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Nyotaimori

15. April 2013

Ich esse ja gerne mal Sushi. Ich habe mich da erst sehr zaghaft herangetraut, aber mittlerweile bin ich ein großer Sushi-Fan. Doch Sushi a la Nyotaimori hatte ich noch nie. Unter diesem Begriff wird angeblich das Sushi-Essen von einem nackten Frauenkörper bezeichnet. Nun traue ich ja den Japanern allerlei Zeug zu, dass mir (und anderen) möglicherweise fremd vorkommen könnte. So richtig Japanisch ist aber Nyotaimori wohl auch nicht. Zumindest wenn man so seinen Google-Suchergebnissen Glauben schenken mag. Möglicherweise ist es einfach nur irgendein so ein Sex-Ding, dass irgendwer irgendwann mal erfunden hat und sich dachte: „Naja, mit kaltes Sushi auf der Haut ist immer noch besser als heißer Gulasch!“. Vielleicht hat es auch irgendwas cooles mit den Yakuza zu tun… wer weiß?

Regisseur Ken Saxton findet scheinbar die Yakuza-Gangster-Variante interessanter und baute darauf seinen Film „Sushi Girl“. Darin dient eine unbekannte nackte Schönheit (Courtney Palm) als Sushi-Platte für ein recht merkwürdiges Treffen. Das hat Gangster Duke (Tony Todd) einberufen… schließlich gibt es etwas zu feiern. Fish (Noah Hathaway) kommt nach sechs Jahren wieder aus dem Knast. Reingekommen ist er als Sündenbock für einen schiefgegangenen Diamantenraub. Doch schnell wird klar, dass Duke und die Kollegen Crow (Mark Hamill), Max (Andy Mackenzie) und Francis (James Duval) nicht wirklich zum Feiern da sind. Die wollen die Diamanten und verdächtigen Fish, sie vor seinem Einzug in den Knast versteckt zu haben.

„Sushi Girl“ bietet gleich zu Beginn ein paar äußerst aufregende Momente. Moment Nummer 1 ist der Moment, in dem einem klar wird, dass der Sushi-Koch von niemand geringerem als Sonny Chiba gespielt wird. Moment Nr. 2 ist, wenn Mark Hamill, Mr. Skywalker himself, plötzlich auftaucht. Und Moment Nr. 3 ist der, wenn plötzlich das Bild des strahlenden Jedi-Ritters von dem Bild eines fetten, hässlichen Typen mit fettigen Haaren abgelöst wird. Ein unangenehmer Schock-Moment, dem Saxton noch einige mehr folgen lässt.

Die Handlung des Films spielt hauptsächlich in einem Raum: die kleine Gruppe rund um die nette nackte Dame. Zwischendurch gibt es ein paar eher unspektakuläre Rückblenden, die einen noch unspektakuläreren Raubüberfall zeigen. Manchmal hatte ich dabei so das Gefühl, als hätte Saxton mit „Sushi Girl“ gern sein „Reservoir Dogs“ gedreht. Nur so ganz an Tarantino kommt er dann doch nicht heran. Die Dialoge sind bei weitem nicht so ausgefeilt und ironisch-witzig wie bei Tarantino. Auch die japanischen Nuh-Masken kommen nicht an die Farben-Namen aus „Reservoir Dogs“ heran – obwohl sie schon ziemlich cool aussehen.

Aber damit hören dann die Möglichkeiten für einen Tarantino-Vergleich auch schon auf. Wohl eher sollte man sich nach der Einführung der verschiedenen Figuren Eli Roth und seinem „Hostel“ zu wenden. Denn um die Informationen aus Fish herauszupressen, gehen besonders Crow und Max harte Wege. Und „Sushi Girl“ wandelt auf den Pfaden des Torture Porn. Da wird eine zerbrochene Flasche in einer stinkenden Socke zum Prügelgerät, Essstäbchen zum Foltermittel und natürlich gibt es auch eine Szene, die uns allen den nächsten Besuch beim Zahnarzt versüßen wird. Saxton geht hier echt zu sehr in die Gewalt… wohl aber um zu verdecken, dass er sonst nicht besseres mit seinen Figuren anzufangen weiß.

Die Schauspieler machen ihre Sache gut, keine Frage. Zumindest in dem Rahmen des Möglichen. Besonderes Augenmerk meinerseits galt natürlich Mark Hamill, der als leicht tuntiger Gangster hier ganze Kindheitserinnerungen zerstört. Aber gut, als Synchronsprecher des Jokers in „Batman: The Animated Series“ durfte er psychotisches Verhalten schon mal üben, was ihm hier echt entgegen kommt. Denn von allen Anwesenden ist er noch der Interessanteste. Alle anderen bleiben die üblichen Klischees. Traurig ist auch, dass Saxton nicht mehr aus seinen Nebenrollen macht. Ich meine, Sonny fucking Chiba taucht zweimal auf, liefert einen Satz und das war’s. Das Gleiche gilt für Danny Trejo, der zwar immerhin noch seine „Machete“ schwingen darf, dann aber auch schnell wieder verschwunden ist. Insgesamt hat Saxton eine starke Truppe um sich vereint, macht aber viel zu wenig aus ihr. Was leider auch daran liegen dürfte, dass die Story nicht sehr viel mehr hergibt.

Aber Moment… (und das ist Moment Nr. 4 in diesem Film) Der Film heißt doch „Sushi Girl“. Liegt die Alte jetzt den ganzen Film nur blöd auf dem Tisch und lässt alles über sich ergehen? Hier zumindest startet Saxton den Versuch, seiner Geschichte ein wenig Würze zu geben. Ich will nichts verraten, aber der Film heißt nicht ohne Grund „Sushi Girl“.

Trotzdem bleibt Saxtons Gangster-Folter-Film hinter seinen Möglichkeiten zurück. Es ist eine interessante Ausgangsposition, die dann aber leider zu schnell und zu lange in Folterszenen abdriftet.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Tarantino hätte da vielleicht was besseres draus machen können…)

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2 Kommentare leave one →
  1. 15. April 2013 20:33

    Habe den lezten in der DVD-Auslage gesehen und mir ernhf übeleg ihn zu kaufen.
    Ich meine, rein vom Cast her hat er mich schon angesprochen…

    • donpozuelo permalink*
      15. April 2013 23:29

      Der Cast ist schon nicht schlecht, der Rest aber mehr oder weniger schon. Außerdem zerstört es die glanzvolle Mark-Hamill-Jedi-Illusion (für den Fall, das du die aufrecht erhalten willst). Eigentlich steckt da viel Potenzial drin, bleibt aber ungenutzt.

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