Skip to content

TWB XV: Smiert Spionam

19. April 2013

Alles auf Anfang. Ein löbliches Motto, allerdings muss man sich schon fragen, warum man da nicht auch an allen wichtigen Stellen mit dem Neuanfang begonnen hat. So darf trotz Neuanfang John Glen weiterhin als Regisseur für die Bond-Reihe tätig sein. Und das, obwohl „Octopussy“ und „Im Angesicht des Todes“ nun wirklich nichts besonderes sind. Aber erstaunlicherweise ist das auch nicht weiter tragisch, denn so wie es aussieht, hat man wirklich nur einen neuen Bond-Darsteller gebraucht, um endlich wieder einen vernünftigen Bond-Film zu drehen.

Nach dem Abschied von Good old Roger Moore standen drei Namen im Raum: Pierce Brosnan, Sam Neill und Timothy Dalton. Da Brosnan und Neill vertraglich anderweitig verpflichtet waren (und Brosnan demnächst sowieso ran durfte), bekam Dalton den Zuschlag, James Bond von Grund auf neuzugestalten. Allerdings nicht von Grund auf, denn die Idee eines Prequels – der Schilderung von Bonds erstem Auftrag – kam bei Produzent Broccoli überhaupt nicht gut an (sorgte aber später dafür, dass ein blonder Bond wunderbar ins Bild passte). So geht es in „Der Hauch des Todes“ einfach fröhlich mit den üblichen Missionen, aber einem frischeren und vor allem jüngeren Bond weiter: Der sorgt in Bratislava dafür, dass KGB-General Koskov (Jeroen Krabbé) fast ungestört zum MI6 überlaufen kann. Als Dank dafür verrät er den neuen Leiter der KGB-Spionage-Abteilung Leonid Puschkin (John Rhys-Davies, Indys Freund aus „Jäger des verlorenen Schatzes“), der angeblich vor hat, das Projekt „Smiert Spionam“ wieder aufzuwecken, um anhand einer Liste amerikanische und britische Spione zu töten. Kurz danach wird Koskov vom KGB entführt und Bond macht sich auf die Suche nach ihm und Puschkin… nur um zu entdecken, dass man ihn die ganze Zeit verarscht hat.

Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an: Ein neuer Bond. Mittlerweile schon Bond Nummer 4. Nach Connery, Lazenby und Moore versucht sich Timothy Dalton an dem britischen Geheimagenten… und erschafft eine andere Sichtweise auf den guten Mann. Was wohl auch schwer damit zusammenhängen mag, dass man von dem Sprüche klopfenden Moore-Image weg wollte. Daltons Bond ist anders – ein bisschen ernster, ein wenig bodenständiger und ein bisschen actionsüchtiger. Ernst heißt zum Glück nicht, dass es überhaupt nichts mehr zu Lachen gibt. Daltons Bond darf hier und da schon auch noch ein ironisch gemeinten Kommentar loslassen, doch wirkt er im Ganzen sehr viel ernster. Ein bodenständiger Mensch, der seine Aufgaben ernst nimmt. Das heißt auch, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Daltons Bond ist mit Abstand der „keuscheste“. Ganz zum Anfang darf er einmal ran und danach lange, lange Zeit gar nicht. Zu sehr ist er damit beschäftigt, die einzelnen Puzzle-Teile zusammenzufügen.

An dieser Stelle darf man dann auch mal das Drehbuch loben. Die Story fühlt sich endlich mal wieder nach richtiger handfester Spionage-Arbeit an. Hier ist nicht jeder sofort zu durchschauen, die bösen Buben offenbaren nicht gleich nach zehn Minuten ihren bösen Plan. Bond jagt endlich auch mal wieder wirklich um die halbe Welt, was in diesem Film nicht nur für die exotischen Drehorte genutzt wird, sondern sich auch wunderbar schlüssig in die ganze Geschichte einfügt.

„Der Hauch des Todes“ räumt tatsächlich viel auf und sorgt nach einer doch etwas längeren Durststrecke endlich mal wieder für gute Unterhaltung. Der neue Bond und der Fast-Neuanfang haben der Reihe einen vernünftigen, glaubhafteren Anstrich verpasst… und: Das vielleicht unglaublichste für mich war die erste halbwegs glaubhafte Liebesgeschichte in einem Bond-Film. Ja, ja, ich weiß… in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ heiratet Bond sogar, nur wird da die große Liebe in einer blöden, kitschigen Montage zusammengeschustert. Mit Bond-Girl Maryam d’Abo „muss“ sich Bond ganz schön abmühen. Denn die Dame hängt an ihm wie eine Klette. Auf der einen Seite ist das recht sympathisch, denn so entwickeln sich schon so hier und da ein paar nette Spannungen, auf der anderen Seite wirkt d’Arbo ein wenig zu brav (und leider irgendwann auch ein bisschen zu nervig), um wirklich hervorzustechen. Trotzdem ist der Gedanke schon einmal nicht schlecht.

Schlecht hingegen sind die Bond-Villains des Films. Jeroen Krabbé und der hier noch nicht weiter erwähnte Joe Don Baker, der einen Waffenhändler spielt, sind wirklich unter aller Sau. Denen fehlt dieses ungeheuere Charisma, das sie gefährlich erscheinen lässt. Ich meine, wenn Bond wollte, würde er die beiden zum Frühstück verputzen. Dafür ist wenigstens Andreas Wisniewski als Scherge Necros ein würdiger Gegenspieler.

„Der Hauch des Todes“ ist ein gelungener Neuanfang. Man könnte nörgeln, dass es vielleicht zu neu ist. Von den vorherigen Bonds ist bei Dalton eigentlich kaum noch was zu spüren, dennoch macht gerade das den Film aus. Dalton und Regisseur Glen entledigen sich der vorherigen Klischees und beschaffen uns einen sehenswerten, neuen Bond… an den man sich gewöhnen könnte (wenn er nicht nach einem weiteren Film wieder verschwinden würde).

Wertung: 8 von 10 Punkten (alles auf neu funktioniert dieses Mal fast perfekt)

Advertisements
4 Kommentare leave one →
  1. 23. April 2013 01:26

    Ich mochte den Film ganz gut.
    Nach Roger Moore, der das übers Bond-Verfallsdatum längst überschritten hatte, weht mit Timothy Dalton endlich ein neuer, härterer Wind.
    Dalton hat sich im Gegensatz zu seinen Vorgängern die Mühe gemacht und sich mit Ian Flemings Buchvorlagen auseinandergesetzt, und gibt der Figur realistischere Züge.

    Mit anständigen Villains und besseren Bondgirls (die neue Moneypenny war ja auch ein Witz) hätte der Film durchaus das Zeug zu einem der besten Filme innerhalb der Franchise gehabt.

    • donpozuelo permalink*
      23. April 2013 09:05

      Ja, die neue Moneypenny hatte mich auch total schockiert… aber gut, wenn Bond wieder jünger wird, macht’s ja kein Sinn, wenn er einer älteren Dame nachjagt. Ansonsten muss ich sagen, bin ich echt sehr begeistert von Timothy Dalton als James Bond. Da macht die Figur echt wieder was her und wirkt nicht mehr so weichgespült wie in den letzten Roger-Moore-Filmen. Ist schon eine echte Bereicherung für die Reihe.

Trackbacks

  1. TWB XVI: Racheengel | Going To The Movies
  2. TWB XVII: Mein erstes Mal | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: