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TWB V: Domo arigato, Bond-San!

8. Februar 2013

So eine Film-Reihe ist schon nicht so einfach. Nach vier erfolgreichen Filmen muss man schon echt kreativ werden. Schließlich braucht der Zuschauer ja immer einen gewissen Anreiz weiter zu schauen. Zum Glück haben die Bond-Filme in den 60er Jahren ja fast durchgehend einen großen bösen Feind namens S.P.E.C.T.R.E. Jene Geheimorganisation, die Bond so oft das Leben zur Hölle machte. Doch die Schurken allein reichten für Teil Fünf der Reihe nicht aus. Man überlegte sich zahlreiche Details, damit sich „Man lebt nur zweimal“ auch wirklich von seinen Vorgängern abgrenzen kann.

Das fängt schon damit an, dass wir zu Beginn von „Man lebt nur zweimal“ im Weltall sind. Ein mysteriöses Flugobjekt ist gerade dabei, ein bemanntes amerikanisches Raumschiff zu entführen. Wenig später geschieht das Gleiche mit einer russischen Rakete. Die Supermächte beschuldigen sich gegenseitig und es droht der Atomkrieg. Doch wie immer weiß der britische Geheimdienst Rat – denn so wie es aussieht, scheint das mysteriöse Flugobjekt aus Japan zu kommen. Natürlich wird James Bond (Sean Connery) auf den Fall angesetzt – um aber in Ruhe dort arbeiten zu können, wird sein Tod vorgetäuscht. Nun kann er mit Hilfe seines japanischen Kontaktmanns Tanaka (Tetsuro Tamba) nach der Rakete suchen, um so einen verherrenden Krieg zu verhindern.

Nach dem, wie ich fand, eher unspektakulärem „Thunderball“ folgt nun mit „Man lebt nur zweimal“ ein Bond-Abenteuer, das heraussticht. Zugegeben, auch wenn Schriftsteller Roald Dahl das Drehbuch verfasst hat, ist die Story nicht sonderlich berauschend – wird aber in ihrer Dramatik (die Bedrohung des gesamten Weltfriedens) sehr viel krasser als noch andere Bond-Filme (in denen das Ende der Welt nie so präsent war wie hier). Der Kalte Krieg wird durch S.P.E.C.T.R.E. extrem heiß! Das Ganze ist gepaart mit ein paar Weltall-Szenen, die – bei aller Liebe – wenig spektakulär aussehen. Aber „Man lebt nur zweimal“ spielt sich ja nicht im All ab.  Sondern in Japan.

Eigentlich könnte man Bonds fünfte Mission auch einen „Japano-Bond“ nennen. Schließlich wird Bond für einen kurzen Augenblick selber zum Japaner gemacht (wenn auch auf sehr unspektakuläre Art und Weise) und er heiratet traditionell japanisch (wenn auch nur für die Mission!!!). Regisseur und Bond-Neuling Lewis Gilbert lebt es richtig aus, Japan als Setting zu haben. Von modern bis traditionell, von Geishas, Sake bis zu Ninjas und Wurfsternen – da wirkt der gute James schon fast wie ein Fremdkörper. Doch gerade das macht „Man lebt nur zweimal“ so interessant – Bond ist seinen gewöhnlichen Gefilden entrissen. Hier muss sich selbst ein James Bond umstellen (aber natürlich nicht, was die Frauen angeht 😉 ).

Mit „Man lebt nur zweimal“ gibt es aber endlich auch die Enthüllung eines großen Rätsels: Wer ist S.P.E.C.T.R.E.s Nummer 1? Was für uns in der vorangegangenen Filmen nur ein Katzen streichelender Arm und eine tiefe Stimme war, bekommt mit Ernst Stavro Blofeld erstmalig ein Gesicht. Ein erschreckend entstelltes Gesicht. Donald Pleasence hat dabei die große Hürde zu überwinden, mit nur sehr wenig Zeit bedacht zu werden. Aber wie schon Orson Welles in „Der Dritte Mann“ gelingt es auch Pleasence, seiner Figur in dieser kurzen Zeit genügend Tiefe zu verleihen. Dieser Mann ist so furchtbar wie er intelligent ist. Weswegen er jetzt seine Pläne auch alleine ausführt 😉

Die damals wohl tragischste Geschichte, die mit „Man lebt nur zweimal“ verbunden ist, ist die Tatsache, dass Sean Connery keine Lust mehr auf Bond hatte. Der Mann, der diesem Über-Agenten sein Gesicht, seine Nonchalance, seinen Esprit gegeben hatte, wollte mehr sein als nur Bond. Kaum vorzustellen – wer will nicht wie James Bond sein? Doch „Man lebt nur zweimal“ sollte den Abschied Connerys bedeuten – der sich, wie man ja mittlerweile weiß, später trotzdem noch für zwei Bonds verpflichten ließ.

„Man lebt nur zweimal“ wäre auf jeden Fall ein würdiger Abgang für Connery gewesen. Auch wenn sich der Film hier und da vielleicht ein bisschen zu lange an Kleinigkeiten aufhält (und hier und da auch gerne ein bisschen zu überdreht war für meinen Geschmack), ist der fünfte Teil der Reihe einer, der auffällt. Der in Erinnerung bleibt – wegen all der vielen tollen großen und kleinen Sachen. Es ist ein spezieller Bond-Film geworden, der auf seine Weise wohl auch unerreicht bleiben wird.

Wertung: 9 von 10 Punkten (wenn Bond noch mit einem Katana ins Gefecht gestürzt wäre, hätte es die volle Punktzahl gegeben 😉 )

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11 Kommentare leave one →
  1. 8. Februar 2013 14:12

    Ich liebe diesen Film. Überhaupt hat Connery die grösste Dichte an Lieblings-Bonds, mit dem, OHMSS (bei dem du dann hoffentlich auch das Schweizer Setting hervorhebst, sonst tätschts! :P) und Dr. No oder FRWL.

    Stimme dir darum auch völlig zu in deiner Kritik – ein schöner Film.

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2013 17:20

      Gewiss werde ich das Schweizer Setting hervorheben. Auf OHMSS bin ich ganz besonders gespannt, denn den Lazenby-Bond kenne ich noch überhaupt nicht!!! 😉

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