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Der Mann mit dem Sarg

14. Januar 2013

Quentin Tarantino ist ja, wenn man ganz, ganz dolle pingelig sein will, der größte Film-Plagiator, der auch noch öffentlich und ohne große Probleme damit durchkommt. Gut, dem guten Tarantino nimmt man das auch alles nicht übel, denn statt seine Filme als Plagiate zu verschreien, finde ich den Ausdruck Hommage wesentlich besser. Oder noch besser: Erinnerung!!! Denn was mir bei Tarantinos Filmen immer wieder auffällt: Egal, welchen Film man sich anschaut, man wird an die unzähligen Filme verwiesen, die für irgendeine Szene, für einen Song oder eine Einstellung Pate standen. Dementsprechend folgt auf jeden Tarantino eine ewig lange Liste von Filmen, die man sich anschauen könnte, um den guten Quentin und seine Filme noch besser zu verstehen.

Jetzt ist es mir endlich mal geglückt, vor einem neuen Film eine von Tarantinos Inspirationsquellen zu gucken. Mit der freudigen Erwartung, „Django Unchained“ endlich im Kino zu sehen, war ich froh mir jetzt endlich mal den Original-Django angucken zu können. Ein Film, von dem ich schon so viel gehört hatte – ein angeblicher Meilenstein des Italo-Westerns. Und halt Namensgeber für Taratinos neuesten Streich.

Auch beim alten „Django“ ist das „D“ stumm, dafür ist es Django (Franco Nero) selber nicht. Zumindest lässt er gerne seine Colts sprechen. Django rettet die Halbmexikanerin Maria (Loredana Nusciak) vor einer Gruppe von Major Jacksons Männern. Anschließend reisen die beiden in das kleine Städtchen Nogales, kurz vor der Grenze zu Mexiko. Nogales besteht dabei eigentlich nur noch aus dem Salon von Nataniele (Ángel Álvarez). Hier wartet Django auf Major Jackson (Eduardo Fajardo), denn der hat Djangos Frau auf dem Gewissen. Ganz allein stellt sich Django gegen den Major und seine Männer…

Das erste Bild von Django selbst beweist schon gleich zu Beginn, dass dies kein gewöhnlicher 08/15-Lone Gunman ist. Keiner vor ihm und keiner nach ihm (außer vielleicht der Terminator in Teil 3) sind je so durch die Gegend gezogen wie Django. Statt lässig auf einem Pferd zu reiten, geht Django zu Fuß… und zieht dabei einen Sarg hinter sich her. Allein dieses Bild ist schon der Hammer: Ein Cowboy mit Sarg. Allein das macht Django schon zu einer verdammt coolen Sau.

Franco Nero, den man angeblich für die Rolle älter schminken musste, gibt den undurchsichtigen Revolverhelden mit sehr großer Überzeugung. Warum auch nicht? Wenn die Kamera schnell an ihn heranfährt, kann Nero unglaublich gut, böse gucken. Oder wenn er langsam den Kopf hebt und unter seinem Hut grimmig seinen Gegner anstarrt. Dieser Mann ist gefährlich. Lucky Luke ist nichts gegen seine Schießkünste. So schnell wie Django seine Gegner niederballert, ist schon bemerkenswert. Und trotzdem schafft es Nero, seinem Charakter auch etwas Geheimnisvolles zu geben. Lange Zeit weiß man als Zuschauer nicht so wirklich, wer dieser Mann da eigentlich ist. Er benimmt sich zwar wie ein klassischer Lone Guneman und geht brav opportunistisch von einer Gruppe zur nächsten über – immer gerade so, wie er es braucht. Hauptsache, er erreicht sein Ziel, die Rache an Major Jackson. Dieser Mann fackelt nicht lange, geht über Leichen ohne mit der Wimper zu zucken… nur er und sein Sarg, dessen Inhalt essentiell für Djangos Plan ist.

