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Groovy!!!

29. April 2013

Ein kleines Feuer – und alles ist vorbei. Nach einer anstrengenden Nacht, die ihn all seine Freunde gekostet hat, scheint Ruhe einzukehren. Der junge Ash hat überlebt! Man könnte meinen, dass nach der Zerstörung des Buchs der Toten alles vorbei ist. Aber gerade im Horror-Genre ist doch nur eines wirklich sicher: Das Böse stirbt nie! Und trotzdem hat Sam Raimi ein Problem… denn die Tatsache ist nun mal folgende: Das böse, böse Necronomicon gibt es nicht mehr. Es wurde in den reinigen Flammen des Kamins in der kleinen Hütte im Wald zerstört. Wie um alles in der Welt soll man darauf eine Fortsetzung aufbauen und den ganzen Spuk noch einmal erzählen?

Man könnte es wie Raimi machen, denn der erzählt seine Geschichte einfach noch mal. Wirklich: Teil 2 erzählt – in abgewandelter Form – noch einmal genau das Gleiche wie „The Evil Dead“: Ash (Bruce Campbell) fährt mit seiner Freundin Linda (Denise Bixler) in eine Hütte im Wald, spielt ein altes Abspielgerät ab und erweckt so die bösen Dämonen. Nachdem er sich seiner besessenen Freundin entledigt hat, hofft Ash auf eine Flucht aus dem Wald. Doch die Brücke ist im Arsch… genau wie Ash. Es gibt kein Entkommen, Ash muss kämpfen. Aber dann taucht auf einmal Annie (Sarah Berry) auf. Ihrem Vater gehörte die Hütte, ihr Vater las das Necronomicon als einer der ersten und ihr Vater lässt auch Ash – dank des Tonbandgeräts – in den Horror des Buches eintauchen. Zum Glück aber bringen Annie und ihre Begleiter Rettung in Form fehlender Seiten des Buches… Seiten, die helfen könnten, das Böse endgültig zu besiegen.

Es ist ein wenig merkwürdig, warum Raimi nicht einfach einen Rückblick aus dem ersten Teil verwendete (angeblich gab’s irgendwelche rechtlichen Schwierigkeiten), doch im Endeffekt hilft ihm das sogar. Durch die Neuerzählung kann er einfach unter den Tisch wischen, dass das Necronomicon ja eigentlich vernichtet wurde. Außerdem dürfte es hier in Deutschland geholfen haben.. schließlich durfte der Film ja hier eh nicht gezeigt werden. Somit gewinnen alle!

Und fürwahr, wie wir alle gewinnen. Während sich „The Evil Dead“ noch wirklich als Horror-Film bezeichnen darf, müsste man bei „Evil Dead 2 – Dead by Dawn“ schon langsam überlegen, das Ganze nicht Horror-Komödie zu nennen. Anders als im ersten Teil werden die Horror-Elemente und vor allem die Gewaltakte gegen arme, unschuldige Dämonen auf das Nötigste beschränkt. Was aber nicht heißen soll, dass Raimi nicht trotzdem fleißig Gebrauch macht von Kunstblut und sonstigem. Doch selbst, wenn es unschön wird, bleibt es bei „Evil Dead 2“ auf einem ziemlich lustigen Niveau.

Da dreht der arme Ash halb durch und plötzlich steigen die Einrichtungsgegenstände in sein manisches Lachen mit ein. Wenn sich da dann die Tischlampe vor Kreischen biegt, möchte man fast fragen, woher Pixar die Idee mit der Lampe tatsächlich hat. Getoppt wird das wirklich nur noch von Ashs besessener Hand, die selbst nach der tragischen Trennung einfach nicht von ihm lassen kann. Aber es sind nicht allein nur Raimis glorreiche Einfälle, die „Evil Dead 2“ so sehenswert machen, es ist vor allem DEM Mann zu verdanken, ohne den die ganze „Evil Dead“-Reihe einfach nur normales Dingens-Zeug wäre.

