Skip to content

TWB XVI: Racheengel

26. April 2013

Auch ein James Bond hat es zunehmend schwerer. War er zu Beginn seiner Zeit noch mehr oder weniger der einzige große Held auf der Leinwand, muss er sich gerade in den 80er Jahren mehr und mehr mit anderen Konkurrenten rum schlagen. Timothy Daltons zweiter Auftritt als James Bond musste sich 1989 mit enorm schweren Kalibern auseinandersetzen. Im gleichen Jahr kämpfte Bond also nicht nur gegen seine üblichen Ganoven und Gauner, sondern auch gegen Mel Gibsons „Lethal Weapon 2“, gegen Harrison Fords „Indiana Jones und der Letzte Kreuzzug“ und sogar gegen Tim Burtons „Batman“. Schwere Gegner… weswegen „Lizenz zum Töten“ auch eine wesentlich härtere Gangart einschlägt… und interessanterweise sehr viele Sachen seiner Konkurrenz kopiert:

Eigentlich beginnt alles mit einer Hochzeit. Bonds langjähriger CIA-Freund Felix Leiter (David Hedison) heiratet. Kurz zuvor haben Bond (Timothy Dalton) und Leiter mal eben noch den berüchtigten Drogenboss Sanchez (Robert Davi) hochgenommen. Der allerdings kann entkommen, tötet Leiters frisch Angetraute und befördert den CIA-Agenten ins Krankenhaus. Da sieht Bond rot, verweigert einen neuen Auftrag, nur um Rache an Sanchez nehmen zu können. Daraufhin wird ihm seine Lizenz zum Töten abgenommen und der Agent ist auf sich allein gestellt. Naja, wenn da nicht noch die bezaubernde Pam (Carey Lowell) und Q (Desmond Llewelyn) wären…

Wenn man sich „Lizenz zum Töten“ anschaut, dann möchte man wirklich meinen, hier wurde „Batman“ mit „Der Letzte Kreuzzug“ und „Lethal Weapon“ zu einem Etwas verbunden, das nach einem Bond-Film aussehen soll. Doch damit sind wir gleich am Hauptproblem von „Lizenz zum Töten“: Es mag sich für den ein oder anderen nicht unbedingt wie ein Bond-Film anfühlen. Mir hat Bond als „Dunkler Rächer“ jedoch ziemlich gut gefallen. Eigentlich hätte ich so etwas ja schon nach „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ erwartet – schließlich wird hier Bonds Ehefrau getötet, doch statt in „Diamantenfieber“ schon einen Rächer-Bond zu erschaffen, wird man schwer enttäuscht. Nun also endlich doch mal ein Agent, der auf Rache aus ist. Mir gefiel das Konzept, wie gesagt, sehr gut. Nachdem Timothy Dalton bereits in „Der Hauch des Todes“ für einen sehr viel ernsteren und glaubwürdigeren Bond sorgte, fand ich diesen Twist ziemlich spannend. Bond kündigt und geht allein auf Jagd. Hier kann Dalton noch einmal beweisen, dass er diesen knallharten, erbarmungslosen Bond wirklich gut drauf hat. Sonst war Bond immer in seiner Komfortzone, doch jetzt in „Lizenz zum Töten“ gibt es die nicht mehr. Bond ist härter, brutaler und rachsüchtiger. Kein üblicher Bond, aber äußerst sehenswert.

Das liegt unter anderem auch daran, dass John Glen noch einmal alles raus holt und in Sachen Action und Geschwindigkeit noch einen draufsetzt. Von der an „Feuerball“ erinnernden Unterwasser-Kampf-Szene über die Wasserflugzeug-Kaperszene bis hin zur großartigen finalen Verfolgungsjagd liefert „Lizenz zum Töten“ alles, was das Action-Herz begehrt. Vor „Lethal Weapon 2“ muss sich Bond also auch nicht verstecken.

Bleibt nur noch „Der Letzte Kreuzzug“. Um dem Paroli zu bieten, sucht Bond aber nicht nebenbei noch den Heiligen Gral, sondern bekommt ähnlich wie Harrison Ford eine Vaterfigur an die Seite. Während Indy immerhin mit dem Ur-Bond Connery zusammenarbeiten darf, bekommt Desmond Llewelyns Q seinen wohl längsten Auftritt in der gesamten Reihe. Inoffiziell (und mehr auf Bitten Moneypennys) unterstützt er Bond. Dabei darf Llewelyn endlich ein bisschen mehr tun, als einfach nur einen witzigen Spruch abgegeben. Er wird Bonds wichtigster Helfer und sorgt auch noch dafür, dass sich die Damen nicht die Augen ausheulen. Q als Bond’sche Vaterfigur funktioniert erstaunlich gut.

Erstaunlich gut sind dann auch die Bond-Girls und Villains. Carey Lowell ist nicht nur ein äußerst netter Hingucker, sondern verteilt auch ordentlich. Dazu kommt mit Robert Davi endlich mal wieder ein Bösewicht, der diesen Titel zu Recht trägt. Tja, und wer ganz genau hinschaut, erkennt auch noch Benicio del Toro als Schlägertyp (auch wenn der hier noch sehr grün hinter den Ohren ist)…

„Lizenz zum Töten“ ist ein anderer Bond-Film. An vielen Stellen fühlt sich das Ganze nicht einmal mehr an wie Bond, trotzdem ist es eine äußerst interessante Sichtweise auf diesen uns schon so vertrauten Agenten. Timothy Dalton beweist aber auch mit diesem zweiten Teil, dass er zu den besten Bond-Darstellern gehört (mittlerweile würde ich ihn persönlich sogar schon vor Roger Moore stellen und der war für mich immer DER Bond schlechthin).

Wertung: 9 von 10 Punkten (Bond als dunkler Rächer… vielleicht etwas irritierend, aber verdammt gut)

Advertisements
11 Kommentare leave one →
  1. 26. April 2013 07:41

    „mittlerweile würde ich ihn persönlich sogar schon vor Roger Moore stellen und der war für mich immer DER Bond schlechthin“ -> SHOCKED!

    Nein, Spaß. Ich sehe das ganz genau so. Timothy Dalton war so nah am Buch-Bond wie kein anderer. Und ganz genau das schätze ich an ihm. Ich muss die Dalton-Filme mal wieder sehen, nachdem ich die Bücher aktuell geradezu verschlinge.

    • donpozuelo permalink*
      26. April 2013 09:18

      Du wirst nicht glauben, aber ich war selber von mir geschockt. Aber ich kannte vorher eigentlich nur Connery, Moore, Brosnan und Craig als Bond-Darsteller. Nachdem ich jetzt wirklich zum ersten Mal die Dalton-Filme gesehen habe, bin ich echt schwer begeistert. Schade, dass er nicht mehr gedreht hat. Aber die beiden Filme, die er gemacht hat, sind wirklich verdammt gut. Vor allem dank ihm!

      • 26. April 2013 09:20

        Ich bin mir da nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube die Masse war nicht so begeistert, da er so anders war. Nicht mehr der Gentleman, sprich Moore. Wenn ich an meine Mutti denke, die Craig nicht mag, da er zu hart ist und das ganze Gentleman-Getue weggefallen ist,…

        Mensch Leute, lest mehr Bücher! 🙂

        • donpozuelo permalink*
          26. April 2013 09:23

          Kann mir schon gut vorstellen, dass Daltons Bond bei einigen nicht besonders gut ankam, der feine englische Gentleman ist er ja wirklich nicht immer gewesen. Aber gerade das war nach dem dann doch etwas sehr weichgespülten Moore wirklich sehr erfrischend.

  2. 28. April 2013 11:42

    Der Film ist mir persönlich zu wenig Bond-Mässig.
    Zwar finde ich die Grundidee gelungen, und an der Machart ist nichts auszusetzen.
    Doch es fehlen mir die typischen Elemente der Serie.
    Als klassischer 80s-Actionknaller geht der Film durch, nicht aber als 007-Film.

    Schauspielerisch ist jedoch wirklich nichts zu rütteln; Dalton spielt sehr gut und mit Robert Davi kriegt er einen sehr respektablen Gegner.

    • donpozuelo permalink*
      28. April 2013 21:45

      Das ist wohl wahr. Der gewisse Bond-Flair fehlt schon, trotzdem fand ich es eigentlich mal ganz nett nicht den üblichen Kram zu sehen. Und gerade, weil man ja mit Dalton schon einen neuen Weg eingeschlagen hat, konnte ich mich damit ganz gut anfreunden. Schon ein interessanter Aspekt mal zu sehen, dass auch ein Bond nicht immer den Regeln folgt.

Trackbacks

  1. TWB XVII: Mein erstes Mal | Going To The Movies
  2. TWB XVIII: Gute schlechte Nachrichten | Going To The Movies
  3. TWB XIX: Rohrkrepierer | Going To The Movies
  4. TWB XXI: Neuanfang | Going To The Movies
  5. Die Liga der außergewöhnlichen Monsterjäger | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: