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TWB IX: Energie-Wende

8. März 2013

Mr. James Bond ist ein Mann, der immer mit der Zeit geht. Okay… vielleicht nicht immer und vor allem nicht unbedingt dann, wenn es um Frauen geht, aber für so einen alten Chauvinisten ist es auch nicht einfach. Deswegen behandelt er die Frauen immer noch wie Austauschware und zeigt sich in anderen Dingen aktueller.

In den Anfängen von Mr. Bons Karriere ging es irgendwie immer um die Bedrohung der Welt – der Kalte Krieg stand über vielen Bond-Filmen und sorgte so für ein Szenario, dass den Zuschauern vertraut vorkam. Und wenn es plötzlich darum geht, dass man in einer Ölkrise steckt, dann beschäftigt sich auch ein James Bond damit. Zumindest zum Teil.

In „Der Mann mit dem Goldenen Colt“ wird Bond (Roger Moore) von dem Auftrag abgezogen, einen Wissenschaftler zu beschatten, der an einer neuen Technik arbeitet, mit der man Sonnenlicht besser als Energie verarbeiten kann. Doch dann bekommt das Bond ein seltsames Paket: Eine goldene Pistolenkugel, auf der jemand „007“ eingraviert hat. Eine goldene Kugel sowie ein goldener Colt sind das Markenzeichen von Auftragskiller Scaramanga (Christopher Lee). Problem nur, kein Mensch weiß, wo er steckt geschweige denn wie er aussieht. Um sein eigenes Leben zu retten, macht Bond sich auf die Suche… nicht ahnend, dass hinter Scaramanga mehr steckt als nur ein verrückter Auftragskiller.

Man merkt schon, sooooo sonderlich wichtig ist das Thema der Energiewende für James Bond nun auch wieder nicht, aber immerhin ist es doch nett, dass das Ganze mal erwähnt wird. Viel zeitgetreuer scheint da die Tatsache zu sein, dass „Der Mann mit dem goldenen Colt“ sich dem damals aufkommenden Interesse an Martial Arts zuwendet und das Geschehen nach Hongkong, Thailand und Macao verlegt. Mehr Exotik und fremde Kultur geht da schon gar nicht. Und im Endeffekt ist dieser „Kulturschock“ wieder genau das Richtige für dieses Bond-Abenteuer. Ähnlich wie schon in „Man lebt nur zweimal“ – der ja fast komplett in Japan spielte – kann man sich an den exotischen Orten gar nicht satt genug sehen. Dazu kommen wieder einmal großartige Einfälle, wenn es um Kulissen geht. MI6 hockt in einem halbuntergegangenen Schiff, während Bösewicht Scaramanga in klassischer Bond-Bösewicht-Manier einen unterirdischen Bunker auf einer einsamen Insel sein Eigen nennt. Dabei fällt mir dann immer wieder auf, wie geil die Schurken in den Bond-Filmen doch wohnen. Kann man richtig neidisch werden… umso trauriger ist es dann nur, wenn Bond die Dinger jedes Mal ordentlich zu Kleinholz verarbeitet.

Doch „Der Mann mit dem goldenen Colt“ überzeugt nicht nur wegen der coolen Location. Regisseur Guy Hamilton scheint sich endgültig von „Diamantenfieber“ erholt zu haben, auch wenn seine Vorliebe für merkwürdige Schergen bestehen bleibt. Der kleinwüchsige Nick-Nack (Hervé Villechaize) ist auch wieder recht gewöhnungsbedürftig. Immerhin ist mit Christopher Lee endlich mal jemand gefunden, der wieder einen grandiosen Bösewicht abliefert. Bleibt da nur noch die Frage, unter welchen Umständen die Tatsache so wichtig wurde, dass Scaramanga einen dritten Nippel hatte? Aber der große Christopher Lee umspielt auch diese Story-Merkwürdigkeit und macht diesen Bond-Bösewicht zu etwas Besonderem. Immerhin ist er einer der ersten Schurken, der offen und ernsthaft Bewunderung für Bond ausspricht.

Roger Moore scheint sich in der Rolle von Bond auch wohl zu fühlen. Bereits mit seinem zweiten Film macht er eigentlich recht deutlich, dass er ein guter Sean-Connery-Ersatz ist. Immerhin geht er in diesem Film sogar so weit, eine Frau im Schrank zu haben, während er die andere im Bett hat. So viel Macho steckte nicht einmal in Sean.

Besonders zu erwähnen ist wohl auch der erneute Auftritt von Clifton James. Der war ja als Sheriff Pepper bereits in „Leben und sterben lassen“ die Witzfigur eines Tabak spuckenden Südstaaten-Sheriffs. Jetzt macht er Urlaub in Thailand und trifft erneut auf Bond. Mag für einige vielleicht etwas zu abgedreht sein, ich fand’s irgendwie saukomisch.

Abgesehen davon ist „Der Mann mit dem goldenen Colt“ aber auch wieder ein toller Action-Film. Zu Wasser, zu Land und zu Luft haut Bond wieder ordentlich drauf. Besonders beeindruckend ist natürlich der Sprung und die 360-Grad-Drehung mit einem Wagen über einen Fluss… wenn man nur diesen komischen Pfeifton noch weggelassen hätte.

Für mich war „Der Mann mit dem goldenen Colt“ eine Premiere und der Film hat mir echt gut gefallen. Einige Sachen (der dritte Nippel) waren schon recht abgedreht, in Sachen Bond-Girl hat man Britt Ekland auch wieder nur ein blondes Dummchen spielen lassen, aber ansonsten ist es ein durchaus sehenswerter Bond, der endlich mal wieder richtig Spaß macht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein weiterer Bond-Eastern, der allein durch seine Locations schon verdammt gut aussieht)

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