Skip to content

Gekreische im Wald

28. Januar 2013

Virales Marketing ist mittlerweile das Zauberwort für jede gute PR-Aktion. Da wird ein Clip, ein winzig kleiner Teaser oder auch nur ein Bild online gestellt, vielleicht wird noch eine kryptische Botschaft hinzugefügt und dann lässt man dem Ganzen seinen Lauf. Gut gemacht verbreitet sich das Ganze dann binnen weniger Minuten, Sekunden, Stunden, was auch immer, im Netz und jeder spricht darüber. Wie gesagt, inzwischen ist das Gang und Gebe, eigentlich schon fast wieder ein alter Hut, der sicherlich bald durch etwas Neues, vielleicht noch verrückteres ausgetauscht wird.

Ich mag jetzt vielleicht falsch liegen, was den Ursprung des viralen Marketings angeht, aber ein frühes (das erste?) Beispiel dafür, dass das verdammt gut funktionieren kann, ist wohl tatsächlich „The Blair Witch Project“. Eine Seite im Internet, auf der eine unglaubliche Geschichte erzählt wird… eine Geschichte von drei Filmstudenten, die in den Wäldern von Burkittsville, Maryland eine Dokumentation drehen wollten. Eine Dokumentation über die Hexe von Blair… eine alte Legende, die schon seit Jahrhunderten in der Region erzählt wird. Doch das kleine Filmteam verschwindet. Heather Donahue, Joshua Leonard und Michael C. Williams kommen nicht aus den Wäldern zurück. Dafür findet irgendjemand die Aufzeichnungen… die 1999 veröffentlicht werden.

Wie gesagt, das Spannendste an „The Blair Witch Project“ war wohl die Tatsache, dass viele es wirklich für echt hielten. Im Internet gab es „handfeste“ Beweise für die Legende der Hexe von Blair, Aufrufe verzweifelter Eltern, die doch nur ihre Kinder wiederhaben wollten – alles wirkte schön authentisch und lockte so die Massen ins Kino… wo die Low-Budget-Produktion (knapp 60.000 Dollar) mal eben zum Riesenhit wurde (der Film soll so um die 300 Mio. Dollar eingespielt haben). Wenn virales Marketing funktioniert, dann wohl für die Macher von „The Blair Witch Project“.

Dabei ist der Film nicht nur wegen der PR-Aktion bemerkenswert, sondern weil er den „Found Footage“-Stil so richtig kinotauglich machte. Da wackelt die Kamera, da knackt der Ton, da ist nicht jedes Bild sofort scharf. Die Regisseure Daniel Myrick und Eduardo Sánchez verzichten auf Kamera-Männer und lassen ihre Darsteller selber drehen. Was gibt’s schließlich besseres als mit schönen Kopfschmerzen aus dem Kino zu kommen? „The Blair Witch Project“ wirkt dadurch natürlich sehr authentisch… und untermauert so die im Netz verstreuten Gerüchte, alles sei echt.

Allerdings kann der Film bei mir nicht so richtig zünden. Was zum einen daran liegt, dass ich „Found Footage“ nun wirklich nicht mag; zum anderen fehlt jetzt einfach der Hype. Dieser Film funktioniert nur richtig gut, wenn man glaubt… daran glaubt, es könnte vielleicht doch echt sein. Aber dafür bräuchte ich endlich mal diese Zeitmaschine und den „MIB“-Gedächtnislöscher, um zurück ins Jahr 1999 zu reisen und mich dem ganzen „Blair Witch“-Spektakel hinzugeben. Dann würde der Film sicher wunderbar funktionieren (und ich würde das Ganze sicherlich weitaus besser bewerten)

Wenn ich mir den Film jetzt so anschaue, kann ich kaum glauben, dass „The Blair Witch Project“ so dermaßen gefeiert wurde. Jetzt, mit ungläubigen Augen betrachtet, ist es einfach nur noch ein furchtbar langweiliger Film, mit drei Menschen, die zu blöd für diese Welt sind. Sie kreischen, sie schreien sich an. Anstatt im Kreis zu laufen, warum versucht ihr nicht einmal, dem Flusslauf zu folgen, den ihr schon drei Mal überquert habt? Kann doch nicht soooo schwer sein!!! Die Schauspieler machen ihre Sache zwar gut, doch nervte mich vor allem die gute Heather irgendwann schon sehr.

