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10. April 2013

Ich gebe zu, ich hatte kein großes Vertrauen in Joseph Kosinski. Ich hatte gedacht, dass ist einfach nur ein weiterer Typ, der vorher coole Werbespots gedreht hatte und dann seine Chance bekam, sich auf der großen Leinwand zu beweisen. Als 2010 sein „Tron: Legacy“ in die Kinos kam, fühlte ich mich bestätigt. Optisch war der Film ein absoluter Traum, unterlegt mit toller Musik… ein hippes, stilisches Musikvideo für Daftpunk, bei dem mir aber doch sehr die Story fehlte. Aber jetzt, wo ich seine Geschichte kenne, glaube ich, dass ich Kosinski unrecht getan habe.

Denn eigentlich wollte er für sein großes Debüt etwas ganz anderes verfilmen: Die Geschichte des Technikers Jack (Tom Cruise), der 70 Jahre nach einem verherrenden Krieg gegen außerirdische Invasoren als Letzter auf der Erde geblieben ist. Zusammen mit seiner Frau Victoria (Andrea Riseborough) lebt er in einem hypermodernen Sky-Tower, wartet bewaffnete Drohnen, die riesige Maschinen schützen. Riesige Maschinen, die Energie für die sich im All befindlichen Menschen erzeugen soll. Schutz brauchen diese Maschinen vor den sogenannten Plünderern, eine Splittergruppe der Invasoren. Doch bald sind die Jacks geringstes Problem, denn irgendwann stürzt etwas ab: Jack findet eine junge Frau – Julia (Olga Kurylenko) – und mit ihr jede Menge Fragen.

Vor acht Jahren schrieb Kosinski diese Geschichte und hoffte, sie würde für sein Debüt ausreichen. Doch erst wollte den Stoff niemand, Kosinski machte ein Graphic Novel daraus und bekam dann den Auftrag, eine Fortsetzung zu „Tron“ zu drehen. Erst jetzt darf sich Kosinski mit „Oblivion“ seinem Debüt widmen. Nur ist es jetzt kein Low-Budget mit No-Name-Stars, sondern ein fetter Blockbuster mit Tom Cruise.

Für viele könnte das vielleicht eher ein Grund zum Zweifeln sein als meine Sorge mit Joseph Kosinski. Aber ich kann sowohl mich selbst als auch alle anderen beruhigen. „Oblivion“ ist ein spannender Science-Fiction-Kracher geworden, der zeigt, dass Kosinski seine Erfahrungen aus „Tron: Legacy“ gemacht und seine ursprünglichen Idee eine wunderbare Verfilmung gegeben hat.

Fangen wir vielleicht am besten mit dem wichtigsten an: Die Story! Eigentlich haben wir ja im Sci-Fi-Genre auch schon so ziemlich alles gesehen. Die Geschichte des letzten Mannes auf der Erde ist ebenso ausgelutscht wie der Krieg gegen außerirdische Invasoren. Weswegen Kosinski beides gekonnt umgeht: Von der eigentlich Invasion bekommen wir nichts mit, wir sehen nur die Resultate 70 Jahre später. Was den letzten Mann auf der Erde angeht – Victoria ist ja auch noch da 🙂 Und die mysteriösen Plünderer.

Da Kosinski nur eine kleine Gruppe von Schauspielern für seine Story braucht, hat er genügend Zeit. Erst einmal geht es darum, den recht trostlosen Alltag von Jack und Victoria zu beleuchten. Eine nette Einleitung, die ausführlich ist und uns Jack als eine Art „Wall-E“ vorstellt. Ein Träumer, der Dinge sammelt und sich nach mehr sehnt. Dagegen ist Victoria seine „Eve“: ein rational denkendes Wesen, die nur das Ziel ihrer Operation im Auge hat. Für Träumereien ist da kein Platz. Zusammen funktionieren die beiden dennoch ausgezeichnet… aber halt nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Ereignisse überschlagen.

„Oblivion“ erweist sich als clever zusammen geklautes Sammelsurium von verschiedenen Ideen, die wir im Science-Fiction-Bereich schon kennen. Das Gute an Kosinskis Story ist aber, dass er sie auf seine eigene Art und Weise verarbeitet. Er führt uns in eine Richtung, nur um dann einen anderen Weg einzuschlagen. Man möchte immer sagen: „Ja, das ist wie in dem oder in dem Film.“ Doch dann schlägt die Story wieder einen Haken und präsentiert etwas Neues. Somit wird „Oblivion“ eigentlich zu keiner Minute langweilig.

