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TWB XIV: Lebewohl, Roger!

12. April 2013

Es heißt Abschied nehmen. Von einem Mann, der für die Bond-Reihe wohl am prägendsten war. Er war vielleicht nicht der erste Bond (auch wenn er in der näheren Auswahl war), aber er war möglicherweise der komischste Bond und definitiv der älteste Bond. Sowohl was das eigentliche Alter als auch die Auftritte als Bond insgesamt angeht. Nach insgesamt sieben Filmen und mit dem stolzen Alter von 57 verabschiedete sich Roger Moore mit „Im Angesicht des Todes“. Dabei scheint sich eine traurige Tradition zu manifestieren: Jeder Bond-Abschied verläuft unrühmlich. Sean Connerys „Diamantenfieber“ war eine einzige Lachnummer, die sich der Ur-Bond nicht hätte antun sollen. Und auch Roger Moore hätte vielleicht sehr viel früher das Handtuch werfen sollen. Nicht nur wegen seines Alters.

Seine vierzehnte Mission führt Bond (Roger Moore) auf die Fährte des franzözischen Großindustriellen Max Zorin (Christopher Walken). Der dopt nicht nur seine Rennpferde, sondern will auch den Weltmarkt für Mikrochips kontrollieren. Dafür hat sich Zorin in seinem Wahn einen fiesen Plan ausgedacht, um das Mikrochip-Mekka Silicon Valley zu vernichten.

Moment mal, dürfte jetzt der ein oder andere Bond-Fan vielleicht sagen. Klingt das nicht alles ein bisschen wie ein modernes Remake von „Goldfinger“? In der Tat lassen sich gewisse Anspielungen nicht von der Hand weisen. Allein Zorins Rede davon, dass Gold heutzutage nicht mehr zählt, sondern Mikrochips könnten ein Hinweis darauf sein, dass Goldfinger damals falsche Prioritäten gesetzt hat. Außerdem verfügt auch Zorin über schicke kleine Modelle, die seinen Plan schön beschreiben… und spätestens als eine Bombe ins Spiel kommt, habe ich nur darauf gewartet, dass sie bei 007 Sekunden rechtzeitig entschärft wird (Spoiler: sie explodiert doch). Ein Remake von „Goldfinger“ wäre ja auch an sich keine schlimme Sache, doch leider hat „Im Angesicht des Todes“ nicht die Klasse noch die Qualität eines würdigen Bonds.

Ich finde, nach diesem Film hätte man sich auch endgültig von John Glen verabschieden können. Nachdem er mit „In tödlicher Mission“ einen verdammt guten und mit „Octopussy“ einen sehr fragwürdigen und albernen Bond drehte, schafft er mit seinem dritten Film NICHT, wieder etwas vernünftiges zu drehen. Alles in allem ist „Im Angesicht des Todes“ ein ziemlich einfallsloser und langweiliger Bond-Film. Das liegt vor allem daran, dass die Story nicht wirklich ausgefeilt ist und einfach nur alles lieblos aneinandergereiht wird… nach dem Motto: Erst ein bisschen Action, dann ein bisschen Schwafeln und noch ein paar Witze und dann wieder Action. Der Film hat nichts mehr von Bond…

Was wohl aber auch daran liegen könnte, dass Bond selbst extrem schwächelt. Man merkt Roger Moore sein Alter richtig an. Und man merkt leider Gottes auch, dass der Mann insgesamt 18 Stunt-Doubles brauchte. Moore wirkt alt, zu alt für all die Sprünge, Kämpfe auf der Golden Gate Bridge oder auf dem Pferd während eines Rennens. So schleift und schlurft sich Moore mehr durch seine Szenen, ohne den gewohnten Agenten-Charme wirklich zu versprühen. Doch wenn soll er auch damit beeindrucken? Bond-Girl Tanya Roberts spielt leider nur die leichtgläubige Dame in Not und wird so mehr zu einem nervenden Klischee!

Wenigstens gibt es zwei gute Dinge, die man bei „Im Angesicht des Todes“ erwähnen sollte: Christopher Walken als Bösewicht und Grace Jones als Gehilfin May Day. Mit Walken kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Der Mann ist dafür geboren, selbst kleineren Rollen eine Ausstrahlungskraft zu geben, die andere verblassen lässt. Wie in diesem Fall mit Roger Moore passiert. Walken ist ein herrlich fieser Schurke, der ohne Zögern über Leichen geht. Zorin ist endlich mal wieder ein wirklich durchgeknallter Irrer, der von allen bisherigen Bösewichten vielleicht über die wirreste Entstehungsgeschichte überhaupt verfügt. Immerhin hat er mit Grace Jones als May Day eine Gehilfin vor der man echt Angst bekommt… und sich auch fragen muss, wie Bond diese Nacht mit ihr wohl überstanden haben mag.

Naja… ist ja auch egal. Nehmen wir also gebührend Abschied von einem großartigen Bond-Darsteller. Roger Moore ist eigentlich mein Bond. Mit ihm bin ich aufgewachsen. Er war ein kompetenter und glaubwürdiger Agent, den ich eigentlich immer gerne gesehen habe. Nur hätte er vielleicht schon ein, zwei Filme früher aufhören sollen. Denn mit „Im Angesicht des Todes“ ist jetzt nicht unbedingt seine beste Arbeit. Trotzdem… Roger, wir danken dir für einen Agenten über den man weitaus häufiger mal lachen konnte.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Goldfinger reloaded hat nicht so ganz funktioniert)

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7 Kommentare leave one →
  1. 12. April 2013 09:10

    Sehe ich auch so, Roger Moore ist mein Bond.
    Ich bin sogar einen Schritt weiter gegangen und habe mir danch keinen Bond Film mehr bewusst angesehen. Wenn dann mal im TV beim zappen hängengeblieben.

    Viel Grüße
    Marco

    • donpozuelo permalink*
      12. April 2013 11:01

      Willkommen Marco,

      der gute Roger war wohl für sehr viele DER Bond, aber soweit wie du würde ich dann doch nicht gehen 😉 Ich mochte auch Brosnan in seinen ersten Filmen, bevor die dann zu abgedreht wurden und ich bin auch ein großer Fan von Craig.

  2. 12. April 2013 10:50

    Einer meiner Lieblingsbonds – Aber damit stehe ich alleine da, das weiss ich. Moore war hier leider aber wirklich zu alt, Walken hätte aber auch einen jüngeren Moore locker an die Wand gespielt…

    • donpozuelo permalink*
      12. April 2013 11:03

      Walken war wirklich sehr stark, der hätte es mit jedem aufgenommen. Vor allem weil er mal wirklich so eine richtig fiese Sau spielt, der selbst vor seinen eigenen Leuten nicht Halt macht. Moore war dafür und für so viele andere Sachen wirklich schon zu alt.

  3. 13. April 2013 12:18

    Noch positiv herauszustreichen wäre der fetzige Titelsong von Duran Duran.
    Ansonsten stimme ich mit deiner Bewertung voll und ganz überein.

    • donpozuelo permalink*
      14. April 2013 22:25

      Stimmt, der Titelsong ist super!!! 😉

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