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Viele Könige und nur ein Thron

25. März 2013

Ich bin kein großer Fan von diesen langen Fantasy-Roman-Reihen. Konnte ich mich nie so richtig mit anfreunden. Die längste Fantasy-Reihe, die ich bis vor einiger Zeit gelesen hatte, war „Der Herr der Ringe“. Zusammen mit „Der Hobbit“ immerhin vier zusammengehörige Bücher, was so höchstwahrscheinlich etwas mehr als tausend Seiten bedeutete. Über solche Seitenzahlen lacht George R.R. Martin sicher nur müde. Ich mittlerweile auch. Denn nachdem ich damals sofort von der HBO-Serie „Game of Thrones“ gefesselt war, wurde das Konto beansprucht und Tage später standen die dicken Wälzer über das Lied von Eis und Feuer in meinem Regal. In sechs Monaten verschlang ich die Romane und warte seitdem auf mehr Nachschub von Mr. Martin. Bis der jedoch in Sicht ist, werden wohl noch ein paar Winter vergehen. Umso besser, dass man das Ganze ja als Serie noch einmal miterleben kann.

Nach der erfolgreichen ersten Staffel geht’s in bester Mittelalter-Manier weiter. Basierend auf dem zweiten Band „A Clash of Kings“ nimmt der Bürgerkrieg in Westeros immer mehr an Größe zu. Der alte König ist tot und sein angeblicher Sohn Joffrey (Jack Gleeson) sitzt auf dem Eisernen Thron. Gemeinsam mit seiner Mutter Cersei (Lena Headey) regiert er… doch die Gerüchte, dass er gar kein richtiger Anwärter auf den Thron ist, verbreiten sich und so stellen die Brüder des toten Königs ebenfalls ihre Ansprüche auf den Thron: So kommt vom Süden Renly Baratheon (Gethin Anthony) und vom Meer Stannis (Stephen Dillane). Weiterhin wutentbrannt über den Mord an seinem Vater versucht der zum König des Nordens ernannte Robb Stark (Richard Madden) die Lannister-Brut zu vernichten. Und ganz im Osten versucht Daenerys immer noch auf den Eisernen Thron zu kommen, jetzt mit Hilfe ihrer frischgeborenen Drachen. Und als wenn das alles noch nicht genug wäre, muss sich Jon Snow (Kit Harington) hinter der Eismauer im Norden mit Wildlingen rumschlagen.

Es geht weiter wie es aufgehört hat. Großartig. Ich muss den Machern der Serie einmal mehr dazu beglückwünschen, dass sich eine unglaublich gute Atmosphäre erzeugen. Auch in der zweiten Staffel fühlt sich das Spiel um den Thron glaubhaft und äußerst real an. Ob nun Kulissen, Locations oder Kostüme, bei „Game of Thrones“ wird wirklich an nichts gespart.

Ähnlich wie auch im Buch wird auf den großen Konflikt zugesteuert und es bleibt die bange Frage, wer wann als erstes zuschlagen kann. Dabei beweist die Serie einmal mehr, dass hier großes Kino geboten wird. Vor allem, wenn es um die Darsteller geht. Die lassen die ganzen Intrigen und Machtspielchen nämlich erst richtig real werden. Und auch in Staffel Zwei steht einer über allen: Peter Dinklage hat mit der Rolle des Tyrion Lannister wirklich alles richtig gemacht. Schon im Buch ist das eine der interessantesten Figuren und Dinklage gelingt es auch in der zweiten Staffel bravourös, sich diese Rolle zu eigen zu machen. Spannend wird’s endlich auch für die Nachtwache und Jon Snow, die hinter der Mauer endlich mal ein bisschen Action abbekommen. Gleiches gilt für die Mutter der Drachen im Osten. Doch wie schon im Buch werden uns hier immer nur kleine Brocken vorgeworfen. Gerade Daenerys kommt da manchmal gerade mal auf zwei, drei Minuten, bevor sie wieder weichen muss. Das ist schade, aber zu verkraften.

Sowieso wird in den einzelnen Episoden viel hin und her gesprungen, neue Charaktere sorgen für neue Nebenplots und wollen beleuchtet werden. Da muss man mittlerweile schon wachsam bleiben. Allerdings bleibt für viele Figuren nicht viel Zeit, was echt schade ist. Besonders frustriert hat mich das bei Stannis’ Getreuem, dem ehemaligen Schmuggler Davos.

Auch sonst hat mich mein Wissen um die Romanvorlage hier und da ein wenig in Rage gebracht. Gut, dass nicht jede Figur originalgetreu und ausführlich beleuchtet werden kann, ist klar. Aber bei so einigen Sachen fand ich die für die Serie zugedichteten Sachen schon ein bisschen störend. Gerade wenn es um Sex ging. Ob nun die offene Darstellung von Renlys Homosexualität, Joffreys Drang, Prostituierte zu quälen oder das Verhältnis zwischen Stannis und seiner roten Hexe Melissandre. Im Buch werden diese Sachen (gerade die Homosexualität oder das Verhältnis) angedeutet, nie explizit erwähnt… was das Ganze etwas interessanter erscheinen lässt. Wahrscheinlich brauchte man einfach ein paar Brüste mehr… wer weiß, gebraucht hätte es das nicht.

Aber das sind eigentlich alles Peanuts. Richtig gestört hat mich dann die doch recht lahme Schlacht um King’s Landing. Im Buch eine großartige Schlacht zu Wasser und zu Land, in der Serie irgendwie ziemlich schnell abgefrühstückt. Dafür das „Game of Thrones“ so gut mit der Vorlage umgeht, war das echt enttäuschend.

Egal, auch die zweite Staffel von „Game of Thrones“ ist für Fans der ersten ein Muss und lebt dank großartiger Darsteller. Ich bin nur mal gespannt, wie es so weitergehen wird, denn die Bücher werden in der Regel dicker, nicht dünner und es passiert bald noch sehr viel mehr an sehr verschiedenen Orten. Aber Staffel Drei steht ja schon direkt vor der Haustür…

Wertung: 8 von 10 Punkten (vielleicht hätte ich nicht alle Bücher lesen sollen, aber einige Sachen haben mich schon gestört – trotzdem bleibt es eine absolut sehenswerte Serie)

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20 Kommentare leave one →
  1. 25. März 2013 07:13

    Ich fand die zweite Staffel fast ein wenig besser als die erste…passiert ja auch viel. aber ich sehe dass wir beide die selbe Punktzahl vergeben haben, dann passt das schon^^

    • donpozuelo permalink*
      25. März 2013 07:30

      Wie gesagt, es liegt viel daran, dass ich die Bücher jetzt alle schon gelesen habe. Da fehlen oder fallen einem dann doch ein paar Dinge auf. Trotzdem bleibt es eine tolle Serie… nur gerade bei der letzten Schlacht hätte man sich ruhig ein bisschen mehr ans Buch halten können.

  2. 25. März 2013 09:31

    Kann mich Deiner Rezension vollkommen anschließen.

    Die Aussicht, noch wasweißich wie lange auf den nächsten Band zu warten, treibt mir quasi die Tränen in die Augen.

    • donpozuelo permalink*
      25. März 2013 10:01

      Schlimm, oder??? Vor allem wenn man bedenkt, dass ja wohl vorerst nur ein paar Kapitel tatsächlich fertig sind. Ich hoffe, der gute Martin lässt sich nicht zu sehr ablenken und schreibt fleißig weiter.

  3. 25. März 2013 09:46

    Die übertrieben explizite Sexualisierung der Handlung hatte mich schon bei der ersten Staffel gestört. Das wird in den Büchern viel besser gehandhabt, aber bei HBO erwarten die Zuschauer sowas vermutlich einfach. Freue mich dennoch auf Season 2!

    • donpozuelo permalink*
      25. März 2013 10:03

      In der ersten Staffel ist mir das nicht so aufgefallen, aber da habe ich das Buch auch erst im Nachhinein gelesen. Jetzt fand ich es schon sehr übertrieben… aber wie du schon richtig sagst: Bei HBO erwartet man das und dann schreiben sie es mit dazu. Naja… Season 2 ist trotzdem toll, auch wenn das Ende weniger stark ist als im Buch.

  4. Sebastian permalink
    25. März 2013 11:58

    Die sehr offene Darstellung von Sexualität ist im Rahmen der gezeigten Welt aber m.E. völlig glaubhaft. Auch sonst haben mich Abweichungen vom Buch nicht wirklich gestört. Klar, dass die Serie ein anderes Medium ist und anders erzählt werden muss. Nicht umsonst sagt Martin ja auch selbst, dass er die Bücher so geschrieben hat, damit er endlich mal nicht auf Budgets und Beschränkungen achten muss. Dafür haben Benioff und Weis nahezu das Maximum rausgeholt, weshalb ich auch wahrscheinlich einen Punkt mehr geben würde. Aber grundsätzlich sind wir auf einer Linie.

    • donpozuelo permalink*
      25. März 2013 14:57

      Glaubhaft ja, das bezweifle ich nicht. Schließlich ist das ja auch in den Romanen ein Thema. Nur da wird einiges nur angedeutet… gerade, was auch die Verhältnisse angeht. Das war mir halt in der zweiten Staffel – gerade bei den oben genannten Beispielen – etwas zu plump. Aber mein Gott, sind eigentlich auch nur Peanuts 🙂 Den Punkt mehr hätte ich gegeben, wenn die große Schlacht von Blackwater nicht so unglaublich mickrig ausgesehen hätte.

  5. 25. März 2013 15:48

    Was die Darstellung der Sexualität angeht, hast du zwar Recht, allerdings ist es in einer Miniserie auch viel schwieriger, die Andeutungen einzubauen…zumindest so oft wie sie im Buch genutzt wurden. Und die Schlacht wurde, glaub ich, aus Kostengründen so klein gehalten. War ja auch der Grund warum sie die erste Schlacht von Tyrion zusammen mit den Hügelstämmen in der 1. Staffel nicht gezeigt haben.

    Eine Sache hat mich allerdings wirklich gestört an der zweiten Staffel: Daenaerys Storybogen. Man scheint ja der Meinung zu sein, dass im Buch noch nicht genug ihrer Gefolgsleute das zeitliche segnen. In der Staffel wurde da ja nochmal richtig einer drauf gesetzt und das stellenweise bei Personen, die im späteren Verlauf noch wichtig werden.

    Nichtsdestotrotz freue ich mich wie ein bunter Hund auf Staffel 3, denn da sie das dritte Buch in zwei Staffeln aufteilen, wird es wohl stellenweise noch näher als ohnehin schon. Damid dauert es zwar noch länger, bis sie durch sind (was gerade im Hinblick auf die Kinderdarsteller ein Problem werden könnte) aber vielleicht wird Martin dann ja noch vor der Serie mit den Büchern fertig. 😀

    • donpozuelo permalink*
      25. März 2013 17:05

      Mit der Mini-Serie hast du natürlich Recht. Und gerade bei so einer Vielzahl von Charakteren ist es nicht immer einfach, subtil zu bleiben. Trotzdem: Die Schlacht hätte größer gemusst!!!!!!!!! 😀

      Daenerys Storybogen war allgemein ein wenig sehr merkwürdig verstümmelt und klein gemacht. Die Gute kam mir auch viel zu wenig vor. Das ist zwar ein Schicksal, dass sie mit dem Buch teilt, aber trotzdem…

      Ich freue mich auch schon sehr auf Staffel 3. Dass dieses Mal das Buch auf zwei Staffeln gestreckt wird, finde ich super. Und mit den Kinderdarstellern werden sie das sicher auch hinbekommen. Allerdings bezweifle ich, dass Martin so schnell fertig sein wird 😀 Bleibt dann nur die Frage, wie es weitergehen wird. Wahrscheinlich wird Martin dann bestimmte Story-Punkte verraten, damit die Drehbuchschreiber weitermachen können. Oder sie stoppen die Serie… aaaaahhhh, schwierig, schwierig. Doch zum Glück werden Martins Bücher ja mit jedem neuen Band dicker, statt dünner. Dann brauchen sie später 3 Staffeln für ein Buch. So hält sich das die Waage 😀

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