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Eins, Zwei, Die

11. März 2013

Europäische Regisseure (oder generell alle Regisseure, die nicht aus den USA kommen), die irgendwann dem Ruf von Hollywood folgen, haben mehr oder weniger immer das Gleiche zu erzählen. Während sie vorher relativ freie Hand hatten, um ihre kreativen Ideen umzusetzen, müssen sie sich in Hollywood vor sehr viel mehr Leuten rechtfertigen. Da in den USA für gewöhnlich auch sehr viel mehr Geld fließt, wollen auch mehr Leute ihre Gewinne wieder rausholen… und dann muss so ein kleiner Regisseur auch mal Dinge anders machen, als er das vielleicht sonst gerne getan hätte.

Jüngstes Beispiel dafür ist Norweger Tommy Wirkola. Seinem „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ merkt man an, dass da wesentlich mehr drin gewesen wäre… vor allem, was Action, Splatter und blöde Sprüche angeht. Doch höchstwahrscheinlich musste auch Wirkola dem Druck harter Hollywood-Produzenten nachgeben. Die Hexenjäger Hänsel und Gretel lassen erahnen, wozu Wirkola fähig ist… und wer das bewiesen sehen möchte, der sollte zu dem Film greifen, durch den man in Hollywood auf Wirkola aufmerksam wurde: „Dead Snow“.

Es fängt alles genau so an, wie es immer anfängt: Martin (Vegar Hoel), ein Medizin-Student, der kein Blut sehen kann (wird sich aber noch ändern, keine Sorge, Martin!!!), fährt mit seinen Freunden für einen Kurztrip in die Berge. In einer kleinen Ski-Hütte mitten im Nirgendwo wollen sie ein bisschen entspannen. Doch dann taucht da auf einmal dieser unheimliche Typ auf, der etwas von Nazis erzählt, die hier im Zweiten Weltkrieg getötet wurden… bevor sie ihr ganzes Gold verstecken konnten. Und dann finden Martins Freunde auch noch etwas von diesem Gold und dann kommen plötzlich Zombies. Nazi-Zombies, Zombie-Nazis… wie auch immer… und dann rennt jeder um sein Leben.

Wie gesagt, so richtig klingt „Dead Snow“ nicht nach großer Innovation. Es bleibt eigentlich alles beim Alten. Ein verrückter Irrer erzählt die Vorgeschichte, die heiße Blondine darf noch einmal Sex haben, bevor sie stirbt und irgendeiner in der Gruppe erzählt von Horror-Filmen und zählt so die Lieblingsfilme des Regisseurs auf (zu denen dann Raimis „Evil Dead“ und Peter Jacksons „Brain Dead“ gehören dürften). „Dead Snow“ ist anfangs einfach nur ein weiterer Horror-Film mit Teenies. Wirklich nicht berauschend. Nicht schlecht, aber auch nicht berauschend.

Doch Wirkola jetzt als billigen Plagiator abzustempeln, wäre nicht fair. Wenn man zwar „Dead Snow“ in Sachen Story als solide oder vielleicht auch gerade noch als Hommage bezeichnen könnte, dann ist der Film spätestens in Sachen Zombies ein Meisterwerk. Selten wurde mit so viel Schmackes und Elan den Zombies der Garaus gemacht.

Wenn es darum geht, Zombies platt zu machen, macht „Dead Snow“ wirklich alles richtig. Dabei verbindet Wirkola geschickt zwei Dinge: Zombies platt machen und Nazis platt machen. Beides zusammen macht gleich noch sehr viel mehr Spaß. Und ganz im Sinne des Horror-Filmliebhabers setzt Wirkola auf jede Menge Blut, Gedärme, Kettensägen, Schrottflinten, Schneemobile, Hammer, Bäume, Lawinen, Feuer, Sensen, Fäuste, Steine… und hatte ich auch schon Kettensägen erwähnt???

Man merkt Wirkola bei „Dead Snow“ wirklich an, dass er Sam Raimi-Fan ist. Genau wie Raimi in „Evil Dead“ verbindet Wirkola in seinem Film Splatter mit Lachern. „Dead Snow“ ist kein ernster Horrorfilm. Dafür hat Wirkola zu viele großartige Zombie-Nazi-Tötungsvorschläge, die immer wieder für Lacher gut sind. Schwarzer Humor und merkwürdige Situationskomik trifft auf doofe Zombie-Nazis (oder Nazi-Zombies)… und es funktioniert!!!

„Dead Snow“ ist kurzweilige, aber furchtbar amüsante Unterhaltung. Wirkolas Zombie-Film ist wirklich toll. Und, wie gesagt, der Beweis dafür, dass „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ richtig super geworden wäre, wenn Wirkola den nicht in Hollywood gedreht hätte. Aber was soll’s? Vielleicht bekommt er ja im Director’s Cut die Gelegenheit, ein bisschen rabiater zu werden. Ansonsten bleiben uns ja immer noch die doofen Zombie-Nazis (oder doch Nazi-Zombies???)

Wertung: 9 von 10 Punkten (Story ist okay, der Rest ist dafür umso besser)

12 Kommentare leave one →
  1. 11. März 2013 06:18

    „Nazi-Zombies, Zombie-Nazis… wie auch immer…“ -> sehr gut! 😀 Nur auf mich gewartet hast du dann doch nicht. 😦

    • donpozuelo permalink*
      11. März 2013 06:47

      Ah, fuck!!!! Sorry!!! Hab ich total verpennt!!!

  2. 11. März 2013 15:10

    Was ein Zufall 😀
    „Dead Snow“ habe ich heute Nacht erst gesehen. War dann dank eines dabei stattfindenden Skype-Gesprächs ein richtig netter Horror-Trash-Abend.
    Würde den Film jetzt nicht so hoch bewerten, weil er dann doch mit vielen Fehlern zu kämpfen hat, vor allem bei den Schnitten sind mir etliche Anschlussfehler aufgefallen.

    Aber mein Gott, hat das Spaß gemacht, diesen untoten Nazis beim Sterben zuzugucken 😀

    • donpozuelo permalink*
      11. März 2013 15:29

      Eben! Sag ich doch!!! Es macht einfach Spaß, diesen untoten Nazis beim Sterben zuzugucken!!! Und das ist alles, was wir wollen. 😉 Von daher würde ich sagen, hat Wirkola hier wirklich alles richtig gemacht!

  3. 3. April 2013 10:57

    Oh stark, das klingt nach einem guten Tipp!

    • donpozuelo permalink*
      3. April 2013 11:04

      Auf jeden Fall!!! Das ist ein echt unterhaltsamer Zombie-Film!!!

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