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TWB VII: Willkommen in Las Vegas

22. Februar 2013

Guy Hamilton hat mit „Goldfinger“ DEN Bond schlechthin gedreht und damit der Reihe auf ewig seinen Stempel aufgedrückt. Da ist die Freude natürlich groß, wenn dieser Mann nach einer kreativen Pause zu Bond zurückkehrt. Umso größer der Schock, wenn Hamiltons zweiter Bond-Ausflug dann – milde gesprochen – zu einer mittelschweren Katastrophe wird. Eigentlich müsste man doch gerade von ihm mehr erwarten dürfen. Doch von „James Bond: Diamantenfieber“ darf man sich echt nicht zu viel versprechen. Selbst die Tatsache, dass Sean Connery noch einmal als Bond zurückkehrt, hilft da nicht weiter.

„Diamantenfieber“ beginnt damit, dass Bond (Sean Connery) Blofeld (Charles Gray) tötet. Doch statt danach erst einmal gemütlich Urlaub zu machen, wird Bond auf einen Diamanten-Schmugglerring angesetzt. Getarnt als Schmuggler reist Bond nach Amsterdam, wo er Tiffany Case (Jill St. John) trifft, die im Geschäft um die Diamanten mitmischt. Bond soll nun eine große Ladung Diamanten nach Las Vegas bringen, um sie dort dem eigentlich Kopf der Schmuggler-Organisation zu überbringen.

Man merkt es schon ein bisschen an der Story, „Diamantenfieber“ hat nicht wirklich viel zu bieten. Zwar lebt dieser Film frei nach dem Comic-Motto: „Tote müssen nicht immer tot sein“, doch sorgt das nicht unbedingt für Spannung. Die meiste Zeit plagen wir uns mit dieser albernen Schmuggler-Story rum, die wenige bis gar keine nennenswerten Höhepunkte liefert. Mit Höhepunkten sind – wie es sich für einen Bond gehört – natürlich auch spektakuläre Action-Szenen gemeint. Doch „Diamantenfieber“ lässt die fast komplett vermissen. Eine Verfolgungsjagd in Las Vegas mag mit viel Fantasie an „Bullitt“ erinnern, sorgt aber auf kaum für Spannung. Richtig lachhaft wird es dann erst, als Bond mit einem Mondfahrzeug durch die Wüste fährt. Die einen verfolgen ihn daraufhin in Autos, nur um die ohne ersichtlichen Grund irgendwo auffahren zu lassen, während die anderen auf merkwürdigen kleinen Drei-Rad-Motorrädern hinter Bond her jagen. Actiontechnisch gesehen erzeugt das alles nur ein müdes Gähnen. Bond kennen wir da anders.

Apropos Bond…. George Lazenby musste sich – wahrscheinlich wegen seiner schlechten Kritiken zu „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ oder weil er keine Lust mehr hatte – von seiner Lizenz zum Töten wieder verabschieden. Zur großen Freude übernimmt Sean Connery noch einmal die Rolle des Doppel-Null-Agenten. Leider hält auch die Freude nicht lange an. Connery wirkt angeschlagen und alt. Fast schon ein bisschen gelangweilt spielt er und lässt den charmanten Agenten von einst vermissen. Vielleicht hätte er „Man lebt nur zweimal“ wirklich als seinen letzten Auftritt beibehalten sollen – dann hätte er sich wenigstens noch würdevoll verabschiedet.

Auch die restlichen Schauspieler und Drehbuch-Ideen wirken lahm. Allen voran Charles Gray. Als mittlerweile nun schon dritter Blofeld-Darsteller bietet er die flachste Darstellung des Bösewichts überhaupt. Dazu kommt natürlich, dass die Story an sich ihm nur wenig Möglichkeiten bietet, sich zu entfalten. Gleiches gilt für Bond-Girl Jill St. John… und ganz, ganz ehrlich, wer sich die beiden Kriegeramazonen Bambi und Klopfer ausgedacht hat, die Bond erst einmal so richtig vermöbeln, nur um dann von ihm im Pool unter Wasser gedrückt zu werden, der gehört ganz böse geschlagen.

Es gibt eine Sache, die funktioniert und „Diamantenfieber“ vielleicht ein bisschen interessanter gemacht hätte – wenn man es denn richtig angestellt hätte: Statt einem Schergen gibt es hier zwei. Mr. Wint (Bruce Glover) und Mr. Kidd (Putter Smith) sind ein schwules Killer-Pärchen. Ein höchst interessanter Ansatz, den Hamilton leider Gottes in blöden Anspielungen und albernen Dialogen komplett kaputt macht. Die beiden hätten Geschichte schreiben können, wenn man ihnen eine bessere Geschichte gegeben hätte.

„Diamantenfieber“ ist bis zu diesem Zeitpunkt einer der schlechtesten Bond-Filme überhaupt. Einer, den man nur zu gerne aus der Reihe streichen möchte, weil er einfach gar nichts liefert. Keinen guten Agenten, keinen guten Bösewicht, kein gutes Bond-Girl, keine wirklich exotischen Orte und erst recht keine gute Story. Dabei hätte man in Punkto Story einfach mal den Cliffhanger aus „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ übernehmen brauchen. Was hätte eine bessere Geschichte sein können, als ein gekränkter Bond, der ohne Rücksicht auf Verluste den brutalen Tod seiner Ehefrau rächen will? Wahrscheinlich hat man sich damals noch nicht getraut, Bond anders zu gestalten. Aber muss es deswegen dieser traurige Abklatsch eines Agenten sein???

Somit kann sich Guy Hamilton dann mit zwei Dingen rühmen: den besten UND den schlechtesten Bond-Film gedreht zu haben. Traurig, aber wahr…

Wertung: 3 von 10 Punkten (das hätte sich Sean Connery echt nicht antun sollen)

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13 Kommentare leave one →
  1. 22. Februar 2013 08:06

    Das neue Hörbuch zur Geschichte gefiel mir ziemlich gut. Doch auch da spürte man den leichten Einbruch der Serie. Zum Glück weiß ich, dass es nicht so weiter ging… 😉

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2013 09:18

      Es gibt ein Hörbuch??? Zum Fleming-Roman dann aber, oder???

      Das ist wirklich ein „leichter“ Einbruch… aber von dem Mann, der „Goldfinger“ gemacht hat, hätte ich schon besseres erwartet. Aber naja… zum Glück ist das ja nicht das Ende der Reihe 😉

      • 22. Februar 2013 09:20

        http://www.audible.de/pd/B00B0NS2GK
        Die neuen Hörbücher, gelesen von Oliver Siebeck sind grandios, ganz ehrlich! Habe bisher alle 4 angehört und warte sehnsüchtig auf das nächste.

        • donpozuelo permalink*
          22. Februar 2013 09:55

          Naja, Hörbücher brauch ich jetzt erstmal nicht. Hab ja die Box und jede Woche einen neuen Bond-Film. Das reicht mir dann. Aber danke für den Tipp!

  2. 22. Februar 2013 21:29

    Ich mag ihn. Toller Titelsong und was hast Du gegen Bambi und Klopfer? Und dann Mr. Kidd und Mr. Wint…bitte, die sind doch Kult! Ich merke, hier liegen Generationen dazwischen 😀

    • donpozuelo permalink*
      25. Februar 2013 06:46

      Naja, vielleicht schon, aber die allgemeine Meinung zu „Diamantenfieber“ ist eher nicht so gut. Mr. Kidd und Mr. Wint fand ich auch interessant, dabei haben sie aber nicht wirklich viel aus den Figuren gemacht. Und Bambi und Klopfer??? Die waren echt albern.

  3. 1. März 2013 01:52

    Der absolute Tiefpunkt der gesammten Reihe.
    Langweilige Storys clowneske Figuren und grotttenschlechter Humor ziehen sich durch den Film.
    Das Schlimmste ist jedoch, dass man das Potential, welches das Ende von „OHMSS“ geboten hätte, nicht nutzte.
    Stadtdessen hat es der Streifen fertiggebracht die Figur des Blofelds zu zerstören 😦

    • donpozuelo permalink*
      1. März 2013 07:08

      Ja, das hat mich auch am meisten von allem gestört: Da hat man diese geile Ausgangsposition von „OHMSS“ und dann wird das nicht mal im Ansatz weitergeführt. Da hätte ein echt grandioser Film draus werden können, echt schade.

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