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Gucken oder nicht gucken

25. Februar 2013

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Ich sitze immer Sonntag abends vor den Oscars und frage mich: „Soll ich jetzt den Wecker normal oder doch auf so halb drei Uhr morgens stellen? Muss man sich noch die Oscars anschauen???“ Es ist eine Entscheidung, die ich jedes Mal in letzter Minute treffe… könnte mich ja auch mal früher entscheiden. Doch wenn ich ganz ehrlich sein soll, dieses Jahr fiel mir die Entscheidung nicht ganz so schwer… auch wenn ich gleich zur Arbeit muss. Denn erstmals war es in diesem Jahr ja doch recht spannend. Während Spielberg bei den Nominierungen noch als großer Favorit gehandelt wurde, zeigte sich ja auf dem Weg zur eigentlichen Verleihung, dass es möglicherweise Afflecks „Argo“ werden könnte.

Das und die Tatsache, dass ich in diesem Jahr doch so ziemlich viele der Oscar-Favoriten gesehen hatte, jagten mich dann nach drei wundervollen Stunden Schlaf aus dem Bett.

Tja… und was soll man zu der Veranstaltung sagen??? Seth MacFarlane hat eine merkwürdig-interessante Musical-Veranstaltung draus gemacht. Seine Nummer zum Anfang waren ja noch super (der „Boob“-Song für all die Brüste und Hintern, die wir von Oscar-Kandidatinnen gesehen haben, war große Klasse), aber danach hatte ich schon das Gefühl, als wäre es ein klein bisschen zu viel Musical. Zumindest für meinen Geschmack… Vielleicht wollte man damit auch kompensieren, dass Tom Hoopers „Les Misérables“ nicht so sonderlich gut abschnitt – abgesehen natürlich der Oscar für Anne Hathaway, den ich ihr auch echt gegönnt habe.

Aber Musical-Nummern mal beiseite… es war schon eine spannende Show: Ang Lee als bester Regisseur war großartig, Tarantino hat immerhin einen Goldmann für sein Drehbuch zu „Django Unchained“ mitnehmen können und Christoph Waltz gleich einen weiteren beschert. Beim männlichen Hauptdarsteller gab’s keine Überraschungen, Daniel Day-Lewis stand ja auch schon lange fest. Gewundert hat’s mich dann tatsächlich nur bei Jennifer Lawrence, die vor lauter Aufregung dann auch noch fast an der Treppe gescheitert wäre. Ich habe „Silver Linings“ nicht gesehen, war aber irgendwie schon davon ausgegangen, dass Jessica Chastain für „Zero Dark Thirty“ den Oscar sicher hat. Naja… es muss ja auch ein paar Überraschungen geben.

Richtig skurril, wenn ich das so sagen darf, wurde es, als Jack Nicholson den „Besten Film“ preisgeben wollte. Auf einmal gibt er ins Weiße Haus, wo Michelle Obama vor einer Gruppe hässlich grinsender Menschen steht und sich für die tollen Filme bedankt, die es in diesem Kinojahr so gab. Warum und wieso das nun sein musste… wer weiß, wer weiß.

Immerhin gab’s dann den Oscar für „Argo“ als „Besten Film“. Da kann man jetzt natürlich wieder streiten, ob das die richtige Wahl oder einfach nur eine politische Entscheidung ist. Es ist auf jeden Fall ein verdammt guter Film. Und Ben Affleck hat es geschafft, dass ein George Clooney auf der großen Bühne weder auffällt noch zu Wort kommt. Das ist sicherlich auch nicht einfach 🙂

Eine Sache fällt mir dann jetzt doch noch ein über die ich irgendwie ein bisschen meckern möchte: Da wird groß getönt, dass man Mr. James Bond für 50 Jahre huldigen möchte und dann ist nicht ein einziger Bond-Darsteller auf der Bühne. Da darf Shirley Bassey noch einmal „Goldfinger“ besingen, dann kommt ein Zusammenschnitt alter Bonds, bei dem mehr als einmal Halle Berry zu sehen ist, weil sie als einziges Bond-Girl auch im Publikum sitzt… und das war’s. Schade… immerhin gab’s für „Skyfall“ auch ein paar Statuen.

Es war keine spektakuläre Show, Seth MacFarlane gab’s in leicht abgebremster Version (die nur als Gastauftritt als „Ted“ ein bisschen Würze bekam) und der Rest war eigentlich wie jedes Jahr: Hollywood schüttelt sich selbst die Hand und klopft sich dabei fest auf die Schultern. Skandale gibt’s keine mehr, bewegende Reden bestehen auch nur noch aus den Danksagungen an zig tausend Leute und das war’s. Eigentlich nichts, wofür man sich die Nacht um die Ohren schlagen müsste, aber zum Glück ist das ja auch nur einmal im Jahr.

Wer wissen will, wer sonst noch so abgesahnt hat, der schaut hier nach: OSCAR 2013

6 Kommentare leave one →
  1. 25. Februar 2013 06:34

    Stimme dir völlig zu – das war am Anfang so gut, und mit der Zeit nur langweilig. Und ja, die Bond-less-ness fand ich auch ganz übel. Pfui. Pfui.

    • donpozuelo permalink*
      25. Februar 2013 06:45

      😀 Absolut. Ich hatte ja gerade bei Bond erwartet, dass alle Darsteller auftreten… aber gar nichts und das, nachdem sie das so groß angekündigt haben. Schade…

  2. 25. Februar 2013 13:42

    Stimmt ich hätte mir den Seth auch ein wenig bissiger gewünscht…und es hätten ein paar weniger Preise für Life of Pi sein können aber dennoch ein anständige show

    • donpozuelo permalink*
      25. Februar 2013 16:58

      Anständig ja, aber mehr auch nicht. Naja… musste halt wieder alles sehr brav und ordentlich sein. 😉

  3. 25. Februar 2013 17:39

    Fand Seth klasse und ich finde, wenn man sich das Thema Musical für die Show auf die Fahnen schreibt, hätte da sogar noch etwas mehr kommen können.

    • donpozuelo permalink*
      25. Februar 2013 18:12

      Ich fand Seth auch super, gerade zum Beginn der Veranstaltung. Doch mit dem Verlauf der Show wurde er immer braver und braver. Dafür waren seine ersten Songs super. Der „Boob“-Song war großartig 😉

      Das Thema „Musical“ hätte man sicherlich weiter ausbauen können, ich frage mich nur, warum es überhaupt so Musical-lastig war. Doch nicht etwa nur wegen „Les Misérables“???

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