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Wütende Vögel

6. Februar 2013

Ich liebe „Angry Birds“. Ein wunderbares Spiel, um sich die Zeit zu vertreiben. Ob nun die „Star Wars“-Variante oder die Jahreszeiten-Vögel, die gleichzeitig noch einen perfekten Adventskalender abliefern… ich kann mich gegen diese Vögel nicht wehren. Aber das kann wohl kaum jemand, wenn man bedenkt, wie stark die Viecher doch im Umlauf sind. Merchandising so weit das Auge reicht. Natürlich sind auch diese fiesen Vögelchen nur ein Hype, der irgendwann abklingen wird, aber es ist doch interessant, wie ein paar Vögel die Welt so in Schach halten können.

Und wer hat die unheimliche Macht von Vögeln schon sehr viel früher erkannt??? Spannungsexperte und Regielegende Alfred Hitchcock. Der hat die „Angry Birds“-Idee nämlich schon verfilmt. Und das lange bevor es die „Angry Birds“ überhaupt gegeben hat. 1963 lässt Hitchcock wütende Vögel auf Menschen los. Die junge Melanie (Tippi Hedren) lernt in einer Zoohandlung in San Francisco den Anwalt Mitch (Rod Taylor) kennen, der ein Paar Vögel für seine kleine Schwester sucht. Sie gibt sich als Verkäuferin aus, doch Mitch – der die junge Millionärstochter aus diversen Klatschspalten kennt – dreht den Spieß um. Melanie fühlt sich daraufhin herausgefordert, verletzt… was auch immer. Auf jeden Fall fährt sie ihm, ohne lang zu überlegen, hinterher und gelangt so in das kleine Dörfchen Bodega Bay. Und kaum ist Melanie in dem beschaulichen Küstendorf angekommen, häufen sich die Vorfälle, in denen Vögel Menschen angreifen.

Vögel, die Menschen angreifen… die Idee klang mir immer etwas sehr absurd, weswegen ich auch lange gezweifelt habe, ob ich mir Hitchcocks Film überhaupt angucken sollte. Aber dann habe ich mir gesagt, es ist ein Hitchcock-Film. Da kann man doch eigentlich nichts falsch machen. Oder???

Ich hatte ja ein bisschen Angst davor, dass die attackierenden Vogelschwärme zu albern aussehen würden. Doch bis auf eine Szene hat Hitchcock das alles wirklich sehr toll gemacht. Toll gemacht deswegen, weil Hitchcock seinem Spitznamen als „Master of Suspense“ hier absolut gerecht wird. Ich glaube, „Die Vögel“ ist der einzige Horrorfilm, den ich kenne, der komplett ohne Musik auskommt. Solch einfache Tricks hat Hitchcock gar nicht nötig. Stattdessen verwendet er noch einfachere und setzt die dann einfach sehr gekonnt um. Zum einen läuft es fast immer so ab, dass man irgendwo aus dem Off einen Flügelschlag oder ein Krähen hört. Dann weiß man schon: Jetzt wird’s gefährlich. Dazu macht sich Hitchcock den Schnitt zu nutze. Gerade in einer Szene, in der Melanie vor einem Spielplatz wartet… erst ist es nur ein Vogel. Schnitt auf rauchende, nichts ahnende Melanie. Dann sind es drei Vögel. Schnitt auf rauchende, immer noch nichts ahnende Melanie. Plötzlich ist der halbe Spielplatz voll mit Vögeln. Schnitt auf Melanie, die durch das lauter werdende Krächzen aufmerksam wird. Jetzt ahnt sie was.

„Die Vögel“ ist zu Recht ein Klassiker des Horrorfilms, weil Hitchcock hier tatsächlich Angst erzeugt. Die Angriffe der Vögel werden im Laufe des Films immer brutaler und brutaler. Doch am Ende ist es nicht die Angst vor den Vögeln, die einen auch als Zuschauer zur Verzweiflung treibt. Es ist vielmehr die Unwissenheit. Wie sonst fast immer üblich im Horrorfilm erfahren wir hier rein gar nichts über den Auslöser dieser Vogelgewalt. Ist es das Ende der Welt, wie der Betrunkene in der Bar behauptet? Rächt sich die Natur am Menschen für die Grausamkeit an anderen Lebewesen, wie es vielleicht die Anfangsszene im Zoogeschäft vermuten lassen könnte? Oder hat es am Ende sogar was mit Melanie zu tun? Schließlich wüten die Vögel immer dann, wenn Melanie irgendwo auftaucht. Was am Ende nun ausschlaggebend ist, verschweigt uns Hitchcock. Immerhin bekommen wir genügend Anhaltspunkte, um mit zu rätseln.

Das Einzige, was mich an „Die Vögel“ dann doch ein bisschen gestört hat, waren die Menschen. Allen voran TippiHedren als Melanie. Ich will jetzt nichts gegen Hedren sagen, denn sie fand ich eigentlich recht charmant. Hedren spielt die Melanie ein bisschen schnippisch und hochnäsig, aber dennoch nicht als Scream Queen, was irgendwie sehr erfrischend ist. Allerdings störte ich mich so ein bisschen an der Grundlage für Melanies Besuch in Bodega Bay. Einfach nur weil ein Typ ihr einen Streich spielt??? Naja, wer weiß, vielleicht machen das verzogene, reiche Mädchen, die nichts zu tun haben so. Ich fand’s einfach ein bisschen plump! Da hätte sich sicherlich ein anderer Grund für ihren Besuch in dem Städtchen finden können.

