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Unerwartete Genre-Highlights

3. April 2013

Ich gebe es ja zu, ich erwarte nicht viel vom deutschsprachigen Film. Um genau zu sein, gar nichts. Der deutsche Film kann mich eh nicht mehr fesseln. Ich weiß, das ist furchtbar ignorant, aber ich komme damit einfach nicht klar. Besonders nicht mit den furchtbaren Sachen, die es dann irgendwann doch ins Kino schaffen. Ich schreibe unter Kotzkrämpfen und auch ohne die nur äußerst ungern die Namen Schweiger und Schweighöfer. Schon traurig, dass diese untalentierten Menschen so gut im Kino ankommen.

Aber auch ich lasse mich hier und da gerne eines besseren belehren (natürlich nicht was Schweiger und Schweighöfer angeht) und will euch heute mal zwei Filme vorstellen, die mich dann doch davon überzeugen konnten, dass es im deutschsprachigen Raum auch Hoffnung für den Mainstream gibt. Der eine ist ein deutscher Horrorfilm namens „Zimmer 205“ und der andere ist ein Schweizer Science-Fiction-Streifen namens „Cargo“.

Fangen wir mit „Zimmer 205“. Darin bezieht die junge Katrin (Jennifer Ulrich) das titelgebende Zimmer in einem Studentenwohnheim. Hier erfährt sie dann auch, dass die vorherige Bewohnerin Annika (Julia Dietze) auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Von Annika findet Katrin durch Zufall ein Videotagebuch, dass andeutet, dass Annika etwas Schlimmes zugestoßen sein muss. Irgendwann beginnt Katrin dann auch noch eine merkwürdige Gestalt zu sehen. Und schließlich beginnen die Morde.

Es klingt wirklich nach nichts spektakulärem. Es ist auch nichts, was man nicht schon gesehen hätte. Und trotzdem macht Regisseur Rainer Matsutani alles richtig. „Zimmer 205“ ist spannend und gerade an den gruseligen Stellen sehr atmosphärisch. Der unruhige Geist wird nie richtig in Szene gesetzt, dafür spielt Matsutani dann lieber mit Schnitten, unscharfen Bildern, Licht und Schatten und Musik. Somit erzielt er in den richtigen Momenten die richtige Stimmung.

Natürlich ist die Story ziemlich klar, erinnert Stellenweise an „The Grudge“, „The Ring“, etc. Trotzdem bleibt die Story interessant, denn am Ende will man immer noch den wahren Grund erfahren. „Zimmer 205“ hat sich als echte Überraschung erwiesen. Bei all dem Hollywood-Grusel-Mist, den wir in der letzten Zeit so serviert bekamen, ist „Zimmer 205“ eine erfrischende Abwechslung. Zwar erneuert Matsutani das Genre nicht, aber er beweist, dass auch aus Deutschland guter Grusel kommen kann. Dazu hat er mit Jennifer Ulrich eine starke Hauptdarstellerin und mit Julia Dietze einen Verkaufsmagnet, denn immerhin hat die ja schon in „Iron Sky“ mitgespielt. Alles in allem ist „Zimmer 205“ also tatsächlich mal richtig gutes deutsches Genrekino.

Ebenfalls verdammt gut ist „Cargo“. Im Jahr 2267 ist die Erde unbewohnbar geworden. Die meisten Überlebenden haben sich ins Weltall gerettet, wo sie in überfüllten Raumstationen leben. Die junge Ärztin Laura (Anna Katharina Schwabroh) will dem entfliehen und zu ihrer Schwester nach Rhea ziehen. Um dafür das nötige Kleingeld zu verdienen, heuert Laura auf einem Transportschiff an, das acht Jahre lang zur Station 42 fliegen wird, um seine Fracht abzuliefern. Doch kurz bevor das Schiff bei Station 42 ankommt, passieren im Frachtraum des Schiffes merkwürdige Dinge. Laura glaubt, dass außer der Crew noch jemand an Bord ist.

Was der Schweizer Ivan Engler mit „Cargo“ auf die Beine stellt, kann sich echt sehen lassen. Allein die erste Raumstation, die langsam um die tote Erde kreist, sieht wahnsinnig super aus. Aber auch das Frachtschiff an sich ist toll. Optisch haut Engler hier Sachen raus, die man so wohl eher aus einem Hollywood-Streifen erwartet hätte.

Ich muss gestehen, bei der Story von „Cargo“ musste ich immer an Christian Alvarts „Pandorum“ denken, hin und wieder sogar an „Alien“. Die Gänge des Frachtschiffs sind herrlich dunkel und einsam. Überall knarrt und knackt irgendwas. Der Frachtraum selbst ist ein riesiges Ungetüm aus Containern. Gekonnt lässt uns Regisseur Engler gemeinsam mit Laura durch dieses Mosntrum von einem Schiff schleichen, immer mit der Frage im Kopf: Ist Laura jetzt verrückt oder ist da doch etwas an Bord. Nur ganz langsam entwirrt Engler das Rätsel, bietet immer wieder gute Momente, in denen man sich böse erschreckt.

