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TWB IV: Unterwasser-Agent

1. Februar 2013

Wie folgt man einem Klassiker? Das war wohl auch die Frage, die Regisseur Guy Hamilton nicht beantworten konnte. Nach seinem Bond-Debüt mit dem Bond aller Bonds „Goldfinger“ wäre es doch eigentlich nur logisch gewesen, wenn er auch „Goldfingers“ Nachfolger drehen würde. Doch Hamilton war scheinbar kreativ ausgelaugt… und so übernahm Bond-Veteran Terence Young die Verfilmung von „Thunderball“ (dt.: „Feuerball“).

Bond (Sean Connery) bekommt es wieder einmal mit S.P.E.C.T.R.E. zu tun. Deren Augenklappe tragende Nummer 2, Emilio Largo (Adolfo Celi), gelingt es, der Nato zwei Atomsprengköpfe zu stehlen. Dafür verlangt er 100 Millionen Pfund in reinen Diamanten. Doch bevor man zahlen will, werden alle Doppel-Null-Agenten auf Largo und die Suche nach den Bomben angesetzt. Und natürlich hat 007 den richtigen Riecher und findet Largo auf den Bahamas.

„Goldfinger“ hatte die Latte für Bond (ja, ich mache den Witz!!! 😉 ) ziemlich hoch gelegt. Dadurch entsteht natürlich ein enormer Druck. Anfangs scheint es sogar durchaus so, als könne „Thunderball“ mit seinem Vorgänger mithalten. Gleich in der ersten Einstellung schockt uns der Film mit einem Sarg, auf dem die Initialen „J.B.“ stehen. Vielleicht etwas plump, aber ein durchaus wirkungsvoller Effekt. Dann folgt klassische Bond-Action, die von Bonds Flug mit dem Jetpack getoppt wird. Coole Gadgets sind halt endlich angekommen – auch bei Young (der ja gerade mal einen Koffer springen ließ). Doch dann kommt die erste Enttäuschung: Der von Tom Jones gesungene Titelsong hat nicht ansatzweise soviel Feuer wie Shirley Basseys Ode an Goldfinger.

Aber auch die Story von „Thunderball“ ist eher eine unspektakuläre: Während „Goldfinger“ herrlich undurchsichtig war, ist es in „Thunderball“ ziemlich eindeutig – und zwar von Anfang an – was denn so passieren wird. Der Film stürzt sich nur zu gerne wieder auf die Kalte-Krieg-Thematik und nutzt die damit verbundene Angst vor der Atombombe. Somit beweist der Film auch einmal mehr, dass es sich bei S.P.E.C.T.R.E. um wirklich böse Burschen handelt. Allerdings hat sich Young bei der Besetzung von Schurke Largo ein bisschen vertan.

Wenn man noch in Erinnerungen an einen großartigen Gert Fröbe oder den tollen Joseph Wiseman als Dr. No zurückdenkt, dann wirkt Adolfo Celis Largo ein bisschen flach. Er hat nichts bedrohliches an sich, weil er von Anfang an so komplett durchschaubar ist. Wir wissen ganz genau, was er will und das macht ihn ein bisschen langweilig. Plus: Die Augenklappe macht ihn jetzt auch nicht sonderlich gefährlicher…

So viel muss der gute James bei Largo also nicht nachforschen. Und so kann Sean Connery sein übliches Ding abziehen: locker-lässig Frauen abschleppen. Von denen gibt es hier natürlich auch wieder eine ganze Menge – mal gut, mal böse, aber am Ende widerlegen sie alle brav die Sexismus-Debatte und machen Bond zum König der Chauvinisten. Keins der „Girls“ bleibt in diesem Film wirklich im Gedächtnis – aber es wird ja auch niemand mit Gold überzogen.

Dafür wird Bond zur echten Wasserratte: „Thunderball“ spielt auf den Bahamas und im Wasser. Hier inszeniert Young dann tolle Tauchfahrten. Bond kämpft und liebt sogar (!) unter Wasser, um am Ende sogar mit mehreren Agenten eine kleine Unterwasser-Schlacht zu führen. Das ist alles toll gemacht – gar keine Frage. Aber gerade die letzte Unterwasser-Szene zieht sich ewig in die Länge. Wahrscheinlich hatte Young eh schon alle Taucher bezahlt und dachte sich: „Solange die da sind, sollen die ruhig ordentlich was tun.“ So gibt es Harpunen-Kämpfe, erschrockene Fische, jede Menge Blubberblasen und Wasserleichen – was ziemlich cool, aber halt auf Dauer auch ziemlich ermüdend ist.

„Thunderball“ ist ein Bond-Film, den man zur Not auch mal auslassen könnte. Er ist nicht schlecht, begeistert aber auch nicht. Vor allem der lasche Gegner nimmt der ganzen Geschichte den Wind aus den Segeln. Eigentlich ist Bond in diesem Abenteuer das erste Mal ein klein wenig unterfordert. Immer noch ein guter und treuer Agent, aber ohne sonderlich viel Arbeit.

Wertung: 6 von 10 Punkten (diesem Thunderball fehlt der Donner)

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7 Kommentare leave one →
  1. 2. Februar 2013 18:20

    Von den Bondfilmen der Sixties wohl der Schwächste.
    Ein blasser Villain und viel zu viele Längen.
    Cutter Peter Hunt hatte nach eigenen Aussagen mehrere Stunden Filmbänder, nur mit den Unterwasser-Sequenzen, zu bearbeiten…

    • donpozuelo permalink*
      3. Februar 2013 17:22

      Largo war wirklich ein sehr blasser Schurke… Und der Cutter kann einem da echt Leid tun. Zumal Young sicherlich sehr an den Aufnahmen hing.

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