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Ford Mustang vs. Dodge Charger

13. Februar 2013

Ich gucke mir ja nur zu gerne alte Filmklassiker an. Man will ja schließlich was für seine „Filmbildung“ tun. Und jedes Mal, wenn ich mir dann mal wieder einen Klassiker vornehme, dann entsteht in mir dieser Druck, den Film auch wirklich zu mögen. Ich meine, wenn alle davon sprechen, wie toll und wie einflussreich der Film für die Filmgeschichte ist, dann muss da doch was dran sein. Oder??? Schließlich wird ein Klassiker nicht über Nacht zu einem. Es ist nicht eine Meinung, sondern die Meinung von vielen. Aber letztlich bleiben es doch nur „Meinungen“ – die man zum Glück nicht teilen muss (doch erzähl das mal mir, bevor ich mir solche Filme anschaue).

Naja, lange Rede, kurzer Sinn: Ich dachte da mal einen schönen Tages: „Kümmer dich doch mal um Steve McQueen“. Und damit war jetzt nicht der „Shame“-Regisseur gemeint, sondern Schauspieler Steve McQueen. Der galt in den 60er, 70er Jahren als ganz, ganz große Nummer. Und der Film „Bullitt“ soll dazu noch sein bester sein.

Darin spielt McQueen den Cop Frank Bullitt, der vom aufstrebenden Staatsanwalt Chalmers (Robert Vaughn) den Auftrag bekommt, auf den Kronzeugen Johnny Ross aufzupassen. Der hat nämlich zusammen mit seinem Bruder eine Verbrecherorganisation um ein paar Millionen erleichtert und wird nun von denen verfolgt. Doch Schutz findet er auch bei der Polizei nicht, Ross wird angeschossen, landet im Krankenhaus. Bullitts Ego ist angekratzt und er begibt sich im Alleingang auf die Suche nach den Verbrechern.

Ja, „Bullitt“ – ein Klassiker des Actionfilms. Angeblich. Berühmt für eine der längsten und spektakulärsten Verfolgungsjagd der Filmgeschichte. Steve McQueens bekanntester Film. Muss man gesehen haben. Naja, nicht wirklich…

Die Action hält sich, wenn ich das jetzt erst einmal so sagen darf, arg in Grenzen. Bis auf diese Verfolgungsszene, auf die ich noch zu sprechen kommen werde, hat „Bullitt“ nicht sonderlich viel zu bieten. Der Film zieht sich anfangs extrem in die Länge. Über eine Dreiviertelstunde passiert so gut wie gar nichts. Ross wird angeschossen und Ärzte versuchen, ihm das Leben zu retten. Währenddessen telefoniert Bullitt ein bisschen in der Gegend herum. Ohne Anhaltspunkte keine Verbrecherjagd. Ohne Verbrecherjagd nix los. „Bullitt“ lässt viel Zeit verstreifen und kann uns eigentlich nur Steve McQueen bieten, der mit angestrengter Miene den zähen Cop mimt. Nach der berüchtigten Verfolgungsjagd nimmt der Film auch ein bisschen an Fahrt an, aber es ist noch immer nichts, was einem das Herz schneller schlagen lässt.

Peter Yates’ „Bullitt“ lohnt sich aber trotzdem – halt wegen dieser einen, fast zehnminütigen Szene. Darin verfolgt Bullitt die bösen Buben. Ein 1968er Ford Mustang Fastback gegen einen 1968er Dodge Charger R/T. Sehr geile Schlitten in einer noch cooleren Verfolgung. Yates setzt dabei wirklich alles ein, was man sich nur vorstellen kann: Es gibt die Kamera aus der Fahrersicht, vom Reifen, vom Fenster, von der Straße, von oben… von wo auch immer. Drei Wochen lang wurden die Wagen durch die Straßen gejagt. Zehn Minuten, die wirklich atemberaubend sind. Frank P. Keller, Cutter von „Bullitt“ hat hier eine Sequenz erschaffen, die wirklich Standards setzt… mal abgesehen davon, dass in dieser Szene keiner redet (blöde Sprüche und Flüche gehören mittlerweile ja schon zu jeder guten Verfolgungsjagd dazu).

Somit muss ich schweren Herzens gestehen, dass ich „Bullitt“ nicht als den Klassiker empfunden habe, der er wohl sein soll (oder gar ist). Vielleicht bin ich ein Banause, vielleicht war ich schon zu müde… aber so richtig habe ich nicht erkennen können, was an „Bullitt“ nun so besonders ist – mal abgesehen von der Sache mit dem Ford und dem Dodge natürlich. Die Cop-Story ist nicht wirklich spannend, die Auflösung des Falls wird ziemlich schwammig vorgenommen und an McQueens Darstellung konnte ich jetzt auch nichts außergewöhnliches feststellen – er spielt ja auch nur einen ziemlich einsilbigen Cop.

Also, wer wirklich mitreden will, braucht eigentlich nur 10 Minuten von 113 zu schauen. Die sind dann dafür aber auch wirklich grandios. Der Rest bleibt eher nicht.

Wertung: 5 von 10 Punkten (ein Klassiker, dessen Klasse ganze 10 Minuten dauert)

6 Kommentare leave one →
  1. 14. Februar 2013 23:01

    Frevel ;-))
    Muss man vielleicht mit aufgewachsen sein – ich liebe ihn.

    • donpozuelo permalink*
      15. Februar 2013 09:20

      Wie gesagt, ich habe mir echt Mühe gegeben, ihn zu mögen. Steve McQueen ist schon cool und die Jagd auch, aber alles andere hat mich ziemlich kalt gelassen. Sorry… 😉

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