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Billiger Budenzauberer

6. März 2013

Sam Raimi passt wirklich in keine Schublade und darf sich somit schon als kleiner Meister der Vielseitigkeit bezeichnen. Bekannt geworden ist er mit trashigen B-Movie-Horror-Streifen. Doch eigentlich klingt das abwertend, denn Raimis „Evil Dead“-Reihe ist großartig. Trashig, blutig und gleichzeitig zum Schreien komisch (und ganz nebenbei gelingt es ihm mit dem dritten Teil einen ganz neuen Weg einzugehen, der trotzdem bestens funktioniert). Neben seiner Vorliebe für das Horror-Genre kann Raimi aber auch Blockbuster und machte mit seiner „Spider-Man“-Trilogie großes A-Kino. Tja, und während er sich momentan als Produzent darum bemüht, dass das Remake zu „Evil Dead“ möglicherweise der blutigste Film des Jahres wird, hat er ein weiteres Blockbuster-Projekt übernommen – die Vorgeschichte zu „Der Zauberer von Oz“.

In „Die fantastische Welt von Oz“ wird Zirkusmagier Oscar Diggs (James Franco) durch einen Wirbelsturm mit seinem Heißluftballon in die zauberhafte Welt von Oz katapultiert. Hier wird er schon sehnsüchtig erwartet – als Magier einer Prophezeiung, als Befreier von Oz, der die böse Hexe besiegen soll, um anschließend König von Oz zu werden. Es stellt sich dabei nur die Frage, welche Hexe die böse ist. Schließlich trifft Oscar gleich auf drei: Theodora (Mila Kunis), Evanora (Rachel Weisz) und Glinda (Michelle Williams).

Was soll ich sagen? „Die fantastische Welt von Oz“ ist genau das: Fantastisch. Was Raimi hier auf die Beine stellt, haut einen echt um. Mit sehr viel Liebe und noch mehr Fantasie baut Raimi die Vorgeschichte des Zauberers auf. Das fängt im 4:3-Schwarz-Weiß-Format an, in dem wir Oscar Diggs als normalen Zauberer in Kansas erleben. Die lange Einleitung sorgt dafür, dass wir bereits zu Beginn ein sehr genaues Bild von diesem Zauberer bekommen: Er ist nicht unbedingt ein netter Mensch, vor allem scheint er nicht das Zeug dafür zu haben, ein ganzes Land zu retten. Zu seinem Assistenten Frank (Zach „Scrubs“ Braff) ist er ein ziemliches Arschloch, Frauen verführt er immer wieder mit dem gleichen Trick und schert sich wenig um deren Gefühle (ein Problem, dass ihm auch in Oz Schwierigkeiten bereiten wird).

Spätestens in der „Fantastischen Welt von Oz“ bekommen wir dann aber die ganze Breite der Kinoleinwand zu spüren… und halt die viele Arbeit, die in der Erschaffung dieser Welt steckt. Natürlich ist alles hier sehr schön an das Buch von L. Frank Baum angelegt, aber in einer Art und Weise, die einfach nur atemberaubend ist. Wenn ich es mit einem passenden Beispiel beschreiben sollte, dann fehlt mir nur folgendes ein: Sam Raimis „Die fantastische Welt von Oz“ ist wie James Camerons „Avatar“ – nur mit einer sehr viel besseren Story.

Die Welt von Oz ist wirklich grandios. Da kann man sich gar nicht genug satt sehen… und eigentlich möchte man auch nie wieder aus dieser Welt gehen. Wohin auch? Alles andere wirkt nach Oz eh trüb, grau und langweilig. Raimi schafft es diese Welt bonbonbunt aussehen zu lassen, ohne das einem irgendwann die Augen weh tun. Es passt halt einfach alles irgendwie perfekt zu einander.

Gleiches gilt auch für die Story. Die tolle Welt von Oz ist zwar wirklich fantastisch, doch ist sie „nur“ Hintergrund für eine spannende Abenteuergeschichte, die dem klassischen Stile folgt: Besiege das Böse, erlange Reichtum, Berühmtheit und die Frau deiner Träume. Und spätestens hier lohnt sich dann auch Raimis lange Einleitung… denn Reichtum, Berühmtheit und Frauen sind alles, was Oscar Diggs wirklich will. Oscar Diggs ist halt niemand, der den Ritter in glänzender Rüstung spielen will. Er will lieber die glänzende Rüstung verhökern, um an mehr Geld zu kommen. Natürlich verlangt jede Geschichte Läuterung und die Einsicht des Helden, und natürlich fehlt auch das nicht bei „Die fantastische Welt von Oz“.

Es wird gezaubert, es wird gelitten, es gibt nette kleine Verweise auf „Der Zauberer von Oz“… und vielleicht ganz wichtig: Es wird – im Gegensatz zum Klassiker – nicht gesungen. Dafür liefern James Franco und Co. tolle Darstellungen ab. Und neben der fantastischen Welt von Oz gibt es mit Rachel Weisz, Mila Kunis und Michelle Williams auch noch drei Hingucker, die ihren Hexen auch noch Charakter verleihen.

Vielleicht sollte man noch etwas erwähnen: „Die fantastische Welt“ wird etwas unglücklich damit beworben, dass die Produzenten von „Alice im Wunderland“ hier auch ihre Finger im Spiel hatten. Doch wie wir alle wissen, war „Alice“ ziemlich doof. Das trifft hier nicht zu: Optik stimmt, Story stimmt, Schauspieler stimmen. Mich hat „Die fantastische Welt von Oz“ wirklich mitgerissen. Es ist ein wunderbares Kino-Märchen, das alle Erwartungen erfüllt. Sam Raimi beweist eine unglaubliche Leichtigkeit in der Art und Weise, wie er hier Story und Kulisse miteinander verbindet. Am Ende kommt es auf meinen Vergleich von vorhin zurück: Wie „Avatar“, nur besser. In allen Belangen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ich hau sie zum ersten Mal in diesem Jahr raus… aber ich fand’s einfach wundervoll)

25 Kommentare leave one →
  1. 6. März 2013 06:51

    Und wegen diesem Hinweis auf „Alice“ tendierte mein Interesse gen Null. Und dann kommst du und haust so eine Review raus. Na schönen Dank!

    • donpozuelo permalink*
      6. März 2013 09:10

      Ging mir anfangs tatsächlich genau wie dir. „Alice“ fand ich ja wirklich NICHT gut. Aber ich habe meine Vorbehalte allein für Sam Raimi zurückgeschoben… und wurde nicht enttäuscht. Ich fand den Film wirklich durchweg super.

  2. 6. März 2013 09:01

    Der Film war in der Tat grandios, hast du ja bereits bei mir gelesen. Es gab in meinen Augen schon ein paar kleinere Schnitzer, aber im Großen und Ganzen könnte er jetzt schon das Highlight 2013 sein. Eine Frage noch: 3 Hingucker-Hexen? Naja,.. bis auf die unverhältnismäßig tiefen Ausschnitte..?!

    • donpozuelo permalink*
      6. März 2013 09:12

      Ich rede jetzt bei den Hingucker-Hexen auch nicht von irgendwelchen Ausschnitten. Rachel Weisz mochte ich schon immer, Mila Kunis sieht – zumindest am Anfang – echt sehr verführerisch aus und Michelle Williams ist doch einfach nur hinreißend. Wenn die mit ihren Kulleraugen in die Kamera schaut, schmilzt man doch förmlich dahin. 😉 Aber vielleicht geht’s ja auch nur mir so.

      Das mit dem Highlight 2013 kann gut sein. Aber das Jahr ist ja noch jung… 😉

      • 6. März 2013 09:15

        Geschmäcker sind wie immer verschieden. 😉 Mila Kunis schon einmal ungeschminkt gesehen? Und mit Michelle Williams werde ich einfach nicht warm. Rachel Weisz mochte ich noch nie. 😉

        • donpozuelo permalink*
          6. März 2013 09:25

          Jetzt verstehe ich, warum du dann doch nur 4,5 Punkte gegeben hast 😛

        • 6. März 2013 09:27

          Naja, da ging es mir doch eher um deren „Spielerei“, die mich nicht überzeugte, völlig unabhängig davon, ob ich sie nun mag oder nicht. Die 3 Hexen war ja essentiell für die Story und zwei davon überzeugten einfach nicht.

        • donpozuelo permalink*
          6. März 2013 09:33

          Ich weiß schon, was du meinst. Aber ich fand die Hexen super. Alle drei… auch wenn man sich bei der Maske von Kunis ein bisschen mehr Mühe hätte geben können. Das sah schon recht merkwürdig aus.

  3. 6. März 2013 14:04

    Als ich die Überschrift gelesen habe, ist mir ja kurz das Herz stehen geblieben. Ich hatte schon mit einem Verriss in bester Manier gerechnet, der mir meinen geplanten Kinobesuch am Montag versaut hätte – und dann haust du mal eben 10 von 10 Punkten raus.

    Nach den Trailern zu urteilen erinnert mich die reine Optik von Oz ja doch sehr an „Alice“, wobei ich aber sagen muss, erst recht nach meiner Sichtung vom „Wizard of Oz“, dass dieser kunterbunte CGI-Stil viel besser zu Oz passt als zum Wunderland.

    Und nun warte ich gespannt und herbeisehnend auf Montag!

    • donpozuelo permalink*
      6. März 2013 17:42

      :d Sorry, Überschrift tatsächlich mal doof gewählt, soll sich aber nur auf Oscar Diggs als Person beziehen. Ich wollte da nirgendswo bei niemandem Herzstillstand verursachen. Die „Alice im Wunderland“-Sorgen hatte ich ja auch, aber zum Glück sind das unbegründete Sorgen. Der Film, die Optik und die Story… das passt alles wirklich wunderbar zusammen. Ich habe mich wahnsinnig gut unterhalten gefühlt.

      Ich hoffe, das wird bei dir am Montag ähnlich so sein. Ich bin sehr gespannt.

  4. 6. März 2013 16:42

    Überrascht mich sehr nach der Überschrift 😆 da erwartet man doch einen Verriss.
    Du bist der erste richtig positive Kommentar zum Film, das macht Hoffnung und ich werde es wagen 😀

    • donpozuelo permalink*
      6. März 2013 17:45

      😀 Ich sag’s noch mal: Sorry. Dieses Mal bezieht sich die Überschrift wirklich nur auf James Francos Zauberer. Aber gut, dass ich für ein bisschen Aufregung sorge 😀

      Ja, ich habe auch schon gesehen, dass ich im großen Schnitt sehr wohlwollend kommentiert habe. Aber das ist nun mal meine Meinung. Ich fand den Film wirklich sehr gelungen… in jeder Hinsicht. Ein tolles Abschalt-Märchen, das mir zumindest verdammt viel Spaß gemacht hat.

  5. 7. März 2013 13:10

    FUCK YEAH!!! Du machst mir Mut…aber lesen werde ich es erst morgen 😉

    • donpozuelo permalink*
      7. März 2013 13:12

      Musste ja wegen „Hänsel & Gretel“ wieder was gut machen 😉 Ich hoffe, er gefällt dir ebenso gut wie mir!!!

      • 7. März 2013 13:14

        Ich bin mir ziemlich sicher, zumal ich ja schon Alice mochte ;P..aber was kann man auch falsch machen mit Oz und Mila Kkkkkkunis!

        • donpozuelo permalink*
          7. März 2013 14:28

          Mila Kunis, Mila Kunis, Mila Kunis!!!!

          Obwohl die eigentliche zauberhafte Dame dieses Films ist eindeutig Michelle Williams! Einfach nur WOW!!!

        • 7. März 2013 14:29

          🙄

  6. 7. März 2013 23:07

    Bei dem Titel freute ich mich auf einen gemeinen Verriss. Und dann sowas. Pfff. Ich bin enttäuscht.

    Ich erwarte ja wirklich nichts. Bin jetzt dennoch ein bisschen neugierig.

    • donpozuelo permalink*
      7. März 2013 23:40

      Tut mir ja auch Leid, aber ich spiele so gern mit euren Erwartungen… muhahahahahaha 😀 Enttäuschen wollte ich natürlich niemanden, aber zu diesem Film fiel mir einfach nichts gravierend Negatives ein.

  7. 9. März 2013 00:59

    Kann dir so eigentlich komplett zustimmen, hätt mir zwar ein wenig mehr Gemetzel während den Schlachtszenen gewünscht aber es ist ja Disney und irgendwie hat es dann doch gepasst! Wie gesagt Ozsome!

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2013 09:18

      😀 Ozsome ist gut!!!

      Naja, bei Disney darf man kein Gemetzel erwarten und ich glaube, irgendwie hätte das diesen ganzen Märchenzauber auch kaputt gemacht. Soll ja letztendlich auch ein Familienfilm sein 😉 Aber es freut mich, dass er dir auch gefallen hat.

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