Dazu kommt ein Merkmal von Kosinski, dass mir zumindest schon in „Tron: Legacy“ echt gut gefallen hat: Der Mann hat einfach den perfekten Sinn für Sci-Fi-Design. Auf der einen Seite haben wir die geleckte, absolut stylische Welt des Skytowers. Hier ist alles perfekt und im Einklang. Auf der anderen Seite haben wir eine vollkommene zerstörte Erde. Hier punktet „Oblivion“ durch atemberaubende Landschaftsaufnahmen und tolle Weltuntergangsoptik.

Bevor ich jetzt jedoch zu sehr ins Schwärmen gerate: Es gibt auch ein paar kleine Dinge, die mich an „Oblivion“ gestört haben: Da gibt es zum einen ein paar kleine Storylöcher, die sich nicht wirklich erklären lassen. Zum Glück ist der Rest des Films so gut, dass man das verschmerzen könnte. Zum anderen hätte ich mir gewünscht, dass Kosinski die letzten drei Minuten des Films einfach komplett gestrichen hätte. Einfach weg. Wäre sehr viel cooler gewesen. Aber gut…

Ansonsten ist „Oblivion“ echt großes und vor allem gelungenes Action-Kino. Optisch top, Story (bis auf ein paar Kleinigkeiten) ebenfalls top… so habe ich mir das gewünscht und vorgestellt. Und: Look out for Andrea Riseborough!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Kosinskis eigentliches Debüt ist um Welten besser als sein richtiges Debüt)

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11 Kommentare leave one →
  1. 10. April 2013 10:39

    Super… hab’s nicht durchgelesen aber die 9/10 gesehen. Dann freu ich mich einfach umso mehr auf heute Abend. Danach les ich deine Bewertung komplett. Also nach meiner Bewertung. 😉

    Super aus dem Grund, weil du ruhig noch einen Tag hättest warten können. 😀

    • donpozuelo permalink*
      10. April 2013 11:06

      Ich hätte auch gerne gewartet, nur da Freitags immer mein Bond-Tag ist, blieb nur noch der Mittwoch 😉

      Es ist aber auf jeden Fall ein wirklich starker und sehr sehenswerter Film geworden und ich hoffe, du wirst genauso viel Spaß dabei haben wie ich.

      • 10. April 2013 23:58

        Angst. Indirekt habe ich genau das gleiche geschrieben. Der Film ist eine Wucht! Ich freue mich, dass wir wieder überein stimmen. 🙂

        • donpozuelo permalink*
          11. April 2013 07:07

          Ich sag’s ja: Bei der Geburt getrennt 😀 Aber freut mich ja, dass er dir ebenso gut gefallen hat.

  2. 10. April 2013 22:08

    In Ordnung, das macht Mut 😀

    • donpozuelo permalink*
      11. April 2013 07:07

      Freut mich. „Oblivion“ ist echt sehenswert… und es ist mehr ein Kosinski- als ein Cruise-Film, was auch sehr angenehm ist.

  3. 14. April 2013 13:05

    Tolle Bilder und Tom Cruise war auch überraschend gut…aber genaugenommen nichts anderes als ein Mix aus Wall-E, Space Odysee 2001 und Matrix

    • donpozuelo permalink*
      14. April 2013 22:25

      Naja, aber wie gesagt, besser gut geklaut als schlecht selber gemacht. Und mit „Wall-E“, „2001“ und „Matrix“ hätte man sich schlimmere Filme aussuchen können 😉

  4. 17. April 2013 22:08

    Fand ihn auch ganz gelungen, aber nicht der richtig große Meilenstein. Dafür war es dann zu offensichtlich ein Sammelsurium von vielen Ideen. Aber die Wohnung der beiden hätte ich schon gerne 🙂

    • donpozuelo permalink*
      18. April 2013 09:46

      😀 „Oblivion“ ist wahrscheinlich der erste post-apokalyptische Film, bei dem man wirklich sagen kann: Hier würde ich gerne wohnen 😉

Trackbacks

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