Man kennt ja wirklich so einige Western: Da gibt’s die fast schon braven Western – schön mit Cowboys und Indianern, dann gibt’s die Gegenbewegung der Italowestern, die den Lone Gunman bevorzugen und dann gibt’s „Django“. Brav ist hier gar nichts, und selbst Clint Eastwood und Co. können sich hier noch was abgucken. Regisseur Sergio Corbucci inszeniert „Django“ knallhart. Gewalt scheint in „Djangos“ ziemlich trübseliger Welt voller Pessimismus die einzige Währung zu sein, in der gezahlt werden kann. Gewalt ist ja in Italo-Western nichts Neues, aber Corbucci setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Für einen Film, der in den 60er Jahren gedreht wurde, wirkt die Gewaltdarstellung an vielen Stellen ziemlich modern. Vor allem eine Prügelei zwischen Django und einem Mexikaner im Salon wird dank schneller Schnitte und Handkamera zu einem echten Erlebnis.

Auch wenn der Original-Django und Tarantinos Django wohl nur den Namen gemein haben, sollte man sich den „alten“ Django ruhig mal anschauen. Der ist erfrischend anders… und hat sich erstaunlich gut gehalten (weswegen er dann in Tarantinos Django-Fassung auch mal kurz vorbeischauen darf… wie ja schon der Trailer verrät).

Wertung: 9 von 10 Punkten (der Rächer mit dem Sarg… einfach nur kultig)

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14 Kommentare leave one →
  1. 14. Januar 2013 13:05

    Nicht gesehen. Wird aber vermutlich nach „Django Unchained“ nachgeholt. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das dann die korrekte Reihenfolge ist. 😉

    • donpozuelo permalink*
      14. Januar 2013 13:15

      Ist, glaube ich, egal. Das einzige, was beide Djangos gemeinsam haben, ist der Name. Ansonsten kann man sich auch erst „Django Unchained“ und dann den Original-Django anschauen. 😀

  2. 14. Januar 2013 17:25

    Tja, Tarantino könnte man auch einfach als postmodernen Regisseur bezeichnen 😉 – aber deine ausführlichere Klärung, was an Quentin so „außergewöhnlich“ ist, tut’s auch.

    Den Italo-Western an sich kenne ich ja leider auch noch viel zu wenig – wie alle anderen Western Filme eigentlich auch. Aber vielleicht sind es ja genau solche Filme wie Django Unchained die mich mal auf einen anderen Pfad bringen.

    • donpozuelo permalink*
      15. Januar 2013 09:18

      Das ist ja halt das, was an Tarantino so viel Spaß macht. Man kann sich durch einen Film ganz viele andere Filme anschauen. 😉

  3. 16. Januar 2013 17:43

    Von all den drölfhundert Django-Filmen habe ich erst einen gesehen. Als Kind. Kam ein Sarg drin vor – mehr weiß ich nicht mehr…

    • donpozuelo permalink*
      16. Januar 2013 20:46

      Dann wirst du möglicherweise von all den drölfhundert Django-Filmen genau den richtigen Film gesehen haben. Sofern in dem Sarg nicht gerade eine Leiche lag 😉

      • 17. Januar 2013 06:46

        Ne, keine Leiche. Ich vermute das gleiche wie in dem von dir gesehenen Teil, ohne hier jetzt Spoilern zu wollen 😉

        • donpozuelo permalink*
          17. Januar 2013 07:23

          😀 Sehr gut. Ja, dann war’s definitiv der Richtige!!!

  4. 17. Januar 2013 11:12

    Nebst Leone ist Corbucci ganz klar der kreativste Regisseur des Italo-Western, was Filme wie „Il Grande Silenzio“ oder eben „Django“ beweisen.

    • donpozuelo permalink*
      17. Januar 2013 22:15

      Willkommen!!!

      Ich kenne von Corbucci nur „Django“, aber der beweist ja schon genug 😉

  5. 20. Januar 2013 22:49

    Eines der geilsten Enden der Filmgeschichte!!

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