Zum Inhalt springen

Pimp my Märchen!

27. Februar 2013

Märchen haben wieder Hochsaison. Hollywood scheint momentan richtig verliebt in sie zu sein. Ob als Serie wie in „Once Upon A Time“ oder halt als Film. Dabei gibt es zwei Methoden, das ausgewählte Märchen anzupacken – wie wir letztes Jahr wunderbar am Beispiel „Schneewittchen“ feststellen durften. Da gab es einmal die bonbon-bunte Variante (die ich nicht gesehen habe, weil Tarsem Singh nach „Krieg der Götter“ bei mir erst einmal verkackt hat) und dann gab es die düstere Fantasy-Variante (die ich gesehen habe).

Auch in diesem Jahr werden uns die unterschiedlichsten Märchen über den Weg laufen, die aber wohl alle eher den Fantasy-Weg einschlagen werden (wenn man so den Trailern Glauben schenken darf). Den Anfang machen da zwei, die wir schon echt gut kennen. Die kennen wir so gut, dass man sich bei ihrer Geschichte eher darauf konzentriert, was danach geschah. „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ fängt da an, wo das Märchen aufhört. Die beiden haben das Hexen-Töten zu ihrem Beruf gemacht und sind damit äußerst erfolgreich. Nach vielen Jahren der erfolgreichen Hexenbekämpfung kommen Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) nach Augsburg. Hier bittet sie der Bürgermeister, das Verschwinden mehrerer Kinder aufzuklären. Schnell wird deutlich, dass Hexen am Werk sind. Nur bekommen es die Hexenjäger dieses Mal mit der gefährlichsten von allen zu tun: Oberhexe Muriel (Famke Janssen) führt mehr als nur Böses im Schilde. Und Hänsel und Gretel sollen ihr dabei helfen – natürlich ohne es zu wissen.

Schneewittchen hat ja schon letztes Jahr ordentlich Schläge verteilt, aber Hänsel und Gretel jetzt noch sehr viel mehr. Mit selbstgebauten Wunderwaffen und mit eiskalter Schnauze gehen die beiden Hexenjäger gegen ihre Erzfeinde vor… und lassen nur selten was übrig. „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ liefert zahlreiche Splatter-Momente, die auf der großen Leinwand wirklich grandios aussehen. Es ist halt, wie Hänsel es sagt: „Nur eine tote Hexe ist eine gute Hexe.“ Und tot bedeutet in diesem Fall ordentlich zerkleinert, zerhackt, gevierteilt, zu Mus verarbeitet, zum Sieb gemacht, zerstampft, verbrannt und noch viel mehr.

Wenn „Hänsel & Gretel“ wirklich auf etwas neugierig macht, dann am ehesten wohl auf den Mann hinter der Kamera. Tommy Wirkola liefert mit diesem Märchen-Splatter sein Hollywood-Debüt… nach dem er in „Dead Snow“ untote Nazis wieder auferstehen lässt (die wahrscheinlich auf ebenso spektakuläre Art und Weise niedergemetzelt werden wie hier die Hexen. Schließlich greift auch hier der Spruch, den Hänsel in punkto „gute Hexen“ abliefert). Wirkola hat auf jeden Geschmack an Splatter und recht ungewöhnlichen Geschichten, die er wirkungsvoll in Szene setzt. So zumindest hier mit „Hänsel & Gretel“.  Dabei scheint Wirkola großer Star-Wars-Fan zu sein, denn wenn die Hexen auf ihren Besen durch den Wald rasen, dann sieht das verdammt noch mal genauso aus wie in „Rückkehr der Jedi-Ritter“.

„Ähnlich aussehen“ ist wohl der passende Ausdruck, denn schon seit dem ersten Trailer schwirrte ein Vergleich in meinem Kopf herum: Langer Mantel, Leder-Outfit für die Dame, krasse Waffen Marke Eigenbau, Monster und Action – das erinnerte mich doch alles sehr an einen gewissen „Van Helsing“. Und auch nach dem Film wurde ich das Gefühl nicht los, hier nur die aufgemotzte Pärchen-Variante gesehen zu haben. Dazu muss ich dann aber schon gestehen, dass mir „Van Helsing“ wesentlich besser gefallen hat als „Hänsel & Gretel“. Abgesehen von der wirklich guten Action fand ich die Hexenjäger nämlich reichlich öde.

Die Story selbst ist 08-15 und spätestens nach der zweiten Rückblende weiß man, warum die Hexen so ein Interesse an ihren Jägern haben. Dazu kommen angeblich übermächtige Hexen, die ebenfalls recht langweilig sind. Dafür, dass die zaubern können, tun sie es wenig und lassen sich lieber ordentlich die Fresse polieren. Für die Action ist das natürlich ganz hilfreich, nur fragt man sich dann schon, warum alles so furchtbare Angst haben. Bei den Hexen hätte Wirkola ruhig ein bisschen mehr auf den Putz hauen können, um die zu einer wirklichen Bedrohung werden zu lassen. Wenigstens in seinem großen Finale lässt Wirkola ein paar interessante Exemplare vom Stapel.

Jeremy Renner und Gemma Arterton als Hexenjäger-Geschwisterpaar spielen sich die Bälle eigentlich ganz gut zu, doch so richtig Empathie konnte ich für beide Charaktere nicht entwickeln. Dafür bleiben sie am Ende doch zu oberflächlich…. aber d’uh… is ja auch ein Action-Film!!!! Richtig, aber ein bisschen Charakterzeichnung wäre schon schön gewesen.

So bleibt „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ hinter meinen Erwartungen zurück. Die Action ist okay, der Rest aber leider viel zu vorhersehbar und unspektakulär. Bleibt trotzdem die Frage, ob Renner hier möglicherweise seinen dritten Franchise aufbaut? Wer weiß. Wenn’s nach mir ginge, wäre ich eher für einen weiteren „Van Helsing“, aber mich fragt ja keiner…

Wertung: 5 von 10 Punkten (ich werde Wirkola wohl mit seinen untoten Nazis noch eine Chance geben)

28 Kommentare leave one →
  1. 27. Februar 2013 06:46

    Um Gottes Willen, „Van Helsing“ fand ich furchtbar. Und der soll besser sein als der hier?

    • donpozuelo permalink*
      27. Februar 2013 08:54

      🙂 Wir lagen ja schon bei „Detention“ weit auseinander. Entweder hier treffen zwei vollkommen unterschiedliche Geschmäcker aufeinander oder ich habe „Van Helsing“ einfach schon lange nicht mehr gesehen 😉 Auf jeden Fall blieb mir der besser in Erinnerung, denn im Endeffekt ist „H&G: Hexenjäger“ echt nur ein Abklatsch davon.

      • 27. Februar 2013 19:04

        Gut, meine Sichtung von „van Helsing“ ist auch lange her. Wann kam der noch mal im Kino? 😉

        • donpozuelo permalink*
          27. Februar 2013 20:52

          Ist tatsächlich schon ein bisschen her. 2004 kam der in die Kinos. Da kann die Erinnerung schon etwas schwinden 😉

  2. 27. Februar 2013 08:16

    Da bleibt mir nur zu sagen: Wie erwartet – und nicht einmal schade. Meiner Meinung nach.

    • donpozuelo permalink*
      27. Februar 2013 08:55

      Erwartet hätte ich schon was Besseres, wenn ich ehrlich sein soll. Bleibt mir nur noch „Van Helsing“ ein weiteres Mal zu schauen 😉

      • 27. Februar 2013 08:57

        Aber Van-rum denn? Der war auch nicht wirklich prickelnd. Aber hey, wir könnten uns drauf einigen gemeinsam die Nazi-Zombies, äh Zombie-Nazis anzusehen und dann eine Mischmaschkritik zu machen. Jay!(?)

        • donpozuelo permalink*
          27. Februar 2013 08:58

          Ja, den sollten wir uns auf jeden Fall mal anschauen. Immerhin klingt die Idee irgendwie ein bisschen aufregender als die Hexenjäger 😉

  3. 27. Februar 2013 14:43

    Was mir ja wirklich gefehlt hat, sind markige One-Liner. Da gab es ja eigentlich nur den einen von Renner am Schluss, der wirklich gezündet hat.

    Ansonsten stimme ich dir zu, dass wirkt irgendwie wie die schwächere Variante von „Van Helsing“, der sicherlich auch kein großartiger Film, aber immerhin coole Action bietet.
    Das hatte ich mir nach wenigen Minuten von „Hansel and Gretel“ auch erhofft und wurde mit wirklich wundervollen Splatter-Effekten bestens bedient – doch irgendwann fehlte dem Film dann der richtige Flow und wurde von Mal zu Mal schwächer. Das dürfte wohl auch an der ziemlich schwachen Handlung liegen, die irgendwie versucht, Bedeutung zu gewinnen, aber kläglich daran scheitert.

    • donpozuelo permalink*
      27. Februar 2013 15:55

      Stimmt, die One-Liner haben wirklich gefehlt. Bis auf „Don’t eat the fucking candy“ gibt’s da nicht sonderlich viel.

      Die Splatter-Momente waren nett, das 3D halbwegs angebracht, obwohl es nicht hätte sein müssen und Renner und Arterton sowie auch Janssen haben viel zu wenig zu tun. Die hätten alle drei sehr viel mehr gekonnt.

  4. 28. Februar 2013 08:31

    Das Kleine Kind guckt den heute. Sie WEIß, dass der grottenschlecht sein wird und gruselt sich schon gar fürchterlich

    • donpozuelo permalink*
      28. Februar 2013 15:34

      Naja, wenn sie weiß, dass der grottenschlecht ist, ist schon mal besser vorbereitet und findet ihn am Ende doch nicht soo schlecht 😉

  5. 28. Februar 2013 15:24

    Nein nein nein! Du machst mir den Film jetzt nicht madig 😦

    • donpozuelo permalink*
      28. Februar 2013 15:34

      Me only tells the truth, master.

      • 28. Februar 2013 15:36

        Lalalalalala ich hör da nicht^^

        • donpozuelo permalink*
          28. Februar 2013 15:52

          Aber sag später nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Und nun geh und hab Spaß im Kino. Ich sag ja nicht, dass der Film madig ist, er hätte nur sehr viel besser sein können.

  6. 1. März 2013 22:17

    Ja eigentlich war das nur 90 Haudruf und Splatter. Der Typ neben mir war ziemlich unbehagt 🙂
    Ich hatte nicht viel erwartet, war aber dennoch etwas enttäuscht, irgendwas fehlte; kein Vergleich zu Dead Snow – der war wirklich gut.

    • donpozuelo permalink*
      1. März 2013 23:44

      Ja, ich hab „Dead Snow“ jetzt mittlerweile auch gesehen. Der war wirklich super. Aber da wird den guten Wirkola sicherlich das Hollywood-System zurückgehalten haben. Wenn’s ein europäischer Film geworden wäre, dann hätte der sicherlich mehr drauf gehabt.

  7. 1. März 2013 23:01

    So gesehen! Ich fand ihn geil! Review folgt! Gute Nacht 😀

    • donpozuelo permalink*
      1. März 2013 23:44

      Alles klar, Chef. Ich bin gespannt!!! 😉

  8. luzifel permalink
    4. März 2013 10:54

    Ich hab den Film am Sa gesehen und fand ihn witzig. Absolutes Trashfestival. Ich habe mich zwischendurch auch deutlich an Van Helsing erinnert gefühlt. Wozu mir einfällt, dass ich den Film Solomon Kane mal wieder gucken muss. Der fühlt sich auch ähnlich an..

    • donpozuelo permalink*
      4. März 2013 14:59

      Na dann guck dir mal „Solomon Kane„. Der ist echt gut. Und wenn du sehen willst, was aus „Hänsel & Gretel“ hätte wirklich werden können, dann schau dir auf jeden Fall „Dead Snow“ an. Hab ich letztens gemacht… der ist wirklich verdammt gut.

Trackbacks

  1. Hansel and Gretel: Witch Hunters (2013) | watched
  2. Review: HANSEL & GRETEL: WITCH HUNTERS | ChristiansFoyer
  3. Eins, Zwei, Die | Going To The Movies
  4. Monster-Jäger | Going To The Movies
  5. Zombie-Arm-Prothese | Going To The Movies
  6. Monster-Jäger | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: