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Britney rocks, bitches!!!

20. März 2013

Schon komisch, wie man sich irgendwie jahrelang dagegen wehrt, so etwas wie albernen Main-Stream-Pop von irgendwelchen Pop-Prinzesschen zu hören. Und dann kommt da ein Film, in dem ein merkwürdiger Gangster-Rapper an einem weißen Klavier sitzt und andächtig „Everytime“ von Britney Spears ansingt. Seine drei Begleiterinnen, getarnt unter rosa Gesichtsmaske und bewaffnet mit ziemlich schweren Geschützen, fangen an mitzusingen. Irgendwann wird der Original-Song eingefadet und zu den sanften Klängen der ehemaligen Pop-Prinzessin gehen die vier auf Raubtour. Und zu diesen Bildern denkt man sich dann auf einmal: „Britney rocks, bitches!!!“

Damit wird auch noch ein zweites Phänomen von Harmonie Korines neuestem Film „Spring Breakers“ offensichtlich: Eine Vorliebe für Disney-Girls. Während Britney nur was zum Soundtrack beisteuert, dürfen zwei weitere Disney-Girls hier ihr braves Image ablegen und ordentlich schön Spring Break feiern. Die vier Freundinnen Candy (Vanessa Hudgens), Brit (Ashley Benson), Cotty (Rachel Korine) und Faith (Selena Gomez) wollen zum Spring Break. Party, Party, Party… dem grauen Alltag der Uni entkommen, das Leben genießen. Anfangs scheint das auch alles gut zu funktionieren, doch erst landen die Mädels im Knast und dann wird Möchtegern-Gangster-Rapper Alien (James Franco) auf sie aufmerksam und plötzlich sehen die vier Spring Breakers die andere Seite der Party.

Bevor man sich diesen Film anschaut, sollte man sich bewusst werden, wer da wirklich am Werk ist. Namen wie Selena Gomez oder Vanessa Hudgens könnten einen eventuell in die Irre führen. Genauso wie Teile des Trailers. Denn wenn „Spring Breakers“ eines nicht ist, dann ein Feel-Good-Party-Movie, bei dem es nur um Sex, Drogen und Alkohol geht. Gut, das spielt auch eine Rolle, aber ist jetzt nicht so prägend. Schließlich ist der Mann, der hinter diesem Film steht, ein… naja, sagen wir mal, spezieller Fall: Harmonie Korines letzter Film handelt von alten Menschen, die unanständige Sachen mit Müll machen. Was jetzt nur als ein extremes Beispiel dafür herhalten soll, dass Harmonie Korine keine 08-15-Filme macht. Irgendwas steckt immer dahinter, irgendwas gibt es immer zu entdecken.

Alles beginnt wie in einem MTV-Clip: gemachte Brüste wippen freudig vor der Kamera, Kerle gießen Alkohol auf leicht bekleidete Damen – dazu ordentlich Musik. Schrille Farben, Party, Party, Party. Wer würde da nicht gerne hin wollen? Unsere vier „Heldinnen“ zum Beispiel, denn wie kann man besser den dunklen Hörsälen entkommen? Der große Traum – Spring Break. Doch Geld ist das Problem, denn die Vier haben keines.

Spätestens ab diesem Moment erkennt man dann auch, dass „Spring Breakers“ nicht nur Party ist. Und spätestens jetzt sollte man sich etwas einprägen: Das Mantra, der Mädels, als sie einen Imbiss überfallen, um an Geld zu kommen: „STELL DIR VOR, ES IST EIN VIDEOSPIEL!“

Wenn man sich dieses Mantra immer und immer wieder vorsagt, dann kommt man gar nicht in die Gefahr, „Spring Breakers“ nicht zu mögen. Denn alles was folgt, ist abgedreht, irgendwie nicht ganz mit der normalen Welt zu vereinbaren, alles ein bisschen zu skurril und abgefahren. Da wäre zum Beispiel ein großartig agierender James Franco als Möchtegern-Gangster-Rapper Alien. Eine Witzfigur, die post, mit Waffen spielt und sich geil dabei fühlt, böse zu sein. Ein Klischee, ein Wunschtraum für einige vielleicht – ebenfalls ein Ding, nicht von dieser Welt. Deshalb auch „Alien“.

„STELL DIR VOR, ES IST EIN VIDEOSPIEL!“ Dann nämlich hätte niemand ein Problem damit, dass hier kleine, zarte Mädchen den Aufstand proben, ihrem normalen Leben entfliehen und sich diesem Gangster anschließen. Dann hätte auch niemand ein Problem damit, dass sie kaum richtige Konsequenzen ziehen müssen, wenn sie etwas tun, weswegen andere bestraft werden würden.

„STELL DIR VOR, ES IST EIN VIDEOSPIEL!“ So macht „Spring Breakers“ dann irgendwie auch Sinn, macht vielleicht sogar Spaß. Ein überdrehter, abgedrehter „Girls Gone Wild“-Streifen, der sich zum Ende hin etwas zu sehr in seiner Metaphorik verliert, wenn bestimmte Sachen immer und immer wieder wiederholt werden (was irgendwann echt ein bisschen nervig wird).

„Spring Breakers“ wird definitiv ein Film, der das Publikum spalten wird, aber damit dürfte Korine ja erreicht haben, was er wollte: Endlich redet ein breiteres Publikum mal über ihn. Den Disney-Häschen hat er geholfen, sich von ihren üblichen Rollen zu trennen. Auch wenn Hudgens ja schon „Sucker Punch“ gemacht hat und Selena Gomez für Disney-Verhältnisse ja noch gut bei diesem Film wegkommt. Allerdings sind alle vier Damen so austauschbar wie Glühbirnen. Sie leuchten zwar nett, bringen aber nicht sonderlich viel mehr zur Story (dafür gibt’s dann ja zum Glück James Franco)

Man könnte sicherlich viel über „Spring Breakers“ diskutieren: Hat der Film eine feministische Botschaft? Ist er ein Abgesang auf den Kapitalismus, ein Blick hinter die Kulissen? Vielleicht, aber dann komme ich einfach wieder zu diesem Mantra zurück: „STELL DIR VOR, ES IST EIN VIDEOSPIEL!“ Über die kann man immer diskutieren, wie weltfremd sie doch sind, wie verrückt sie doch sind, wie krank sie doch sind. Und somit wären wir dann wieder an dem Punkt angekommen, dass sicherlich nicht jeder mit „Spring Breakers“ etwas anfangen können wird.

Wertung: 7 von 10 Punkten (erst MTV, dann Girls Gone Wild mit einem überragenden James Franco)

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15 Kommentare leave one →
  1. 20. März 2013 08:19

    Ein brillanter Film. Nicht mehr und nicht weniger als ganz, ganz großes Kino.

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2013 09:17

      Wie gesagt, ich glaube, das werden nicht alle so sehen, aber es ist schon ein sehr interessanter Film, der einen irgendwie in seinen Bann zieht.

      • 20. März 2013 09:28

        Wenn das alle so sehen würden, wäre es ja auch nicht „brillant“, sondern massenkompatibel. Und Korine will nicht so Murks wie INCEPTION oder THE AVENGERS abliefern, sonder Kunst 😉

        • donpozuelo permalink*
          20. März 2013 09:39

          Da hast du wohl auch wieder Recht 😉

          Hast du eigentlich schon mehr von Korine gesehen? „Spring Breakers“ war jetzt mein erster Korine-Film. Gibt’s da was, was man wirklich gesehen haben sollte?

        • 20. März 2013 10:57

          Der Film ist zugänglicher als seine bisherigen Filme, das hier ist quasi „Mainstream-Korine“. Wirklich gesehen muss man natürlich nichts auf der Welt haben, aber Korines „Gummo“, „Mister Lonely“ und „Trash Humpers“ besitzen alle ihre Momente. Am Zugängslichsten ist da vermutlich noch „Mister Lonely“.

        • donpozuelo permalink*
          20. März 2013 10:59

          Vielen Dank. Dann werde ich mich vielleicht demnächst mal dem „echten“ Korine zu wenden.

  2. 20. März 2013 12:54

    Jetzt weiß ich endlich, welcher Regisseur hinter dem Film steckt 😀
    Ich habe zwar Korines „Trash Humpers“ nicht gesehen, sehr wohl aber die sehr … unkonventionelle „Durch die Nacht mit…“ Folge von arte mit Gaspar Noé und Korine gesehen. Das ist schon ein sehr verrückter Kerl.

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2013 13:08

      Ich glaube, verrückt oder unkonventionell trifft es ganz gut. „Spring Breakers“ ist auf jeden Fall nicht das, was man vielleicht erwarten könnte, wenn man bedenkt, dass die Werbung und die Trailer sich nur auf die leicht bekleideten Damen beziehen. Plus: Es gibt einen großartigen James Franco zu sehen.

      • 21. März 2013 00:24

        Hast du ihn zufällig auf Deutsch gesehen und kannst mir verraten, ob sich der Film dann noch lohnt. Hier läuft natürlich keine OV … :/

        • donpozuelo permalink*
          21. März 2013 07:26

          Hab zum Glück nur die OV gesehen. Gerade bei James Franco geht im deutschen Trailer schon eine Menge verloren.

        • 21. März 2013 13:42

          Das befürchte ich nämlich auch…

  3. 23. März 2013 08:00

    Was? Wie? Wo? Hast du eine andere Version als ich gesehen oder warst du einfach genauso high wie die Girls im Film?^^ Nein ernsthaft der Film ist nichts weiter als ein aufwändiger produzierter Porno mit Starbesetzung, der versucht besonders philosophisch daher zu kommen. Nein echt jetzt das war vielleicht nach Cosmopolis einer der langweiligsten Filme den ich seit langem gesehen habe.

    • donpozuelo permalink*
      23. März 2013 11:19

      😀 So war auch mein erster Eindruck, dann hab ich den Film noch einmal gesehen und fand ihn sehr gut. Naja und Porno finde ich auch etwas übertrieben. Außerdem: Allein wegen James Franco fand ich den Film schon gut. Seine absolut bescheuerte „Look at my shit!“-Rede war einfach nur großartig.

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