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TWB XIII: Bond, der Clown

5. April 2013

Ich könnte jetzt darüber schreiben, dass die Zahl 13 als Unglückszahl verschrien ist, dass selbst einige Hotels nur zu gerne von der 12 direkt auf die 14 springen, um Gästen nicht Zimmer 13 anbieten zu müssen (obwohl selbst dann Zimmer 14 rein rechnerisch gesehen immer noch Zimmer 13 bleibt!!!). Aber ich gebe nicht sonderlich viel auf diesen Zahlen-Hokuspokus. Allerdings könnte man Bonds dreizehntes Abenteuer auch unter der Kategorie besprechen – als Unglück. Ein trauriges Unglück, wenn man doch bedenkt, wie gut „In tödlicher Mission“ daher kam – neuer Regisseur, mehr Action, mehr Wumms. Doch schon allein bei der Wahl des Filmtitels erweist sich die Nummer 13 als Griff ins Klo: „Octopussy“!!! Diesen Titel muss man sich auf der Zunge zergehen lassen… „Octopussy“! „Octo… Pussy“. Die englische Verniedlichung für einen Oktopus: „Octopussy“.

Okay, ich hör schon auf. Denn abgesehen vom Titel fängt „Octopussy“ eigentlich durchaus vielversprechend an: 009 wird in Ost-Berlin ermordet. Verkleidet als Clown und im Besitz eines Fabergé-Eis. Doch das Ei stellt sich als Fälschung heraus… denn zur gleichen Zeit wird das Original versteigert. Bond (Roger Moore) soll das Geheimnis des Eis aufklären. Auf der Auktion trifft er auf den Schmuggler Kamal Khan (Louis Jordan), der sich hauptsächlich in Indien aufhält und eigentlich nur selten in die Öffentlichkeit tritt. Sofort heftet sich Bond an Khans Fersen und reist ebenfalls nach Indien. Hier erfährt er, dass Khan ominöse Geschäfte mit dem russischen General Orlov (Steven Berkoff) führt und den Zirkus der geheimnisvollen Octopussy (Maud Adams) als Transport missbraucht. Dabei hintergeht Khan seine Komplizin Octopussy, denn sein Plan mit Orlov beinhaltet weit mehr als nur Schmuggel.

Die Story ist eigentlich schon ein Klassiker: Böser Russe will alles platt machen. John Glen hätte für seinen zweiten Bond-Film dennoch ein wenig mehr Kreativität beweisen können. Denn was am Ende bei dieser Story herauskommt, ist eine teils extrem alberne Zirkusnummer, die man beim besten Willen nicht ernst nehmen kann. Anfangs ist „Octopussy“ durchaus noch spannend… wobei die größte Anziehungskraft des Films wohl der Drehort Indien sein dürfte. Verfolgungsjadgen durch vollgestopfte Straßen, exotische Paläste und eine schwimmende Insel – wie viel mehr Exotik will man da noch haben? Doch Glen kostet die Möglichkeiten, die ihm Story und Drehorte bieten, nicht voll aus. Am Ende passiert zu wenig in Indien… und ganz ehrlich, Bonds Tarzan-Schrei während einer Tigerjagd hätte man sich sparen können (eine genauso alberne Ton-Entscheidung wie schon bei dem berühmten Autosprung in „Der Mann mit dem goldenen Colt“).

Die Albernheiten hören da aber nicht auf. Besonders der gute Roger Moore muss sich durch eine Menge äußerst fragwürdiger Kostüme quälen – insbesondere sein Clownskostüm ist ziemlich traurig… und den Gorilla wollen wir jetzt nicht weiter erwähnen. Ähnlich „affig“ geht es dann aber auch im Finale zu, bei dem dann Octopussys vorwiegend weibliche Akrobaten im Amazonen-Stil gegen Khan vorgehen. Das ist vielleicht eines der traurigsten Bond-Finale aller Zeiten – weil es einfach so unheimlich dämlich aussieht. Überhaupt vermisst man gerade bei den Action- und Stunt-Sequenzen den John Glen, den wir in „In tödlicher Mission“ kennengelernt haben. Entweder man hat den Regisseur an die Leine gelegt oder er war einfach zu sehr mit der ganzen Sache überfordert. Vielleicht war auch einfach zu viel Druck auf diesem Projekt: Schließlich lief „Octopussy“ zeitgleich mit Sean Connerys inoffizieller Rückkehr zu Bond. Der drehte nämlich das „Thunderball“-Remake „Sag niemals nie“. Da dieser Film nicht wie alle anderen Filme von Produzent Broccoli produziert wurde, musste man sich natürlich ordentlich anstrengen, um den falschen Bond auszustechen. Gleichzeitig war das auch der Grund, warum Roger Morre, obwohl er eigentlich nicht mehr wollte, noch einmal den Bond spielte. Einen Neuling gegen den Ur-Bond antreten zu lassen, hielten die Macher für fatal.

Tja, und wahrscheinlich sind diese Hahnenkämpfe dann auch dafür verantwortlich, dass „Octopussy“ seine Möglichkeiten nicht ausschöpft. Selbst zwei Bösewichte – Khan und Orlov – bewirken hier nicht das, was ein Blofeld oder ein Dr. No vorher mal war. Und auch Roger Moore wirkt in diesem Film schon echt alt. Der flinke Bond vom vorherigen Film ist nirgends mehr zu sehen.

Somit ist „Octopussy“ einer dieser Bond-Filme, den man gerne mal beiseite lassen kann. Es hätte ein toller Film werden können, wenn man nicht zu sehr dem Klamauk verfallen wäre.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Moore wird alt und Glen etwas einfallslos)

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