Allerdings bleibt „Cargo“ so ziemlich die ganze Zeit bei seinem eher mäßigen Tempo. Selbst dann, als für den Zuschauer deutlich wird, worum es in „Cargo“ geht, dreht Engler nicht auf. Das ist vielleicht mein einziger großer Kritikpunkt an dem Film, den spätestens dann hätte man ruhig ein bisschen mehr Schwung in die ganze Sache bringen können. Aber trotzdem ist „Cargo“ ein technisch großartiger, erzählerisch guter Film geworden, den man definitiv mal anschauen sollte.

Somit beenden wir diese Exkursion. „Zimmer 205“ kommt hier und da vielleicht sogar noch in die Kinos, „Cargo“ gibt’s schon lange auf DVD. Beides sind aber durchaus Filme, die sich vor Hollywood-Produktionen der gleichen Art nicht verstecken müssen und somit dann auch für mich den Beweis liefern, dass nicht alles große Kacke ist, was im deutschsprachigen Raum so produziert wird. Nicht alles, aber vieles…

Wertung „Zimmer 205“: 8 von 10 Punkten (stimmiger Gruselstreifen aus deutschem Haus)

Wertung „Cargo“: 8 von 10 Punkten (Sci-Fi aus der Schweiz sieht verdammt gut aus)

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13 Kommentare leave one →
  1. 3. April 2013 08:38

    Jaja Wir Schweizer könnens halt…nicht wirklich 😛 aber der Film ist echt nicht schlecht

    • donpozuelo permalink*
      3. April 2013 08:59

      Das hast du jetzt gesagt. 😀

      Aber „Cargo“ war echt gut. Ist bis jetzt allerdings auch der einzige Film aus der Schweiz, den ich ich gesehen habe.

      • 3. April 2013 11:15

        Dann musst du dir unbedingt Himmelfahrtskommando ansehen…oder Schweizermacher, ihr mögt doch den Emil auch oder? 😉

        • donpozuelo permalink*
          3. April 2013 12:18

          Ja, werd ich mir mal merken!!!

  2. 3. April 2013 10:34

    „Cargo“ fand ich auch recht gut, zwar weit nicht so gut wie du, aber doch wirklich ansehbar. Hatte damals 6 Punkte vergeben.

    • donpozuelo permalink*
      3. April 2013 10:40

      Es wird zum Ende ein bisschen sehr gestreckt, aber ansonsten fand ich den Film echt unterhaltsam. Plus: Es muss einfach ein paar Bonuspunkte für eine gute europäische Produktion geben 😉

  3. 3. April 2013 12:04

    Von ‚Zimmer 205‘ habe ich erst gestern Ausschnitte gesehen und es ließ auf einiges hoffen. Wir Deutschen können schon auch guten Grusel, wenn wir wollen. ‚Anatomie‘ fand ich seinerzeit auch nicht schlecht.

    • donpozuelo permalink*
      3. April 2013 12:18

      „Anatomie“ habe ich leider nicht gesehen. Aber es sheint ja zu stimmen. Man denke auch nur an „Hell“ aus 2011. Alles kleinere Genre-Perlen… leider gehen die halt nur in dem großen Wust an Filmen immer etwas unter. „Zimmer 205“ ist schon gut gemacht… wie gesagt, besser als manch Horror-Streifen aus Hollywood!!!

  4. 3. April 2013 16:01

    Was deutsches Genrekino angeht, kann ich übrigens noch „Hell“ und „Die Tür“ empfehlen.

    • donpozuelo permalink*
      4. April 2013 07:13

      „Hell“ war mir schon ein Begriff, „Die Tür“ nicht. Schon mal vielen Dank dafür.

  5. 4. April 2013 16:01

    Hm, Cargo mochte ich, aber Zimmer 205? Soll ich es wagen? Rainer Matsutani hat doch diesen miesen „666 – Trau keinem mit dem du schläfst“ und die schlechte Soko Stuttgart gemacht. Ich denke, ich warte lieber auf die DVD ^.^

    • donpozuelo permalink*
      4. April 2013 16:53

      Ich kenne nichts weiter von Matsutani, deswegen kann ich dazu schlecht was sagen. Ich fand „Zimmer 205“ stimmig und nett gemacht. Aber wenn ich ehrlich sein soll, reicht das sicherlich auch für die DVD 😉

Trackbacks

  1. In 48 Stunden zum Zombie | Going To The Movies

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