Aber ansonsten kann ich „Die Vögel“ wirklich jedem nur ans Herz legen, ob nun „Angry Birds“-Fan oder nicht! 😉 Es ist sicherlich nicht Hitchcocks bester Film, aber ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass Horror auf ganz einfache Art und Weise funktionieren kann.

Wertung: 9 von 10 Punkten (die Fortsetzung würde dann wohl den Titel „Planet der Vögel“ tragen)

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16 Kommentare leave one →
  1. 6. Februar 2013 06:48

    Kam dir nicht mal der Gedanke, noch irgendeinen Witz mit „vögeln“ einzubauen? 😉

    • 6. Februar 2013 07:09

      In einer derart a-sexuellen Geschichte, Xander?…

      Anbei fand ich die Vorgeschichte (u.a. dass sie ihm einen Streich spielen will) sehr gelungen am Film, hat mich dieses neckische Spiel beider Hauptcharaktere doch wunderbar davon abgelenkt in einem Tier-Horror zu sitzen. Der Übergang zum Horrorfilm kam dann um so wuchtiger! 🙂 Mein Lieblings-Hitchcock!

      Übrigens hat mich meine Erfahrung gelehrt, dass egal wie unsinnig ein Thema klingt, es von einem guten Regisseur in etwas wunderbares verwandelt werden kann. Halt so wie es auch umgekehrt der Fall ist, wenn wer Untalentiertes etwas verfilmt das sich großartig anhört. Eine unsinnig klingende Geschichte sollte Dich bei Regisseuren die Du magst nicht abhalten reinzuschalten! Ist zumindest meine Meinung zu dem angerissenen Thema.

      • donpozuelo permalink*
        6. Februar 2013 09:27

        Hast ja Recht. Ich glaube, Hitchcock hätte selbst aus Scheiße noch was verdammt Gutes gemacht. 😉

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2013 09:25

      Nein!!! Solche Witze macht man nicht über Hitchcock!!! 😉 Außerdem wäre es in diesem Fall dann auch echt etwas unpassend gewesen. Da hatte ich ja schon leichte Schwierigkeiten mit den „Angry Birds“ 😀

      • 6. Februar 2013 11:20

        Aber irgendwas wie „Melanie ist gut zu Vögeln und besucht deshalb eine Zoohandlung etc.“ wäre doch bestimmt gegangen? Naja, nächstes Mal.

        So, noch was zum Thema: Großartiger Film!

  2. 6. Februar 2013 11:33

    Für mich durchaus einer der besten Hitchcocks und einer der meisterhaftesten Tierhorrorfilme aller Zeiten. Einfach nur großartig!

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2013 11:35

      Was den besten Hitchcock angeht, kann ich da noch keine genauere Aussage zu treffen. Ich arbeite mich gerade langsam durch die wichtigsten Filme. Was das Thema Tierhorrorfilm angeht, bin ich absolut deiner Meinung!

  3. 7. Februar 2013 20:58

    Also bei mir gibt es schon die volle Punktzahl wegen der Autofahrtszene mit den Unzertrennlichen. Der Film hat so eine nette Komik und Hysterie – Hitchcock spielt hier so herrlich mit Klischees.

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2013 09:32

      Das stimmt. Vor allem, wenn die „Dorfbewohner“ allem Möglichen die Schuld geben!!! Fand ich super 😉

  4. 8. Februar 2013 20:49

    Es ist echt anstrengend, die erste Hälfte des Films zu gucken, wenn man eigentlich Tier-Horror erwartet. Aber für die Wirkung ist die Teilung im Film durchaus angemessen.
    Die Effekte der Vögelschwärme sieht aus heutiger Sicht zwar nicht mehr so furchteinflößend aus. Aber die Spielplatz-Szene und die Endeinstellung sind einfach Bilder, die man nicht aus seinem Gedächtnis verlieren wird.

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2013 20:58

      Anstrengend fand ich eigentlich gar nichts… zumal ich keine besonderen Erwartungen in Bezug auf Tierhorror hatte. Aber was die beschriebenen Szenen angeht, die werden mir wirklich im Gedächtnis bleiben.

  5. 19. Februar 2013 01:18

    Ich mag Hitchcocks Werk sehr, doch „The Birds“ ist für mich sein überbewertetster Film.
    Villeicht liegt es daran, dass ich nie sonders viel mit Tierhorror anfangen konnte, auf alle Fälle gefallen mir Streifen wie „Rear Window“, oder „Marnie“ um nur zwei zu nennen, zigmal besser.

    • donpozuelo permalink*
      19. Februar 2013 09:22

      „Rear Window“ habe ich jetzt letztens auch endlich mal gesehen und gebe dir absolut Recht. Trotzdem finde ich „The Birds“ schon ziemlich gelungen… zumal ich mich bei dem Film dann halt doch immer wieder frage, ob Tierhorror so das richtige Wort ist. Ob Horror überhaupt das richtige Wort ist. Aber darüber kann man sich streiten. 😉

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