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Potter auf Abwegen

21. Dezember 2012

Ich sage das jetzt mal so ganz offen und ehrlich: Ich habe bis jetzt noch NIE auch nur einen Harry Potter-Film gesehen. Und wenn mich jetzt jemand nach dem „Warum“ fragt, wüsste ich nicht einmal eine Antwort. Keine Ahnung, warum Potter mich nicht infiziert hat. Ich gehe sogar ziemlich fest davon aus, dass mir die Filme definitiv gefallen könnten, doch habe ich mir nie die Mühe gemacht, mich da mal dran zu setzen. Wieso nicht? Ich weiß es wirklich nicht. Ich habe keinen triftigen Grund, keine Entschuldigung, gar nichts. Aber: Immerhin hat das Ganze auch eine gute Sache.

Nachdem die Potter-Filme abgedreht sind, versucht ja nun jeder der Stars irgendwie seinen eigenen Weg zu gehen. Sich vom Zauberer-Gewand zu befreien, um zu zeigen: „Da steckt noch mehr in dieser Person.“ Hat zumindest bei Emma Watson und „The Perks of Being a Wallflower“ schon wunderbar funktioniert. Dass da mehr in ihm steckt als der Zauber-Potter versucht auch Daniel Radcliffe zu beweisen. Allerdings bleib er zumindest dem Übersinnlichen vorläufig treu.

In „Die Frau in Schwarz“ spielt Radcliffe den jungen Anwalt Arthur Kipps, der irgendwann Anfang 1900 in England den Nachlass eines Verstorbenen regeln soll. Dazu fährt er in ein entlegenes Küstendorf. Hier mitten im Nirgendwo, auf einer kleinen Anhöhe im Watt, steht ein altes Herrenhaus, in dem Kipps seine Arbeit verrichten will. Doch etwas merkwürdiges geht sowohl in dem Haus als auch im Dorf vor sich. Im Dorf ist das gesamte Dorf argwöhnisch gegenüber dem Neuling und der Tatsache, dass er die meiste Zeit in dem alten Haus verbringt. Was höchstwahrscheinlich daran liegen dürfte, dass es in dem alten Schuppen spukt – eine Frau in Schwarz, die es vornehmlich auf Kinder abgesehen hat.

Inwieweit Radcliffe sich jetzt mit „Die Frau in Schwarz“ weiterentwickelt hat oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Wie gesagt, mit diesem Film treffe ich mehr oder weniger das erste Mal auf den guten Mann. Dafür, dass Radcliffe die Handlung und dem gesamten Film fast alleine auf seinen schmächtigen Schultern tragen muss, macht er seine Sache sehr gut. Es gibt nur eine Sache, die mich an Radcliffes Arhtur Kipps sehr gestört hat: Er ist so extrem ruhig und gefasst. Wenn ich allein in einem riesigen Spukhaus wäre, würde ich a) ständig vor mich hin summen, b) sämtliche Lichter anmachen und c) mich möglichst schnell aus dem Haus verpissen. Kipps ist aber so pflichtbewusst, er tut nichts von alledem. Er redet nicht mit sich selbst, er verflucht nicht diese störenden Geister, er macht nichts von dem, was man eigentlich erwarten würde. Was seine ganze Handlungsweise etwas unrealistisch wirken lässt. Klar, es wird erklärt, dass er das Geld für den Job dringend braucht, um seinen Sohn zu ernähren… aber selbst dann würde er meiner Meinung nach hier und da trotzdem anders handeln. Kipps wirkt einfach zu abgebrüht. Ich weiß, dass Harry Potter viel mit solchen Sachen zu tun hatte, aber Kipps doch sicherlich nicht. Ein klein wenig mehr Panik hier und da hätte schon gut getan. Aber das ist ja dann wohl eher ein Kritikpunkt am Drehbuch, nicht an Radcliffe.

Nach seinem wirklich furchteinflößenden „Eden Lake“, bei dem ich mir vor Spannung wirklich fast die Fingernägel abgekaut hätte, schießt Regisseur James Watkins mit „Die Frau in Schwarz“ nach. Den Film dürfte man wohl als klassischen Gruselfilm bezeichnen. Was in der Hinsicht passend ist, da die berühmten Monster-Horror-Studios Hammer mitbeteiligt waren. „Die Frau in Schwarz“ punktet durch ein herrlich unheimliches Haus, in dem das bisschen Kerzenlicht genug Platz für Unheimliches lässt. In seiner Abgeschiedenheit wirkt das Haus an sich schon gruselig genug… mit der unhöflichen Dame in Schwarz wird dieser erste Eindruck nicht deutlich besser.

Allerdings, so muss ich es doch zugeben, gruselte es mich dann nur bedingt. Watkins liefert perfekt getimte Schreckmomente, die er vor allem dem tollen Setting zu verdanken hat. Leider sprang bei mir der Funke nicht so richtig über. Vielleicht lag es wirklich daran, dass ich Kipps als Figur nicht richtig gut fand, aber an vielen Stellen ging die Atmosphäre einfach flöten.

Die Frau in Schwarz“ ist daher für mich zwar ein netter Grusel-Spaß mit ein paar netten Momenten, aber mehr leider nicht. Die Tatsache, dass trotzdem ein zweiter Teil kommen soll, verwundert mich dann schon ein bisschen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Gruselspaß im Herrenhaus, der aber nicht wirklich zünden will)

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