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Zug-Stalker

11. Februar 2013

Peter Dinklage ist Tyrion. Das dürfte wohl jedem klar sein. Wenn Dinklages Name fällt, dann meistens nur noch in der Verbindung mit der grandiosen George R.R. Martin-Serie „Game of Thrones“. Dinklage beweist da absolut sein Können und ist ein wichtiger Punkt, warum die Serie so gut ist. Ist ja auch logisch, schließlich nimmt der Zwerg Tyrion in den Büchern eine enorm wichtige Rolle ein – ist eine der interessanteren Figuren, die man immer wieder gerne vor Augen hat. Mit Dinklage wurde ein Schauspieler gefunden, der nahezu perfekt ist.

Doch dass Dinklage keine Eintagsfliege ist, darf man dabei nicht vergessen. Schließlich gab es eine Zeit vor „Game of Thrones“.  Da musste sich Dinklage zwar auch mit den „klassischen“ Kleinwüchsigen-Rollen zufrieden geben, doch 2003 gelang es ihm als Finbar McBride zu zeigen, dass sehr viel mehr in ihm steckte als nur ein Zwerg oder ein Elf oder für was man kleinwüchsige Schauspieler sonst gerne castet.

Finbar McBride arbeitet leidenschaftlich gern in dem Modeleisenbahnladen seines Freundes Henry (Paul Benjamin). Als Henry unerwartet stirbt, vermacht er Fin das Grundstück einer alten Bahnstation irgendwo im Nirgendwo der USA. Trotzdem macht sich Fin dahin auf, um dort in Ruhe seiner Leidenschaft für Züge nachzugehen. Direkt vor dem kleinen Stationshäuschen, in dem Fin seine neue Unterkunft findet, betreibt aber ausgerechnet der äußerst gesprächige Joe (Bobby Cannavale) seinen kleinen Imbiss. Ob er nun will oder nicht, Joe wird Fins neuer bester Freund. Genauso wie die depressive Malerin Olivia (Patricia Clarkson), die Fin zweimal fast überfahren hätte.

„Station Agent“ ist ein anrührendes, mal witziges, mal recht trauriges Drama über drei Menschen, die sich gegenseitig brauchen. Ob sie es sich nun eingestehen wollen oder nicht. Peter Dinklage fällt dabei die Rolle des stillen Denkers anheim. Sein Fin möchte sich am liebsten komplett von der Welt abkapseln und sich nur mit sich und seinen Zügen beschäftigen. Zu sehr nagt an ihm, dass sich ständig alle Menschen nach ihm umdrehen, sogar entsetzt Fotos von ihm machen oder Kinder ihn auslachen. Fin ist ein misstrauischer Kerl, der sein Wohl in der Isolation sieht. Und man kann wohl davon ausgehen, dass Dinklage die ein oder andere Situation selbst so erlebt haben dürfte.

Zum Glück bietet uns Regisseur Thomas McCarthy, der mit „Station Agent“ sein Regie-Debüt gibt, den herrlichen Bobby Cannavale. Dessen Joe ist nämlich genau das Gegenteil von Fin. Er wird in die Isolation gezwungen. Sein kranker Vater hindert ihn daran, etwas zu erleben. Als mit Fin ein „Neuer“ in die Stadt kommt, versucht Joe alles, um aus seinem eigenen Trott auszubrechen. Was für Fin meist etwas nervtötend ist(vor allem, wenn die beiden sich zusammen setzen und „lesen“), ist für uns äußerst komisch. „Station Agent“ lebt von dieser ungleichen Paarung, und doch erkennt man, dass Fin ohne Joe irgendwann im Nichts enden würde… in kompletter Isolation. Denn durch Joe lernt er auch Olivia besser kennen… Patricia Clarkson überzeugt als depressive Malerin, die genau wie Fin, erst aus ihrem Schneckenhaus gelockt werden muss.

„Station Agent“ überzeugt durch seine starken Darsteller und viele kleine komische und tragische Momente. Es ist ein rührender Film darüber, dass Sich-Verstecken nichts bringt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (in einem Land vor dem Spiel der Throne ward ein kleiner Mann schon auf dem Weg nach oben)

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7 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    11. Februar 2013 09:08

    Dinklage hat auch bei Brügge sehen und sterben mitgespielt.. Interessanter Filmtip. Ich bin gespannt ob ich mal die Chance habe den zu sehen..

    • donpozuelo permalink*
      11. Februar 2013 10:58

      Bist du dir da ganz sicher??? In Brügge gibt’s es zwar viele Zwergenwitze auf Kosten Kleinwüchsiger, aber ich glaube nicht, dass Dinklage da wirklich mitgespielt hat.

      Aber ist ja auch egal, diesen Film solltest du dir wirklich mal anschauen!!!

  2. Sebastian permalink
    11. Februar 2013 12:14

    Superschöner Film, dessen Bewertung ich mich anschließe.

    Nur: Dinklage hat NICHT in In Bruges mitgespielt. Der kleinwüchsige Jimmy wird dort von Jordan Prentice gespielt.

    • donpozuelo permalink*
      11. Februar 2013 13:16

      Danke!!! UND: Ich wusste es. Hat der luzifel falsch gelegen. 😀

  3. luzifel permalink
    12. Februar 2013 17:18

    *räusper* Na gut.. Da lag ich falsch.. In meiner Erinnerung hat sich vermutlich das Bild von Tyrion Lannister über jeden jemals im TV von mir gesehenen Zwerg gelegt.. Das macht vor allem jede Verfilmung von Schneewittchen zu einer ziemlich kruden Zusammenstellung in der Retrospektive 😉

  4. 13. Februar 2013 08:01

    Ich hab den zu Weihnachten geschenkt gekriegt, den Film meine ich. Ein ganz wunderbarer Film. Erinnert mich ein bisschen an Französisches Erzählkino. Obwohl ja jetzt eigentlich keine Geschichte im klassischen Sinn erzählt wird. Aber, ich teile Deine Einschätzung, dass Joe Fin irgendwie rettet, nicht. Die retten sich alle gegenseitig. (Vergiß bitte auch nicht als Vierte Verlorenene dass kleine Mädchen, in dessen Klasse er einen Vortrag hält, auch wenn das nur eine Nebenrolle ist)
    Ich glaube, die brauchen sich alle gegenseitig, weil jeder ein Aussenseiter ist, sogar Joe, und weil jeder ohne den anderen, naja, eben allein wäre

    • donpozuelo permalink*
      13. Februar 2013 09:31

      Ja, da hast du natürlich nicht ganz unrecht. Die brauchen sich alle gegenseitig und retten sich somit auch alle gegenseitig. Nur ist Joe halt mehr oder weniger der Kleber, der alles zusammenhält. Ohne seine Hartnäckigkeit gäbe es die Freundschaft nicht. Aber letztendlich macht Joe das ja auch für sich selbst.

      Man sieht schon, man kann viel darüber reden, aber es ist wirklich ein großartiger Film.

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