Zum Inhalt springen

The black cowboy

16. Januar 2013

Quentin Tarantino hat es wieder einmal geschafft. Er und sein neuer Film sind schon jetzt in aller Munde, noch bevor die meisten ihn überhaupt gesehen haben. Und warum? Wegen dem bösen N-Wort, das gefühlte 1 Million Mal in „Django Unchained“ ausgesprochen wird. Ja, manchmal mögen einem da schon die Ohren bluten, wenn immer und immer wieder das N-Wort ausgesprochen wird. Irgendwann wird sicherlich jemand kommen und genau nachzählen, wie oft dieses eine Wort im Film vorkam. Das Traurige daran ist dann nur, das man den Film dadurch vernachlässigt. Und das nur wegen einem Wort… mittlerweile sollten doch alle wissen, dass Quentin Tarantino gerne mal eine etwas härtere Tonart anschlägt. Wenn es nicht das N-Wort ist, dann ist es das F-Wort. Und Tarantino dann noch Rassismus vorzuwerfen…

Aber ich will jetzt hier nicht mehr von so etwas sprechen. Widmen wir uns lieber dem Auslöser dieser verrückten Diskussion – Tarantinos neuestem Film „Django Unchained“. Mit dem Original-Django hat dieser nicht viel zu tun (wie die üblichen 40 oder 50 Filme davor auch, die irgendwo den Namen „Django“ im Titel tragen). Es gibt keinen Sarg, dafür aber die gleiche Rachestory. Dank des deutschen Kopfgeldjägers Dr. King Schultz (Christoph Waltz) kann Django (Jamie Foxx) die Ketten der Sklaverei ablegen. Schultz braucht Django, um eine Bande Krimineller zu jagen und verspricht ihm im Gegenzug dafür, Hilfe bei der Suche nach seiner Frau Brunhilde (Kerry Washington). Die allerdings „gehört“ mittlerweile dem reichen Plantagen-Besitzer Calvin Candie (Leonardo DiCaprio). Django wird also kämpfen müssen, um seine Frau wieder zu bekommen.

Was würde wohl nach „Inglourious Basterds“ kommen? Das war sicherlich nicht nur eine Frage, die Tarantino-Fans beschäftigte, sondern bestimmt auch Tarantino selbst. Und so ein Western lag dann doch irgendwie auf der Hand. Schließlich lebt so ziemlich jeder Tarantino-Film von irgendwelchen Western-Elementen – ob nun Duelle, Shoot-Outs oder sonstiges. Wenn man lange genug sucht, dann findet man Western überall bei Tarantino. Aber da Tarantino ja nicht einfach nur viel zitiert und kopiert, wurde sein Western kein Western. Sondern, wie er es selbst gerne nennt, ein „Southern“! Spielt ja schließlich alles im Süden! Klingt also irgendwie logisch.

Doch trotzdem brauchen wir auf Western-Feeling nicht zu verzichten. Hier wird immer noch fleißig geritten. Die Männer tragen nach wie vor Hut und Sporen an den Stiefeln. Und ja, die Colts rauchen! Oh, wie die Colts rauchen! Tarantino fackelt ja selten lange, warum sollte „Django Unchained“ da also eine Ausnahme machen? Die Schießereien sind gewohnt gut und gewohnt brutal… Blut spritzt in rauen Mengen, nur anders als in „Kill Bill“ wird hier nichts in Schwarz-Weiß gezeigt. Wenn Django Rache will, dann bekommt Django Rache… und wir bekommen das alles hautnah zu sehen.

Aber das Tarantino bei der Darstellung der Gewalt gerne mal etwas mehr zeigt, ist auch nichts Neues. Genau so wenig wie sein Talent dafür, den richtigen Schauspielern die richtigen Worte in den Mund zu legen. Und das ist ja ein weiteres Markenzeichen vom Ex-Videothekar: Starke Persönlichkeiten auf die Leinwand zu bringen. Über Christoph Waltz braucht man da eigentlich gar nicht mehr sprechen. Der hat mit Tarantino ja endlich jemanden gefunden, der das große Schauspieltalent des Deutschen richtig zur Geltung bringt. Auch wenn Waltz in diesem Tarantino mal nicht der Böse ist, ist Waltz allein schon den Besuch wert. Waltz geht in der Rolle des Dr. Schultz richtig auf. Der ist so locker, so lässig – er ist irgendwie der Ruhepol des Films. Er hat auf alles eine Antwort, für alles einen Plan. Und wenn er dann noch anfängt, davon zu erzählen, dass jeder Deutsche die Sage von Siegfried dem Drachentöter liebt, um anschließend Django als schwarzen Siegfried zu bezeichnen, dann ist das einfach nur köstlich. Weil es eben aus dem Mund von Waltz kommt. Der kann diesen ganzen Bockmist mit so einer Gelassenheit erzählen, dass man ihm das alles brav abnnimmt.

Dagegen hat Jamie Foxx nicht viel aufzubringen. Ich will jetzt nicht sagen, dass Foxx seine Sache nicht gut macht. Im Gegenteil, sein wortkarger, auf Rache sinnender Django ist ein klasse Revolverheld, der in bester „Leon, der Profi“-Manier erst einmal das Handwerk erlernen und sich dann der ganzen Welt entgegenstellen muss. Aber im Vergleich zu allen anderen wirkt Django fast ein wenig klein. Er ist „nur“ ein Rache Suchender.

Da hat sich Tarantino für so manch andere Figur sehr viel mehr Mühe gegeben. Vor allem bei Calvin Candie. Mit Candie kann Leonardo DiCaprio wohl auch die letzten Zweifler davon überzeugen, dass er mehr ist als nur der Typ aus „Titanic“. Candie ist ein großartiger Bösewicht – er hat so ein bisschen was von einem gelangweilten Prinz, der sein ganzes Geld einfach nur geerbt hat und sich deswegen aufführt wie ein kleines Kind. Vor allem wenn es darum geht, dass jemand SEIN Eigentum haben möchte. In jedem Fall erweist sich DiCaprio als Glücksgriff – mit seiner Darstellung liefert er den perfekten Fiesling – mal charmant, mal aufbrausend. Ein Psychopath, wie er im Buche steht (und der halt auch zu gerne mal das böse N-Wort in den Mund nimmt).

„Django Unchained“ hat hier und da seine Längen (manche Dialoge wirken extrem gestreckt), dennoch spürt man dem Film seine Laufzeit von fast drei Stunden nicht an. Tarantino findet eine gute Mischung zwischen Dialog und Gewalt und treibt die Story – dank seiner hervorragenden Schauspieler – zügig zu ihrem bleihaltigen Höhepunkt.

„Django Unchained“ ist ein würdiger Taratino-Western… sorry, Southern, der viel Spaß macht. Und ja, vielleicht hätte man das N-Wort ein oder zwei Mal weniger sagen können.

Wertung: 9 von 10 Punkten (dieser Django ist wirklich ein fieser Motherfucker – für Tarantino-Fans ein absolutes Fest)

18 Kommentare leave one →
  1. 16. Januar 2013 14:38

    Wieso hast du den jetzt schon gesehen????! Ach egal ich seh ihn übermorgen und dann les ich auch das Review 😛

    • donpozuelo permalink*
      16. Januar 2013 14:45

      Wir hatten letztens das Vergnügen auf der Premiere drehen zu dürfen. Und am Vormittag gab’s die Pressevorführung. Aber egal… schau ihn übermorgen und dann reden wir weiter 😉

  2. 19. Januar 2013 01:25

    Irgendwie hab ich meinen Review gerade selbst alles Lobhuldigungen verbraucht…aber dennoch grossartiges Westernkino auf höchsten Niveau mit genial coolem Jamie, höchst charmanten Waltz und dem bestem Leo ever! You tarantion are one great N****r!

    • donpozuelo permalink*
      19. Januar 2013 20:37

      Leo war wirklich absolut grandios. Und das über den Tarantino stimmt wohl auch 😉

  3. 19. Januar 2013 14:34

    Welches N-Wort?

    Ach egal. Ich durfte ihn jetzt auch sehen und fand ihn sehr gut, aber „nur“ 8/10 wert. Natürlich hast du mit all dem, was du so sagst Recht. Hier hätte ich gerne auch noch so einiges kopiert, wie beispielsweise das, dass Jamie trotz Titelrolle etwas unterging, ging aber mehr darauf ein, dass die Mischung nicht gar so gelungen ist. Aber insgesamt ist das alles Haarspalterei. Man kann festhalten, dass der Film für Tarantino-Fans ganz groß ist!

    • donpozuelo permalink*
      19. Januar 2013 20:39

      Na, das N-Wort, das sich auf Tigger (du weißt schon, der von Winnie Puh) reimt 😉

      Für Fans sowieso, das ist ja klar. Als Western find ich den Film aber einfach nur super. Mal schön konsequent durchgezogen. Für Jamie Foxx tut’s mir tatsächlich ein bisschen leid.

      • 20. Januar 2013 20:27

        Zu Dominiks Kommentar sage ich nur: http://www.youtube.com/watch?v=O-Ho1JRhaFs 😀

        Zu deiner Review: Ich bin erstaunt, wie alle Jamie Foxx dermassen zurückstellen. Ich fand ihn echt klasse. Meiner Meinung war er besser als Waltz, der abgesehen von der ersten Filmhälfte immer im Schatten des Trios Foxx, DiCaprio und SLJ stand.

        Ansonsten stimme ich dir zu.

        • donpozuelo permalink*
          20. Januar 2013 22:32

          Das Video ist super!!!

          Jamie Foxx war mir als Hauptdarsteller oftmals fast schon unscheinbar. Trotzdem fand ich ihn auch super… nur in Erinnerungen bleiben werden mir bei diesem Film eher Samuel L. und Leo DiCaprio!!!

  4. 22. Januar 2013 11:40

    Mir kam Les Miserables deutlich länger vor und ich glaube, dass beide Filme ziemlich gleich lang sind!

    • donpozuelo permalink*
      22. Januar 2013 15:04

      „Les Miserables“ kam mir auch furchtbar lang vor, was aber wohl eher daran gelegen haben mag, dass ich so meine Schwierigkeiten dabei hatte, Crowe und Jackman singend streiten zu sehen. Brrr… da war „Django Unchained“ dann doch angenehmer. 😉

  5. 23. Januar 2013 14:10

    Hm, ich finde ja, dass Tarantino eben nicht die richtige Balance zwischen Gewalt und Dialog trifft. Die erste Hälfte gelingt ihm sicher tadellos. Da gehen Wortgefechte ja nahtlos in Colt-Geplänkel über. Zum Ende hin fehlen mir immer mehr die wunderbaren Dialoge und irgendwann habe ich jede Sekunde gespürt. Mit wurde der Film einfach zu unnötig in die Länge gezogen. Trotzdem ein cooler Western… äh Southern.

    • donpozuelo permalink*
      23. Januar 2013 15:03

      Das Ende zieht sich wirklich ein bisschen. Vor allem die Sache, dass er selbst noch mal verkauft werden soll… das hätte der Film auch nicht gebraucht. Trotzdem hat es mich nie so richtig gestört.

Trackbacks

  1. Der Mann mit dem Sarg « Going To The Movies
  2. Es ist wieder so weit… « Going To The Movies
  3. Gucken oder nicht gucken | Going To The Movies
  4. DJANGO UNCHAINED: Kritik zu Quentin Tarantinos Spaghetti Southern | ChristiansFoyer
  5. Der etwas andere Medizin-Mann | Going To The Movies
  6. Ultra Panavision Cowboys | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: