüche wie Moore und verkloppt die Bösen wie Dalton. Dabei wirkt er – stets fein im Anzug – wieder mehr wie ein echter James Bond. Während Dalton vor ihm ja schon fast mehr zum Action-Mann mutierte, bringt Brosnan wieder ein wenig Klasse und Stil zurück. Da wird endlich wieder Martini gesoffen und im Kasino gezockt. Bond is back… und er fühlt sich wohl dabei.

Aber auch was die Inszenierung angeht, erinnert Martin Campbells „GoldenEye“ sehr viel stärker an die alten Bond-Klassiker. Obwohl der Kalte Krieg vorbei ist, wird das Ost-West-Thema noch einmal aufgegriffen, dieses Mal allerdings mit einem kleinen netten Twist (der an dieser Stelle nicht verraten wird – für den Fall, dass jemand diesen Film noch nicht gesehen hat). Man kann dieses Guter Brite – böser Russe-Schema mögen oder nicht. Es funktioniert hier jedoch ganz gut… auch wenn Famke Janssen als Sado-Braut, die Männer mit ihren Schenkeln erdrückt, für meinen Geschmack etwas zu weit gegangen ist.

Dafür holt Campbell es mit der Action wieder voll und ganz raus. Ob nun der Bungee-Jump vom Staudamm, die etwas andere Art und Weise ein Flugzeug zu betreten oder die Panzerfahrt durch Moskau – der neue Bond beeindruckt durch wirklich spektakuläre Stunts und Action. Allein diese Fahrt mit dem Panzer erfüllt doch jeden unerfüllten Traum davon, selbst einmal mit einem Panzer irgendwo durch die Gegend zu heizen. Großes Kino!!!

„GoldenEye“ lässt uns nur selten eine Verschnaufpause und das ist auch gut so. Der Junge von damals war fasziniert und der große Junge von heute ist es auch noch. Vielleicht spielt Sentimentalität eine Rolle… Brosnan war und wird immer der erste Kino-Bond für mich sein (und das erste Mal vergisst man ja bekanntlich nie), aber „GoldenEye“ ist auch wirklich ein guter Bond geworden, der den Charme eines Connery, den Witz eines Moore und die Action eines Dalton vereint. Go, Brosnan!!!

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (Nummer 5 lebt und ist verdammt gut)

6 Kommentare leave one →
  1. 3. Mai 2013 10:38

    Braver Junge. GoldenEye ist mein Lieblings-Bond der Neuzeit, gefolgt von SkyFall. Die dazwischen waren imho eher mittelmässig…

    • donpozuelo permalink*
      3. Mai 2013 11:29

      Danke!!! Ja, ich weiß… gerade der gute Pierce hat’s nicht leicht, weil keiner seiner Filme wirklich an „GoldenEye“ rankommt.

  2. 5. Mai 2013 12:05

    Muss mich Owley’s Meinung anschliessen.
    Bis Skyfall stellte GoldenEye den letzten Höhepunkt der Reihe dar.
    Nur schon der endgeile Titelsong (einer der besten der Franchise) von Rockröhre Tina Turner ist erste Sahne.
    Regisseur Campell ist es gelungen, Bond in die Post-Cold War-Ära zu befördern, und ein Stück weit zu modernisieren.
    Pierce Brosnan passt zudem als 007, und vereint die besten Qualitäten seiner vier Vorgänger.

    • donpozuelo permalink*
      5. Mai 2013 19:53

      Naja, ich war auch schon von „Casino Royale“ schwer beeindruckt, aber bis dahin folgen jetzt tatsächlich erst einmal eher flachere Filme. Was ziemlich schade für Brosnan ist, weil ich den gerade hier als neuen Bond echt verdammt gut fand.

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