Bruce Campbell, der Mann mit dem coolsten Kinn der Horrorgeschichte, kann sich in Teil 2 endlich mal so richtig austoben. Während er im ersten Teil noch verhältnismäßig ruhig war, muss er in der Fortsetzung den Film fast allein stemmen. Was aber für Campbell überhaupt kein Problem darstellt. Campbell ist super. Und ein mit Kettensäge und Schrotflinte aufgemotzter Campbell ist noch besser. Hach, dieser Moment, wenn Ash sich seine Kettensägen-Halterung baut und dann in fertiger Montur und einen coolen Spruch auf den Lippen da steht… da weiß man, hier ist einer der ungewöhnlichsten und gleichzeitig coolsten Helden der Filmgeschichte geboren. Ein Typ ohne Superkräfte, der aber trotzdem verdammt super ist.

Tja, und wenn all diese Lobhudelei noch nicht genug wäre, erschafft Sam Raimi mit „Evil Dead 2“ auch gleich noch das Paradebeispiel dafür, wie ein Cliffhanger verdammt nochmal wirklich zu sein hat. Raimi überzeugt ja schon den ganzen Film hindurch mit grandios schrägen Einfällen, aber mit dem Ende (über dessen Auswirkungen wir dann bei Teil 3 sprechen werden) setzt er dem ganzen die Krone auf. Ein verdammt mutiger Schachzug… aber von einem wie Raimi hätte man eigentlich auch nichts anderes erwarten dürfen.

Somit ist auch „Evil Dead 2“ ein guter Beweis dafür, dass Fortsetzungen nicht immer schlecht sein müssen… hier geht’s sogar fast so weit, dass man den ersten Teil gar nicht gesehen haben muss, um trotzdem jede Menge Spaß zu haben.

Wertung: 10 von 10 Punkten (der Über-Ash wird geboren – das allein reicht schon aus für einen echten Kultklassiker)

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12 Kommentare leave one →
  1. 29. April 2013 08:13

    Nur mal so am Rande: Das war weniger ein Cliffhanger als viel mehr ein böser Schluss-Gag. Sonst hätte Raimi für einen Teil 3 wohl auch kaum einige Geschehnisse vom Mittelalter-Schluss des zweiten Teils abändern müssen. Ansonsten: Schöner Text! Es muss nicht immer sachlich sein. Manchmal darf auch die Euphorie mit einem durchgehen. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      29. April 2013 12:09

      Sachlichkeit ist bei Kritiken eh fehl am Platz 😉 Die Idee mit dem Mittelalter gab’s ja scheinbar sogar schon während der Dreharbeiten zum ersten Teil… und ja, es ist wohl eher ein Gag, der erst im Nachhinein zum Cliffhanger wird, dafür ist es aber einfach genial. 😉

  2. 29. April 2013 08:59

    Fand den auch besser als Teil 1 – der Humor steht dem Ganzen schon gut.

    • donpozuelo permalink*
      29. April 2013 12:10

      Auf jeden Fall! Damit hat Raimi dann auch echt eine kleine Nische für sich gefunden, in der er wunderbar schalten und walten konnte.

  3. 29. April 2013 10:49

    Fand ich auch besser als Teil 1, aber nicht 10-Punkte-gut.

    • donpozuelo permalink*
      29. April 2013 12:10

      Doch, doch, doch!!! 😉 Der Film hat allein schon wegen der Hand und der Kettensäge und dem Groovy und dem Ende volle Punktzahl verdient!!! 😀

  4. 1. Mai 2013 08:43

    Tolle Vereinigung des Horror Stils des ersten Teils und des Trashes von Teil 3…von dem her absolut gerechtfertigte Punktzahl…auch wenn ich Army fast noch ein bisschen besser fand

    • donpozuelo permalink*
      1. Mai 2013 08:53

      Ich habe ja fast ein bisschen gehadert mit mir, ob ich so viele Punkte geben soll. Aber es gibt einfach zu viele großartige Momente in diesem Film, die ihn (für mich) zum Besten der Reihe machen.

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