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Fliegender Trunkenbold

23. Januar 2013

Oh, Mann, was habe ich als kleiner Filmegucker Katastrophenfilme geliebt. Alles, wo ein Flugzeug abstürzte, ein Tunnel einbrach – ob nun fiktiv oder basierend auf einer wahren Begebenheit, ich habe es geguckt. Was möglicherweise daran gelegen haben mag, dass das so die ersten richtigen „Erwachsenenfilme“ waren, die ich sehen durfte… oder weil ich durch die „Godzilla“-Filme einfach daran gewöhnt war, das in jedem Film ordentlich was zu Bruch gehen muss. Nun ja, diese Phase des Katastrophenfilms ist bei mir schon lange vorbei… und auch in Hollywood kümmert man sich da nur noch selten drum (es sei denn, Roland Emmerich darf mal wieder den Weltuntergang heraufbeschwören). Doch nun taucht da so ein Film namens „Flight“ auf, der ebenfalls mit einer großen Katastrophe wirbt…

Pilot Whip Whitaker (Denzel Washington) nimmt es mit den Vorschriften seines Berufes nicht so ernst. Weswegen er dann auch mal betrunken und zugekokst ins Cockpit steigt. Nach nur kurzer Zeit versagt aber die Technik, das Flugzeug rast im Sturzflug auf die Erde zu. Nur durch ein riskantes Manöver gelingt es Whip, das Flugzeug notzulanden. Gerade mal sechs der 102 Passagiere sterben. Whip wird als Held gefeiert… doch die Feiern dauern nicht lange an. Bei seinem Aufenthalt im Krankenhaus werden ihm die Drogen und der Alkohol im Blut nachgewiesen. Da es Todesopfer beim Absturz gab, muss Whip mit Gefängnis rechnen. Möglicherweise sogar lebenslänglich…

Robert Zemeckis… noch einmal! Robert Zemeckis!!! Dieser Mann hat sich auf ewig einen Platz in meinem Herzen (und auf meinem DVD-Regal) gesichert. Dieser Mann schenkte uns eine der besten Filmreihen aller Zeiten: „Back to the Future“. Und die Zukunft wollte auch Zemeckis erleben, weswegen er sich in den letzten Jahren sehr viel um das Motion-Capturing kümmert und hauptsächlich „Animationsfilm“ (mal mehr und mal weniger erfolgreich) in die Kinos brachte. Nun folgt also nach gut drei Jahren die Rückkehr zum „Realfilm“. Und man könnte fast meinen, der gute Mr. Zemeckis wäre ein bisschen eingerostet.

Dabei fängt alles sehr, sehr vielversprechend an (und ich meine damit nicht, die Nacktszene mit Nadine Velazquez). „Flight“ liefert gleich in den ersten zwanzig Minuten eine unglaublich packende Absturzszene. Als Zuschauer krallt man sich da regelrecht in seine Armlehnen und möchte den Anweisungen des Personals folgen. Zemeckis liefert hier großartiges ab, wenn man das bei so einer Katastrophen-Szene so sagen darf. Es ist wirklich so, als wäre man direkt mit im Flugzeug.

Doch nach überstandenen Absturz folgt ein weiterer Absturz… aus dem Katastrophenfilm wird ein Säufer-Drama über einen in die Ecke getriebenen Mann. Denzel Washington kann man da wirklich nichts vorwerfen. Er spielt den von seinen eigenen Dämonen geplagten Whip Whitaker mit sehr viel Hingabe und furchtbar realistisch. Nur leider zwingt ihn das Drehbuch dafür in die gewohnten und für Hollywood typischen Klischees. Whip Whitaker wird – trotz allen Realismus, den Washington in die Rolle packt – zu einem vorhersehbaren Menschen, dessen Handlungen man hier und da schon stark anzweifeln könnte.

Immerhin gelingt Zemeckis so ein Film, über den man gut diskutieren kann… Stellt sich doch die Frage, wie viele Fehler verzeiht man einem „Helden“? Oder ist jeder Regelbrecher gleich ein schlechter Mensch, egal wie vielen anderen Menschen er geholfen hat. Somit wird „Flight“ nach „Gone Baby Gone“ immer der bislang zweite gute Film, den man im Ethik-Unterricht auseinander nehmen könnte.

Doch um bis zu diesem Ende zu kommen, muss man sich erst einmal durch diesen ewig lang erscheinenden Film quälen. Zemeckis legt den Schwerpunkt auf dieses Trinker-Drama, dass noch mit einer kleinen Liebesgeschichte aufgewertet werden soll. Doch den selbstzweifelnden Denzel Washington konnte ich nach kurzer Zeit nicht mehr ertragen. Da wäre mir ein schnellerer Übergang zum Prozess irgendwie lieber gewesen, weil man so einfach auch diese Ethik-Schiene etwas interessanter hätte gestalten können. So wird der Prozess am Ende schnell abgefertigt. Film aus!!!

Das einzige, was dann am Schluss noch zu erwähnen bleibt, sind die wirklich grandiosen Kurzauftritte von John Goodman. Der Rest gerät schnell in Vergessenheit.

Tja, Mr. Zemeckis, willkommen zurück beim Realfilm… aber so etwas haben wir schon sehr viel besser und mit sehr viel mehr Herz gesehen. Immerhin: eine tolle Absturzszene, ein noch tollerer John Goodman und viel Gesprächsstoff für Nach-dem-Abspann qualifizieren „Flight“ vielleicht irgendwann mal für einen DVD-Abend.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ein Drama zäh wie eine Ledersohle, das irgendwie hätte besser sein sollen)

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17 Kommentare leave one →
  1. 23. Januar 2013 08:25

    Schade, hatte wirklich mehr erhofft. Mehr Prozess und Fragen nach seiner Schuld, ob er schuldig ist, obwohl er der Held ist – das scheint ja nun nicht so der Fall zu sein.

    • donpozuelo permalink*
      23. Januar 2013 09:17

      Mehr Prozess hätte ich auch sehr viel spannender gefunden. Aber stattdessen bekommen wir dieses recht einseitige Trinkerdrama mit unnützer Liebesstory… Zumal bei mehr Prozess hätte man auch mehr John Goodman mit reinbringen können 😉

  2. 23. Januar 2013 14:13

    Das ist eine von mehreren eher mäßigen Kritiken, die ich zu „Flight“ lese bzw. höre. Und im Grunde lauten alle gleich: Tolle erste halbe Stunde und ein guter Denzel Washington. Aber ob das für einen Film reicht… anscheinend schon, aber für keinen richtig guten.
    Mal schauen, ob ich die Zeit für den Kinofilm finde.

    • donpozuelo permalink*
      23. Januar 2013 15:05

      Ich würde mir die Zeit für die DVD nehmen. Fürs Kinogeld ist der dann doch irgendwie nichts. Wie gesagt, der Katastrophenfilm-Teil ist atemberaubend, Denzel wirklich toll, aber der Film verläuft sich halt im Nichts. Hätte man viel mehr draus machen können. Schade eigentlich!!!

  3. 23. Januar 2013 20:31

    Dass ich mal einen Film besser bewerten würde als du, wow 😀
    Mich hat der Film die ganze Zeit über gepackt, jedenfalls interessiert zurückgelassen.

    Denzel als vorhersehbarer Mensch? Nunja, Alkis sind vorhersehbar, so ist das halt.
    Und so ganz als Liebesstory würde ich das nicht ganz bezeichnen, es wird ja nichts groß aufgespielt, dass sie die große Liebe gefunden hätten. Ich empfand das eher als Begegnung von zwei Menschen, die sich brauchten bzw nicht brauchten, um durch ihre eigenen Probleme nicht alleine durchkommen zu müssen.

    Aber nun gut, so viel Geld muss für den Film aber wirklich nicht ausgegeben werden ^^

    • donpozuelo permalink*
      24. Januar 2013 09:20

      😀 Ja, sowas muss auch mal sein. Hält die Diskussion frisch.

      Gut, die Beziehung zwischen Whip und Nicole als Liebesbeziehung zu bezeichnen, ist vielleicht wirklich ein bisschen zu viel. Aber selbst als Begegnung zwischen Menschen, die sich brauchen, hat das für mich nicht so richtig funktioniert. Ich wiederhole mich nur gerne, ein bisschen mehr Prozess hätte ich wohl spannender gefunden.

  4. 23. Januar 2013 22:58

    Oops, schon die zweite Vertrauensperson-Review mit diesem Unterton. Also nicht so dolle.

    • donpozuelo permalink*
      24. Januar 2013 09:23

      Ahhh, ich fühle mich immer sehr geehrt, wenn ich als Vertrauensperson benannt werde 😉

      „Flight“ ist nett, aber eben nicht dolle. Aber das ist halt auch nur eine Meinung. Ich sag’s mal so: Meine Begleitung hat geheult und fand den Film total toll. Ich fand ihn nach einer Weile einfach nur langweilig und vorhersehbar. Ein bisschen mehr Elan und vor allem sehr viel mehr John Goodman hätten „Flight“ sicherlich gut getan.

  5. 27. Januar 2013 19:25

    Aus der Story hätte ganz klar mehr gemacht werden können.
    Doch Denzel Washington spielt sehr überzeugend und macht sehr vieles wieder wett.
    Und ja, die Absturzszene war schon toll inszeniert.

    • donpozuelo permalink*
      27. Januar 2013 21:51

      Denzel spielt wirklich sehr überzeugend, aber den Film rettet das trotzdem nicht. Finde ich!!!

  6. 28. Januar 2013 20:07

    Deine Kritik deckt sich auch für mich ziemlich mit den Reviews, die sich andernorts schon zu „Flight“ gelesen habe. Ich werde also nicht dafür ins Kino laufen. Dabei sah der Trailer so vielversprechend aus! Aber ich leiste deinen Anweisungen folge und warte auf die Dvd.

    • donpozuelo permalink*
      29. Januar 2013 09:04

      😀 Ich glaube, so ist es am besten. Den „bösen“ Trailer darf man ja mittlerweile echt nicht mehr glauben.

  7. 1. Februar 2013 09:29

    Ist doch scheiße. Jetzt schaffe ich’s endlich mal wieder ins Kino, dann ist es Samstag genau der Film. jay… nicht. Aber gut, ausgemacht ist ausgemacht. Ärgert mich jetzt schon.

    Ich hoffe einfach einmal, dass wir hier anderer Meinung sind, bin mir aber ziemlich sicher, dass es nicht so sein wird… -.-

    • donpozuelo permalink*
      1. Februar 2013 11:02

      Ruhig Blut… Vielleicht gefällt er dir ja. Und immerhin bist du jetzt vorgewarnt, das hilft möglicherweise. 😉

      • 6. Februar 2013 19:02

        Glück im Unglück oder so? Hast ja gesehen, dass ich ihn nicht einmal so schlecht fand. Liegt halt sehr daran, was man vom Film erwartet (hat). Dennoch klasse Kritik von dir, kann dir eigentlich in jedem Punkt nur zustimmen. Ist diesmal lediglich mein persönlich Denzel-Like-Faktor. 😉

        • donpozuelo permalink*
          6. Februar 2013 20:45

          Ja, Denzel-Like-Faktor. Der lässt einfach jeden Film gut werden. Der war ja auch in diesem Film gut, aber alle anderen Faktoren waren einfach nicht gut genug. 😉

Trackbacks

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