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Einfach nur R

4. März 2013

Ich bin ja ein kleiner Streber. Wenn’s eine Romanverfilmung gibt, bei der mich der dazugehörige Roman vielleicht sogar anspricht, dann versuche ich, den auch zu lesen. Ich weiß, ich weiß… man sollte es besser nicht tun. Entweder man liest das Buch oder man schaut den Film. In den seltensten Fällen können die Erwartungen an das Buch vom Film erfüllt werden. Kopfkino ist halt immer noch unerreichbar. Aber ich bin in diesen Fällen meist ebenso unbelehrbar… und wenn es sich einrichten lässt, dann lese ich auch gerne vorab, was mich so erwarten könnte.

Die wohl größte Angst meinerseits bei „Warm Bodies“ war, dass es sich dabei um so eine Art nächstes „Twilight“ handeln könnte. Nur statt glitzernder Vampire gibt’s hier sich verliebende Zombies. Das läuft ungefähr so ab: Zombie R, an mehr als den Anfangsbuchstaben seines Namens kann er sich nicht erinnern, „lebt“ auf einem Flughafen und ist ein ganz gewöhnlicher Zombie… naja, nicht wirklich ganz gewöhnlich. Er ist zwar tot, aber scheinbar immer noch sehr aktiv. Ähnlich wie „Wall-E“ sammelt er gerne Dinge aus der Vergangenheit. Eines Tages, als R (Nicholas Hoult) sich mit ein paar Zombie-Freunden auf Gehirn-Suche begibt, trifft er auf Julie (Teresa Palmer). Die erkennt er, weil er gerade das Gehirn ihres Freundes Perry (Dave Franco) gegessen hat und sich somit mehr oder weniger in sie verliebt. Er beschützt von nun an… und seine Gefühle für Julie sorgen für Veränderung.

Ja, es klingt schon ein bisschen kitschig und albern, aber die Idee dahinter ist eigentlich ganz witzig. Wir verändern Shakespeares Klassiker „Romeo und Julia“ – nur das Romeo (daher vielleicht das „R“???) halt vorher schon ziemlich tot ist. Im Buch wird das Ganze sehr süffisant und teils recht komisch erzählt. Der Alltag eines Zombies ist im Roman sehr viel aufregender, als dass der Film es uns weismacht. Da gibt es richtige Hochzeiten unter Zombies oder Schulen, in denen die kleinen Zombies das richtige Knurren und Anbeißen von Menschen lernen. Auch sind Rs Zwiegespräche mit seinem besten Freund M und dem in seinem Kopf herumgeistertenden Perry sehr viel aufschlussreicher als Regisseur Jonathan Levine es im Film darstellt.

Um es kurz zu machen: Der Film ist eine super-weichgespülte Fassung des Romans. Der ist geistreich, witzig und an vielen Stellen auch recht blutig. Das alles braucht ihr im Film aber nicht zu suchen. Geistreich ist da nicht viel. Witzig auch nichts… die besten Gags verrät euch der Trailer. Und naja… was das „Blutig“ angeht: Da ist man sehr darauf bedacht gewesen, dem Film die nötige Altersfreigabe zu geben, damit die ganzen kleinen „Twilight“-Junkies auch die Chance bekommen, den Film zu sehen.

„Warm Bodies“ hätte echt sehr, sehr viel mehr sein können, wenn man sich an einigen (durchaus auch umsetzbaren) Stellen mehr an das Buch gehalten hätte. So bleibt die durchaus originelle Idee hinter meinen Erwartungen weit zurück. Nicholas Hoults Zombie R ist ja schon nett umgesetzt… nur hier stört die Tatsache, dass der zu schnell ganze zusammenhängende Sätze von sich gibt. Die Transformation vom Zombie zum Menschen vollzieht sich etwas zu schnell für meinen Geschmack. Dazu kommt dann eine Teresa Palmer, die zwar wesentlich tougher ist als eine Kristen Stewart, aber in etwa die gleichen schauspielerischen Fähigkeiten an den Tag legt (naja, immerhin hat sie größere Brüste und sieht auch allgemein etwas ansehnlicher als die Vampir-Tussi). Größtes Rätsel für mich ist immer noch der Auftritt von John Malkovich. Was den dazu gebracht hat, sich in diesem Film blicken zu lassen… wer weiß? Wahrscheinlich hat Regisseur Jonathan Levine den Shakespeare-Faktor sehr viel deutlicher betont (den er immerhin in einer Balkon-Szene sogar fast perfekt hinbekommt).

Alles in allem ist „Warm Bodies“ wirklich nur eine auf Jugendliche getrimmte Zombie-Romanze. Und falls es Zweifler gibt: Ich wäre dieser Meinung auch gewesen, wenn ich vorher das Buch nicht gelesen hätte.

Im Gegensatz zu mir haben sich die „kleinen Kinder“ im Kino köstlich amüsiert, also scheint der Film zumindest irgendwo einen Nerv getroffen zu haben. Nur meiner war es leider nicht. „Warm Bodies“ hätte verdammt gut werden können (siehe das Buch!!!), doch letztendlich hat sich da niemand getraut, ein Risiko einzugehen. So entstand lieber schön weichgespülter Teenie-Mist. Sehr ärgerlich.

Wertung: 5 von 10 Punkten (es ist kein Twilight, aber dadurch wird es leider nicht besser)

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9 Kommentare leave one →
  1. 4. März 2013 12:20

    Irgendwie machte mich der Film am Ende wütender als Twilight, da man hier merkte, dass doch noch einiges Talent dahinter steckte (John Malkovich, Nicholas Hoult, Rob Corddry)

    • donpozuelo permalink*
      4. März 2013 15:01

      Mich machte der Film an vielen Stellen wütend, weil er so sehr hinter dem Potenzial der Vorlage zurückbleibt. Da hätte man wirklich sehr viel mehr draus machen können, aber es muss ja den Altersbeschränkungen entsprechend runtergeschraubt werden. Echt verdammt schade.

  2. 4. März 2013 13:52

    Nächster Anlauf:
    die Diskussion, ob man sich einen Film antun sollte, nachdem man das Buch gelesen hat, hatten wir ja schon. Wie gesagt, es gibt Filme, die ich, trotzdem sie stark vom Buch abweichen genauso gerne mag (das Relikt) und sogar Filme, die ich lieber mag als das Buch (Dracula). Bei Warm Bodies habe ich das Buch in die Ablage Ungelesener getan, weil ich mir schon dachte, dass das sonst nichts wird (ich den Film sehen wollte) und kann nur sagen, dass mir der Film gefallen hat, auch wenn er sehr harmlos gehalten war und Teresa Palmer nur eine Kristin Stewart in blond ist. Insgesamt kein großer Wurf, aber ansehbar.
    Und es gibt Bücher deren Verfilmung ich sicherlich unverzeihlicher finde (Der Hobbit).

    • donpozuelo permalink*
      4. März 2013 15:03

      Ja, das stimmt wohl. Sowohl was die Buchverfilmungen als auch was „Warm Bodies“ angeht: Teresa Palmer macht wirklich nicht so viel mehr als die Stewart… und im Vergleich zum Buch ist das hier wirklich Kindergeburtstag. Da gibt’s in der Vorlage immerhin ein paar „nette“ Sachen, die sehr viel passender sind als das, was wir hier geboten bekommen.

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