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TWB XII: Jagd auf die weiße Taube

29. März 2013

Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Wer sich noch dumpf daran erinnern kann: James Bond heiratete in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ die Contessa Teresa „Tracy“, nur um sie dann in einem Kugelhagel wieder zu verlieren. Doch schon im nächsten Film schien Tracy vergessen. Bond, dieses chauvinistische Macho-Schwein, weinte seiner verstorbenen Ehefrau nicht eine Träne nach, suchte keine Erlösung in der Rache, machte sich keine Mühe, Tracy zu betrauern.

Erst mehr als zehn Jahre später darf sich Bond rehabilitieren, denn gleich zu Beginn von „In tödlicher Mission“ steht er an ihrem Grab, nur um dann von einem Katzen streichelnden Glatzkopf in einem ferngesteuerten Hubschrauber fast umgebracht zu werden. Das ist ein nettes Intro für die neue Ära Bond gewesen… gleich erst einmal alte Spielschulden begleichen und damit festlegen: Der Bond der 80er Jahre wird ein anderer, ein härterer.

Doch zunächst einmal scheint man sich Story technisch auf alte Werte zurück zu beziehen: Bond (Roger Moore) bekommt den Auftrag, ein gesunkenes Schiff wiederzufinden. An Bord dieses Schiffes befand sich ein Steuercomputer, mit die sämtliche U-Boot-Flotte gesteuert werden kann. Doch an diesem Computer sind auch die Russen interessiert. Auf der Suche nach den Drahtziehern trifft Bond auf die junge Melina (Carole Bouquet), die den Tod ihrer Eltern rächen will.

Nach seinem Trip ins Weltall in „Moonraker“ braucht Bond erst einmal wieder festen Boden unter den Füßen. D.h., der Regisseur wird ausgewechselt und es gibt weniger Schnickschnack. Regisseur John Glen hält sich lieber an das, was Bond wirklich ausmacht: exotische Drehorte und gute Action. Was das angeht, ist „In tödlicher Mission“ ein wahres Meisterwerk. Gut, zugegebenermaßen übertreibt Glen seine Winter-Olympiaden-Homage in der Skiverfolgungsjagd in Italien. Aber von allen Ski-Fahrten Bonds ist die hier eine der besten. Dazu kommt noch eine wirklich grandiose Verfolgungsjagd in einer quietschgelben „Ente“ – man jagt halt lieber den „Der Spion, der mich liebte“-Lotus in die Luft und fährt mit einer kleinen Gurke durch die Gegend. Toll inszeniert und verdammt spannend. Dazu gibt’s dann auch noch wieder ein bisschen Unterwasser-Action und eine brenzlige Kletterpartie. Alles in allem verwertet Glen bereits bekannte Action-Sequenzen, setzt die aber alle so überzeugend um, dass man selber schon ein bisschen beim Zuschauen ins Schwitzen gerät.

Dieser „neue“ alte Bond rennt in dieser tödliche Mission auch nicht immer unbedingt im Smoking durch die Gegend, spielt nicht die ganze Zeit mit den neuesten Gadgets und… legt erstaunlicherweise kaum Frauen flach.

Ja, genau… ihr habt richtig gelesen. „In tödlicher Mission“ ist bis jetzt der mit Abstand frauenfreundlichste Bond. Die Avancen einer jungen Dame weist er erstaunlicherweise ab und wartet über eine Stunde, bevor er dann doch einer anderen Dame ins Bett folgt. Ganz hoch anrechnen muss man jedoch die Tatsache, dass Haupt-Bondgirl Melina erst nach getaner Mission die Nähe zu Bond sucht. Davor ist Melina so von ihrer Rache geblendet, dass sie dem Charme von Bond nicht erliegen kann. Mit Carole Bouquet kommt seit Honor Blackman erstmals ein Bond-Girl, das wirklich eine starke Persönlichkeit hat. Die lässt sich nichts vormachen und geht ganz selbstbestimmt ihren eigenen Weg. Zum Glück ist Bond zu sehr mit Verfolgungsjagden beschäftigt, sonst würde das sein Ego ganz schön ankratzen.

„In tödlicher Mission“ ist also tatsächlich härter, actionreicher und was die Bond-Girls angeht auch ein enormer Schritt nach vorn. John Glen gelingt sein Bond-Debüt. Wenn es damals schon Bourne gegeben hätte, dann hätte man meckern können: „Der Film ist fast schon zu sehr mit Action vollgepackt. Der echte Bond-Faktor – von wegen Smoking, Zigarette und Martini – fehlen ein bisschen. Hier ist alles nur haudrauf!“ Das mag auch alles stimmen, trotzdem macht „In tödlicher Mission“ ordentlich was her. Es ist ein anständiger und gelungener Action-Film mit einer ansprechenden, wenn auch nicht zu komplexen Spionage-Story und großartigen Schauspielern. Um Welten besser als sein Vorgänger… was nicht sonderlich schwer ist, aber dennoch positiv zu bewerten ist.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Bond bekommt mehr Blei um die Ohren, braucht länger mit den Frauen… so langsam wird’s ernster für ihn 🙂 )

4 Kommentare leave one →
  1. 1. April 2013 20:59

    Nach dem völlig überladenen und unsinnigen „Moonraker“ eine Wohltat.
    John Glen beweist bereits sein Händchen für solide, gut gemachte Actionsequenzen.

    • donpozuelo permalink*
      1. April 2013 21:31

      Eine absolute Wohltat, das ist wahr. Und die Actionszenen sind wirklich super. Ein handfester und verdammt solider Bond, der echt Spaß macht.

Trackbacks

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