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Biester in der Badwanne

21. Januar 2013

Die Oscars stehen ja bekanntlich kurz vor der Tür, die Nominierungen sind raus. Und wie so oft begeistert die Academy einmal mehr durch das Ignorieren einiger Filme, während offensichtliche Titel wieder ganz groß hervorstechen. Überraschungen darf man also bei der Verkündung nicht erwarten… oder etwa doch? Ein bisschen erstaunt hat es mich dann zumindest schon, dass das kleine, feine Erstlingswerk eines komplett unbekannten Regisseurs dann doch in den wichtigen Kategorien wie „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Beste Hauptdarstellerin“ einen Ehrenplatz gefunden hat (und ich möchte ja jetzt nicht zu sehr auf „Slumdog Millionaire“ zeigen, aber hin und wieder können die Underdogs bei den Oscars auch richtig absahnen). Da ich Ben Zeitlins „Beasts of the Southern Wild“ eh schauen wollte, war der Anlass ja jetzt noch angemessener.

Die wohl größte Schwierigkeit bei „Beasts of the Southern Wild“ ist eine passende Zusammenfassung des Inhalts: Die kleine Hushpuppy (Quvenzhané Wallis) lebt mit ihrem Vater Wink (Dwight Henry) in einem durch einen Damm vom Rest Louisianas abgeschnittenen Dorf namens „The Bathtub“. Es ist ein Dorf voller Aussteiger, die ihren Kindern merkwürdige Geschichten über die Menschen hinter dem Damm erzählen. Aber es ist Hushpuppys Heimat. Nur lernt die Kleine schnell, dass nichts für ewig hält. Nicht nur wird ihr Dorf durch das Schmelzen der Polkappen überflutet, auch ihr Vater wird krank und prähistorische Monster machen sich auf den Weg nach „Bathtub“.

Die Inhaltsangabe tut mir Leid, ist sie doch recht wirr und gibt nicht einmal in Ansätzen wieder, worum es in dem Film tatsächlich geht. Aber „Beasts of the Southern Wild“ geht es nicht darum, eine Abenteuer-Geschichte aus der Sicht eines kleinen Mädchens zu erzählen. Dahinter steckt viel mehr der Gedanke daran, sich mit dem Leben und Sterben auseinander zu setzen. Es ist ein Film darüber, wie man mit Verlusten umgeht. Hushpuppys Welt wird gleich durch mehrere Ereignisse komplett auf den Kopf gestellt. Sie verliert ihr Haus und sie verliert möglicherweise ihre einzige Bezugsperson – ihren Vater.

Es ist schwer, „Beasts of the Southern Wild“ in irgendeine Schublade zu stecken. Hier liegt meine Kritik an dem Film – ich konnte ihn nie so richtig fassen. Die Geschichte geht immer weiter, lebt von Hushpuppys Monologen, ihren Gedanken über das Universum und ihren kleinen Platz darin. Das sind alles nette Ansätze, die mich aber letzten Endes nicht so wirklich fesseln konnte. Oder vielleicht war es nur meine Engstirnigkeit, die etwas mehr Struktur haben wollte…. wer weiß???

Nichtsdestotrotz ist Zeitlins Debüt ein interessanter Film. Was vor allem an seiner bezaubernden Hushpuppy liegt. Die kleine Quvenzhané Wallis ist toll. Bei Zeiten erinnerte sie mich, wie so viele Sachen in „Beasts of the Southern Wild“, an eine Figur aus einem Hayao Miyazaki-Film. Vielleicht würde „Ponyo“ am besten zu ihr passen – ein kleines Mädchen, dass sich großen Dingen stellt. Aber Wallis traut man zu, dass sie – mit ihren kleinen weißen Gummistiefeln – tapfer durch den Sumpf und auch tapfer gegen jede Widrigkeit des Lebens angeht. Wallis hat eine unglaubliche Ausstrahlung. Auch wenn sie äußerlich klein und niedlich wirkt, hat sie so ein unbeschreibliches Funkeln in den Augen…

Vielleicht greife ich an dieser Stelle noch mal diesen Miyazaki-Vergleich auf… ähnlich wie Japans großartiger Märchenonkel erzählt auch Zeitlins Film davon, dass die Natur sich irgendwann gegen die Menschen wehrt. Und wenn das passiert, dann kann der Mensch das nur hinnehmen und muss danach damit fertig werden. Was bei Miyazaki eigentlich ausnahmslos gut funktioniert, scheint Zeitlin als Real-Film machen zu wollen. Und abermals muss ich sagen, dass mich die Geschichte selbst nie so richtig fesseln konnte. Ich will jetzt nicht spoilern, aber gerade zum Ende des Films gab es für mich persönlich einfach zu viele Komponenten, die nicht so richtig gut in die Geschichte integriert worden.

Aber damit wären wir dann auch wieder bei dem Thema, dass „Beasts of the Southern Wild“ ein schwer greifbarer Film ist. Vielleicht muss ich mir den Film einfach noch einmal anschauen, um wirklich dahinter zu steigen, was Zeitlin alles zum Ausdruck bringen will. Doch egal, wie schwer ich mit dem Film auch tue, es ist ein warmherziger Film mit tollen Darstellern…

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Funke sprang bei mir nicht über, aber allein wegen Quvenzhané Wallis lohnt sich der Film schon)

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12 Kommentare leave one →
  1. 21. Januar 2013 08:55

    Bei der Überschrift hatte ich jetzt mit einem „Slither“-Review gerechnet 🙂

    Ich fand nicht, dass der Film schwer greifbar ist, eher das Gegenteil. Daher wird er ja auch so gehasst von der deutschen Blogger-Szene. Aber wie du schon angedeutet hast im Text, ist eben nichts für jeden, 7 von 10 sind da noch sehr kulant.

    • donpozuelo permalink*
      21. Januar 2013 09:31

      Nein, die „Slither“-Review gab’s doch schon – nur unter dem Titel „Angriff der Nacktschnecken“ 😉

      Und was „Beasts“ angeht, vielleicht ist schwer greifbar nicht das richtige Wort. Aber irgendwie hat mir einfach das gewisse Etwas gefehlt. Etwas, dass mich ein bisschen mehr an die Geschichte und vor allem an die Figuren bindet. Aber freut mich ja, dass dir meine Punktevergabe nicht ganz so sehr auf den Magen schlägt 😉

      • 21. Januar 2013 18:42

        Wobei hier ja sonst eigentlich alles von der Hollywood-Stange mit 9 von 10 Punkten durchgewunken wird 😛 😉

        • donpozuelo permalink*
          22. Januar 2013 07:19

          Was so auch nicht richtig ist, aber gut… 😛

  2. 22. Januar 2013 14:47

    Danke für den Miyazaki-Vergleich! Bisher dachte ich, nur mir wäre das aufgefallen, dabei ist es imho sehr offensichtlich. 🙂

    Der Film ist klasse, trotzdem hoffe ich, dass Wallis den Oscar NICHT gewinnt. So gut sie auch ist, ich finde eine derart junge Schauspielerin braucht noch keine solchen Preise. Das bremst sie vermutlich nur.

    • donpozuelo permalink*
      22. Januar 2013 15:03

      Freut mich, wenn ich helfen konnte!!! 😉 Ja, spätestens mit den Auerochsen/Schweinen musste ich eigentlich sogar eher an „Prinzessin Mononoke“ denken. Doch die Kleine und das Wasser waren dann doch sehr auf „Ponyo“ gerichtet. Aber auch, wenn man Miyazaki darin erkennen kann, fehlt mir ein bisschen der Zauber. Bei Miyazaki ist der fast immer da. Hier fehlte das ein bisschen.

      Tja, das mit dem Oscar für Wallis werden wir sehen. So ganz vorstellen kann ich mir das auch nicht, aber wer weiß…

  3. 23. Januar 2013 14:05

    Das, was ich dem Film wirklich zu gute halten muss, ist die Tatsache, dass ich bei jedem Text, den ich über „Beasts…“ lese, wieder an Szenen aus dem Film denken muss. Sie regen mich dann wieder zum Überdenken ihrer Aussage an und je nach Urteil ändert sich die Meinung über den Film als Gesamtwerk. Das habe ich noch nie in solcher Intensität empfunden.
    Aber meine Kritikpunkte sind ganz eindeutig die Wackelkamera, die aus Budgetgründen wohl eher eingesetzt wurde, denn aus künstlerischen, sowie einige Szenen gen Ende, wenn Hushpuppy zum Beispiel noch mal ausreißt, um ihre Mutter zu suchen. Das schien mir nicht ins Gesamtkonzept zu passen.
    Mit der Wertung jedenfalls bin ich sehr einverstanden – damit du nicht immer auf die Finger geschlagen bekommst wegen einem Punkt mehr oder weniger 😉

    • donpozuelo permalink*
      23. Januar 2013 15:02

      Danke!!! Meine Finger tun deswegen auch schon ganz schön weh 😀

      Die Wackelkamera war wirklich etwas überflüssig. Genau wie das Ende, das du erwähnst… das hätte man sich wirklich sparen können. Es hat der Geschichte nicht weitergeholfen. Es ist trotzdem ein schöner Film, der mit sehr viel Liebe gedreht wurde.

  4. 23. Januar 2013 20:36

    Ich hatte fast die ganze Zeit Probleme mit diesen Fantasiewesen, die wurden nicht wirklich gut integriert. Auch so hatte ich meine Schwierigkeiten, was auch zu einer verhaltenen Wertung geführt hat 😀

    • donpozuelo permalink*
      24. Januar 2013 09:21

      Naja, ich habe irgendwann auf den Myazaki-Modus umgeschaltet, dann konnte ich mit den Auerochsen noch irgendwie klar kommen. Aber so richtig gut integriert waren die wirklich nicht.

Trackbacks

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  2. SchönerDenken » “Beasts of the southern wild”: Der Herzschlag des magischen Realismus’

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