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TWB II: Mr. & Mrs. Somerset

18. Januar 2013

Es mag ja jetzt geradezu böse klingen, aber für den Spionage-Film war der Kalte Krieg eine grandiose Grundlage. Hier war das Feinbild klar vorgegeben: Der Russe war der Böse, die Amerikaner die Guten. Im Falle von Mr. Bond müssen die Guten natürlich Briten sein, aber ansonsten bleibt alles beim Alten. Die damals wohl allgegenwärtige Angst vor einem erneuten Krieg ließ dann wohl auch die Weltherrschaftsfantasien von Bond-Bösewichten äußerst glaubwürdig klingen. Und da Weltherrschaft und böse Russen quasi wie für ein Abenteuer für DEN Agenten mit der Lizenz zum Töten geeignet war, musste Bond das warme Jamaika gegen das kältere Europa eintauschen.

In „Liebesgrüße aus Moskau“ geht der MI6 auf eine offensichtliche Falle ein: Die russische Dechiffrier-Spezialistin Tania (Daniela Bianchi) bietet eine heibegehrte russische Kodiermaschine namens Lektor an – im Gegenzug soll James Bond (Sean Connery) Tania gleich mit nach England nehmen. Dass das alles möglicherweise nur ein Vorwand ist, um ihn auszuschalten, ist Bond klar. Dennoch willigt er ein. Was er aber nicht weiß: Tania arbeitet gar nicht für die Russen, sondern unwissentlich für S.P.E.C.T.R.E. Die Organisation will die weltpolitische Spannung nutzen, um a) selbst an die Kodier-Maschine zu kommen und b) Rache an James Bond zu üben, der verantwortlich für den Tod von Dr. No ist.

Nach dem Erfolg von „007 jagt Dr. No“ war eine Fortsetzung Pflicht. Und die kam dann auch schon ein Jahr nach „Dr. No“ unter der Regie von Terence Young in die Kinos. Young, der auch schon den Ur-Bond drehte, setzt auf die von ihm vorgegebenen Stil-Mittel. Von der Grundstruktur des „Abenteuers“ ändert sich in diesem zweiten Bond-Film eigentlich nicht viel. Bond reist nach Istanbul, trifft hübsche Frauen (und hat – soweit man das beurteilen kann – sogar einen Dreier) und bekämpft die üblen Schergen, die S.P.E.C.T.R.E ihm vorsetzt. Also eigentlich alles beim Alten…

Aber weit gefehlt. Zum Glück ist Connerys zweiter Auftritt als Doppel-Null-Agent schon ein bisschen anders. Was man vor allem daran merkt, dass sich „Liebesgrüße aus Moskau“ gerade wegen der Kalte Krieg-Thematik sehr viel mehr noch nach „echtem“ Spionage-Thriller anfühlt. Die Bedrohung ist nicht ganz so abgedreht wie vielleicht noch bei „Dr. No“. Dazu kommt eine verworrene und komplizierte Story, bei der man sehr schnell aus den Augen verliert, wer denn nun eigentlich Freund und wer Feind ist. Genau wie Bond verliert der Zuschauer die wahre Bedrohung aus den Augen.

Und diese wahre Bedrohung – S.P.E.C.T.R.E. – bekommt hier ein Gesicht. Naja, eigentlich nur eine Hand, die eine Katze streichelt. Doch macht „Liebesgrüße aus Moskau“ sehr deutlich, diese schurkische Organisation ist eine echte Bedrohung, die selbst Bond nicht richtig einzuschätzen weiß. Gleichzeitig sieht man an der Darstellung der Organisation, in der alle nur mit der Nummer ihrer Rangfolge angesprochen werden, wo Michael Myers Jahre später seine Schurken-Organisation für „Austin Powers“ kopiert hat.

Doch all das verblasst schon fast bei der Tatsache, dass eine der wichtigsten Bond-Figuren überhaupt in „Liebesgrüße aus Moskau“ ihr Debüt feiert. Zum ersten Mal tritt Desmond Llewelyn als „Q“ auf (auch wenn er hier noch nicht so heißt). Sein kleiner Auftritt und die Präsentation von Bonds erstem Gadget (ein Koffer mit vielen Möglichkeiten) führt von nun an zu einer langen Zusammenarbeit von Q und Bond. Aber… wie gesagt, man darf von diesem ersten Auftritt noch nicht zu viel erwarten, dauert er doch nur wenige Minuten und lässt den Charme und den Witz der Figur noch vermissen.

Insgesamt betrachtet muss ich aber zugeben, dass mir „Liebesgrüße aus Moskau“ nicht so gut gefallen hat wie noch „Dr. No“. Es ist ein toller Film mit tollen Action-Sequenzen (bei der sich Regisseur Young wohl mit seiner Hubschrauber-Szene bei Hitchcock und dessen „Der Unsichtbare Dritte“ verneigen möchte). Doch sprang bei mir dieses Mal der Funke nicht so richtig über. Was wohl vor allem an Daniela Bianchi liegen könnte, die mir als Bond-Girl ein etwas zu nerviges Anhängsel ablieferte. Vielleicht lag es aber auch daran, dass dieser Bond so sehr viel ernster wirkt als noch „Dr. No“. Das mag jetzt vielleicht kein schlechtes Kriterium sein, aber es ist ein interessanter Wandel in der Figur an sich, den man nach „Dr. No“ erst einmal verarbeiten muss. Trotzdem bleibt Bond natürlich auch nach wie vor herrlich ironisch und schnippisch.

„Liebesgrüße aus Moskau“ ist ein spannendes zweites Abenteuer für Mr. Bond, der in diesem Film immerhin auch schon mal einen Titelsong bekommt… auch wenn der erst im Abspann läuft.

Wertung: 8 von 10 Punkten (die Bedrohung für Bond wird größer, endlich gibt es Gadgets, die Story leidet zwar etwas, aber trotzdem ist Bond weiterhin auf dem besten Weg)

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8 Kommentare leave one →
  1. 20. Januar 2013 00:37

    Dass der Film wesentlich düsterer und ernster als „Dr. No“ ausfällt, macht für mich genau seinen Reiz aus. Die Story ist realistischer und wendungsreicher als beim Vorgänger, und man kriegt es hier zudem mit einem ganzen Team von Villains zu tun.
    Für mich einer meiner All-Time Top 3 Bondfilme.

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2013 22:29

      Das „Ernster und Düster“ ist nicht schlecht, aber so ganz überzeugen konnte mich das nicht. Da bin ich halt doch eher der „Spaß-Bond-Fan“ 😉

      Und wie gesagt, dieses Bond-Girl fand ich einfach nur nervig.

  2. 20. Januar 2013 16:29

    Stimme da dem Bruder völlig zu. Vorallem war es für mich der am besten verfilmte Roman. Kein Buch der Reihe wurde so gut umgesetzt. Finde ich zumindest.

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2013 22:30

      Ich kann zu den Romanen nicht viel sagen. Habe die mal alle vor Ewigkeiten gelesen, aber mittlerweile alles schon wieder vergessen. Wenn du das aber sagst, und Mister Nick auch, dann glaub ich das jetzt einfach!!! 😀

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