Auch wenn „The Blair Witch Project“ durchaus seine atmosphärischen Momente hat, bewirkt der Film bei mir wirklich nichts mehr außer Kopfschmerzen. Wie schon bei „Paranormal Activity“ muss ich sagen, dass mich nur die letzten 15 Minuten wirklich gefesselt haben… wenn dann endlich mal mehr passiert als nur Stimmen im Wald!

„The Blair Witch Project“ ist schon ein interessantes Projekt – sowohl marketing- als auch filmtechnisch. Den damaligen Hype kann ich nachvollziehen, nur leider ist es mit diesem Film so, dass er wohl tatsächlich nur mit diesem Hype funktioniert hat. Mittlerweile ist aus diesem „Meilenstein“ ein recht lahmer Film geworden, der sich wohl halt nur zugute schreiben lassen kann, dass „Found Footage“-Thema neu aufpoliert in die Kinos gebracht zu haben. Ansonsten scheitert der Film an den gleichen Stellen wie so fast jeder andere „Found Footage“-Horrorfilm.

Wertung: 5 von 10 Punkten (die Goldene Mitte, um wenigstens anzuerkennen, was der Film geschaffen hat)

Advertisements
17 Kommentare leave one →
  1. 28. Januar 2013 09:49

    Ich fand den damals schon ziemlich beeindruckend. Hat mehr für die Entwicklung des Kinos getan, als so mancher Blockbuster. Kann durchaus was.

    • donpozuelo permalink*
      28. Januar 2013 10:43

      Damals ist das Zauberwort, meiner Meinung nach!!! Als der in die Kinos kam, hat der schon einiges bewirkt – Found Footage, virales Marketing… Aber wenn man sich den jetzt so anschaut, finde ich ihn nicht mehr sooo beeindruckend. Die Illusionen sind weg.

  2. 28. Januar 2013 12:57

    Den habe ich ja immer noch nicht gesehen und dementsprechend wird mir eben auch diese Situation fehlen, die das Marketing zum Kinostart erzeugen konnte.
    Aber da ich doch den ersten „Paranormal Activity“ überraschend spannend und gruselig fand, könnte auch „Blair Witch Project“ ein Film für mich sein.

    • donpozuelo permalink*
      28. Januar 2013 14:26

      Wenn dir „PA“ tatsächlich gefallen hat, dann bist du bei „BWP“ genau richtig. Auch wenn die Stimmung von damals fehlt, sollte man den wenigstens einmal gesehen haben… um mitreden zu können 😀

  3. 29. Januar 2013 06:46

    Das ist ein großartiger Film, damals wie heute. PA ist im Vergleich nur…ganz nett.

    • donpozuelo permalink*
      29. Januar 2013 09:05

      Naja, ich fand den jetzt auch nur gerade mal „nett“. Aber ich komme mit diesem ganzen Found Footage-Kram eh nicht richtig zurecht.

Trackbacks

  1. Pilze essen « Going To The Movies
  2. Horror-Live Cam « Going To The Movies
  3. Beton und Steinkohle « Going To The Movies
  4. There’s magic out there! « Going To The Movies
  5. To protect and serve | Going To The Movies
  6. Superman Gone Very Bad | Going To The Movies
  7. Einmal im Kreis, bitte! | Going To The Movies
  8. Räuber und Gendarm | Going To The Movies
  9. Aokigahara | Going To The Movies
  10. Beton und Steinkohle | Going To The Movies
  11. Im Wald nix Neues! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: