Skip to content

TWB XI: Völlig losgelöst, von der Erde

22. März 2013

Arnold Schwarzenegger hat gezeigt, wie es funktioniert. In „Terminator“ war er die ultimative Tötungsmaschine: Er ging über Leichen und war dabei kaum aufzuhalten. Und das wichtigste: Er redete dabei nur sehr wenig. Dann jedoch kam die überraschende Wendung – in „Terminator 2“ gehört er auf einmal zu den Guten. Ein großer Twist, der aber ziemlich gut inszeniert wurde.

Blöd nur für Lewis Gilbert, dass „Terminator“ und „Terminator 2“ erst sehr viel später in die Kinos kommen werden und Gilbert für sein drittes und letztes Bond-Abenteuer seine eigene Fassung vom Bösen, der gut wird, machen musste. Hätte er doch nur einen Blick in die Zukunft werfen können, dann hätte er in „Moonraker“ nicht so viel Mist gebaut.

Darin geht’s natürlich auch wieder um Mr. Bond (Roger Moore), der das Verschwinden eines Space Shuttles untersuchen soll. Erste Anlaufstelle – die Firma, die das Shuttle gebaut hat. Deren Obermotz Hugo Drax (Michael Lonsdale) zeigt sich kooperativ – anfangs. Doch schon der erste Rundgang bei Drax Industries mit der charmanten Dr. Holly Goodhead (does she have it or does she give it???) zeigt Bond, dass er vielleicht doch nicht willkommen und Drax mehr Dreck am Stecken hat, als er zu gibt.

„Moonraker“ lässt einen mit vielen Fragezeichen zurück. In aller erster Linie fragt man sich: „Was sollte das gerade?“ Irgendwie passt in diesem elften Bond nichts so richtig zu einander. Klar, gab es auch schon vorher den Versuch, so ein paar Science-Fiction-Elemente reinzubringen, doch dass Bond nun tatsächlich selbst ins All geschossen wird, erstaunt dann schon. Wenn man dann aber erfährt, weswegen er Drax ins Weltall verfolgt, dann ist das schon ein bisschen sehr absurd. Nicht, dass vorherige Bond-Bösewichte glorreich bessere Pläne gehabt hätten, aber Drax setzt dem ganzen vorläufig die Krone auf. Dazu kommt dann noch das der Franzose Michael Lonsdale als Bösewicht eine komplette Fehlbesetzung ist. Ich meine, der Mann sieht nicht einmal furchteinflößend aus.

Abgesehen von einem merkwürdigen Bösewicht gibt es in „Moonraker“ zahlreiche andere Stellen, bei denen man sich nur vor Schreck an den Kopf fasst. So zum Beispiel die Verfolgungsjagd durch Venedig. Dass Bonds Gondel sich per Knopfdruck in ein Schnellboot verwandelt, ist ja noch irgendwo ziemlich cool. Aber das sich das Gerät dann auch noch zum Luftkissenboot umwandeln lässt, ist schon reichlich absurd. Roger Moore sieht aus wie ein Gockel, wenn er mit seiner Gondel durch die Massen von Touristen auf dem Markusplatz fährt. Wo bleiben die Transformer-Fähigkeiten des Lotus aus „Der Spion, der mich liebte“? Alles wäre doch besser gewesen, als ein Luftkissenfahrzeug.

In Venedig darf Bond sich dann auch noch in einem Glasmuseum mit Drax Schergen Chang prügeln… eine Location, die auch nur gewählt wurde, damit man davon ablenken kann, dass Chang Scheiße ist. Hauptsache, es geht nebenbei schön viel Glas kaputt. Immerhin wird somit der Weg wieder frei, um Richard Kiel als Beißer auftreten zu lassen.

Was Gilbert dann mit dem Beißer anstellt, ist unter aller Sau. Anfangs ist der noch der Jäger, der Bond in einer Seilbahn am Zuckerhut von Rio festnageln will. Natürlich gelingt Bond die Flucht… und Beißer? Der findet auf einmal die große Liebe. Eine holde Maid mit langen Zöpfen, Bayerntracht und lustiger Brille taucht auf. Sie lächelt, Beißer lächelt. Sie lächelt danach immer noch, was schon erstaunlich ist. Und schwupps, der Beißer ist verliebt. Dieser Liebe folgt er dann auch in den Weltraum, und diese Liebe bringt ihn am Ende auch dazu, sich gegen Drax zu entscheiden und Bond zu helfen. Wie man einen der besten Bond-Schergen auf so unerträgliche Weise „umbringen“ kann, verstehe ich nicht. Wenn das mit Arnie so auch geendet hätte, dann hätte sich der Terminator gleich selbst umbringen können. Obwohl, wenn da eine kleine Frau mit blonden Zöpfen aufgetaucht wäre, hätte er sie erst einmal gefragt, ob sie Sarah Connor ist. Wenn sie dann ebenfalls gegrinst hätte, dann wäre das ihr letztes Grinsen gewesen.

Aber es gibt so viel an „Moonraker“, was sich mir entzog. Die ganze Weltraum-Nummer war einfach nur albern, auch wenn der Weg dahin sich sehr schön dem Bond-Motto unterwirft: So viele Drehorte wie möglich – London, Kalifornien, Venedig, Rio und das Weltall.

Warum „Moonraker“ zum bis dahin erfolgreichsten Bond-Film werden konnte, werde ich nie verstehen. Der Film gehört doch eher zu den Reinfällen der Bond-Reihe: Überladen mit albernen Twists und Spielereien schießt sich Gilbert mit seinem Weltraum-Bond selbst ab.

Wertung: 4 von 10 Punkten (wenn nicht die doofe Sache mit Beißer wäre, könnte ich dem Film vielleicht noch ein bisschen mehr abgewinnen)

Advertisements
9 Kommentare leave one →
  1. 22. März 2013 07:28

    Im Buch kommt kein einziges Mal eine Raumstation vor. 😀 (Dieses ist wesentlich besser!) Den Film habe ich zuletzt als Kind gesehen und fand ihn – soweit ich mich erinnere – toll. Heute vermutlich auch nicht mehr.

    • donpozuelo permalink*
      22. März 2013 09:09

      So ging’s mir auch. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich den Film als Kind total toll fand. Aber mittlerweile hat man einfach schon zu viel gesehen. Die Raumstation passt vielleicht zu Austin Powers, aber nicht wirklich zu Bond. Tja, daran erkennt man dann wohl auch, dass man ein wenig älter wird 😉

  2. 22. März 2013 11:02

    Huch. Ich glaube den mochte ich, wenn auch natürlich sehr campy. Da gibts keine Diskussion. Aber ich finde, er hatte das Herz am rechten Fleck.

    • donpozuelo permalink*
      22. März 2013 11:19

      Ja, aber schau doch nur, was sie mit dem guten Beißer machen. Sowas geht überhaupt nicht.

      Wie gesagt, früher mochte ich den Film eigentlich auch. Aber jetzt… die „Kampfszenen“ im All sind gruselig schlecht, die Gadgets sind nicht das, was sie im Vorgänger noch waren und Drax ist einfach mal ein lahmer Bösewicht, auch wenn er einen ziemlich abgefahrenen Plan hat.

  3. 24. März 2013 10:34

    Dein Review vertritt ziemlich meine Meinung.
    Der Film ist der Tiefpunkt der Roger Moore Ära, und nichts als ein lausiges Remake seines Vorgängers.
    War die Openingszene noch toll inzeniert, geht es nach dem Titelvorspann ungebremst nach unten.

    • 24. März 2013 10:39

      Quasi, wie in einem brasilianischen Gondeli. 😛

    • donpozuelo permalink*
      24. März 2013 12:11

      Bei der Anfangsszene hatte ich echt noch große Hoffnungen, das war ziemlich gut. Aber danach ging es nur noch steil bergab.

Trackbacks

  1. TWB XII: Jagd auf die weiße Taube | Going To The Movies
  2. TFB IV: Very shagadelic | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: