Zum Inhalt springen

TWB VI: Lawinengefahr

15. Februar 2013

Er war ein Unbekannter. Ein Model. Geschauspielert hatte er nur in ein paar Werbespots. Mehr nicht. Zu seinem großen Glück ging er zum selben Friseur wie ein gewisser wichtiger Produzent, dem gerade sein Hauptdarsteller für seine Filmreihe abhanden gekommen war. Der Rest ist ein weiteres skurriles Beispiel dafür, wie schnell einen der Ruhm packen kann. Denn dieser Produzent war Albert Broccoli, das Model George Lazenby und die Rolle, die er sich angeln sollte, war die des James Bond. Nach fünf Filmen musste sich die Welt auf einen neuen Bond einstellen. Aus Sean Connery, willkommen George Lazenby.

In „On her Majesty’sSecret Service“ kokettiert Lazenby den vorherigen Bond. Gleich im Intro zum Film trifft er auf eine unbekannte Schönheit, die aber vor ihm flieht. Eine Tatsache, die dieser neue Bond damit kommentiert, dass das dem anderen Typen nie passiert wäre. Schon in dieser ersten Szene zeigt sich, dass der Lazenby-Bond ein ganz anderer ist. Doch bevor wir darauf zu sprechen kommen – worum geht’s eigentlich in „OHMSS“ (oder zu deutsch: „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“)? Bond ist nach dem Zusammentreffen mit Blofeld in „Man lebt nur zweimal“ immer noch auf der Suche nach dem Schurken. Um ihn endgültig zu schnappen, muss Bond auf die Hilfe einer anderen, nicht ganz legalen Organisation setzen. Deren Oberhaupt Draco (Gabriele Ferzetti) gibt Bond einen entscheidenen Hinweis – Blofeld (Telly „Kojak“ Savallas) befindet sich in der Schweiz, wo er merkwürdige Experimente durchführt.

„Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ war für mich ein schwieriger Bond. Und das lag nicht einmal unbedingt an der Tatsache, dass Sean Connery nicht mehr zu sehen war. Im Gegenteil. Eigentlich macht Lazenby seinen Job sogar ziemlich gut… er ist anders als Connery. Sein Bond ist anders. Er ist wohl auch der experimentierfreudigste Agent – zumindest was die Kleidung angeht. Der schlichte Anzug ist passé, dieser Bond trägt Rüschenhemden, Schottenrock und mehr. Doch natürlich wollen wir Lazenby nicht nur auf seine Kleidung reduzieren. Dieser neue Bond wirkt menschlicher. UND: Er kann sich sogar verlieben – in Dracos Tochter Tracy (Diana Rigg). Auch wenn Bonds Liebesleben in diesem Film sehr durchwachsen ist, erscheint er erstmals auch als Mann der Gefühle, nicht der Triebe.

Es ist nun schwer, Lazenby wirklich zu beurteilen, schließlich hatte er nur einen Film lang Zeit, diesem Agenten seinen Stempel aufzusetzen. Auch wenn Lazenby die Rolle gut ausfüllt, hat der Film an sich mich schwer begeistern können.

Fangen wir vielleicht beim Offensichtlichsten an: Blofelds Plan, die Welt erneut zu terrorisieren, fand ich – ohne jetzt etwas darüber verraten zu wollen – ziemlich weit hergeholt. Nun sind die Schurken-Pläne in Bond-Filmen immer ein bisschen abgedreht, aber in diesem Fall fand ich es dann doch sehr merkwürdig.

Dazu ist „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ mit fast zweieinhalb Stunden auch ziemlich lang – an einigen Stellen vielleicht zu lang. Dazu kommt dann immer wieder die Tatsache, dass Mr. Bond in diesem Film in teils recht alberne Situationen gerät, in denen er ein bisschen zur Witzfigur wird – so etwa, wenn er in Blofelds Labor in der Schweiz auf Adelsexperte macht und die leichtgläubigen Damen beeindruckt. Auch die Liebesgeschichte zwischen Bond und Dracos Tochter Tracy kommt nicht so wirklich glaubhaft rüber. Dafür gibt es dann aber auch nur eine Bilderfolge mit Musik unterlegt – und schwupps, sind die beiden schwer verliebt.

Schlussendlich muss man sich auch fragen, ob man den Darsteller-Tausch des Blofelds nicht besser hätte kaschieren können. Ein Nebensatz über plastische Chirurgie hätte ausgereicht, um deutlich zu machen, warum a) auf einmal ein TellySavallas den Bösen gibt und b) warum Bond ihn partout nicht erkennen will, obwohl er ja schon auf ihn getroffen ist.

Immerhin bleibt auch Regisseur Peter Hunt der Bond-Tradition treu und verpackt das Ganze ansprechend. Nach so vielen Südsee-Abenteuern wird es mal ein bisschen kälter. Die Schweiz präsentiert sich dabei natürlich von ihrer besten Seite und bietet spektakuläre Settings – sei es die Flucht auf Skiern vor Blofelds Scherken und einer Lawine, der großartigen Fahrt durch ein Stock-Car-Rennen oder Bonds Bobfahrt. Ich kenne ja die Schweiz größtenteils nur aus Filmen, aber Peter Hunt macht es einem mit tollen Landschaftsaufnahmen schon sehr schmackhaft.

„Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite ist es schon ein interessanter Film, der zum ersten Mal mit einem ziemlich fiesen Cliffhanger endet, auf der anderen Seite wirkte er auf mich zu „un-Bond“. Es tut mir Leid, ein besseres Wort finde ich nicht.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ein neuer Bond, ein neues Gefühl – Bond wird menschlicher – vielleicht hat mich das irritiert)

12 Kommentare leave one →
  1. 15. Februar 2013 13:09

    Muss. Deutschen. Töten.

    Ich liebe den Film. Für mich einer der besten Bonds. Ohne Frage. Aber dass sich Bond und Blofeld nicht erkennen ist wirklich schräg. Imho eines der grössten Plotholes der Reihe.

    • donpozuelo permalink*
      15. Februar 2013 13:17

      Aber ich hab doch extra die Schweiz gelobt. Eine tolle Location und etwas, dass mir den Film noch halbwegs schmackhaft gemacht hat. Das reicht doch hoffentlich!!! Vielleicht nicht töten!!! Nur treten dann… vielleicht???

      Ich weiß auch nicht, woran es lag. Aber ich hab mich echt schwer getan. Nur wegen seiner „Kostüme“ konnte ich Bond schon nicht mehr so richtig ernst nehmen. Rüschenhemden??? Für Austin Powers ist das okay, aber doch nicht für Bond.

  2. 19. Februar 2013 01:37

    Der Film gehört für mich nebst FRWL und GF zu den Top 3 Bondfilmen.
    Lazenby macht seine Sache sehr gut, mit Diana Rigg hat eines der besten Bondgirls an seiner Seite und Telly Savalas ist schlicht einer der Coolsten Villains der Franchise.

    Dazu die tollen Locations…. ein Hammer Score und eine sowohl spannende als auch menschliche Story, was will man mehr?

    • donpozuelo permalink*
      19. Februar 2013 09:24

      Ich sehe schon, ich stehe mit meiner Meinung hier allein. Lazenby macht sein Ding schon gut, nur fand ich die Story zwischen ihm und Rigg schon sehr an den Haaren herbeigezogen. Dafür war die Location wirklich super und die Action dabei richtig gut.

  3. 15. März 2013 08:18

    Nur 6 von 10 Punkten für den besten Bond-Film aller Zeiten. Das schmerzt.

Trackbacks

  1. TWB VII: Willkommen in Las Vegas « Going To The Movies
  2. TWB XII: Jagd auf die weiße Taube | Going To The Movies
  3. TWB XIII: Bond, der Clown | Going To The Movies
  4. TWB XV: Smiert Spionam | Going To The Movies
  5. TWB XVI: Racheengel | Going To The Movies
  6. TWB XXII: Oilfinger | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: