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Was war zuerst: Musik oder Elend?

17. Dezember 2012

Fragen von solch philosophischen Ausmaßen beantworte ich nicht. Weil man sich doch einfach nur in einem Teufelskreis befindet. Musik gibt’s schon seit Ewigkeiten genauso wie das Elend. Die Frage wird allerdings leichter zu beantworten, wenn sie im richtigen Kontext steht: Was war zuerst da: Musik übers Elend(ig sein) oder das Elend? In diesem Fall kommt immer das Elend zuerst. Und dann erst die Musiker, die meinen, wir müssten ihre Schmerzen hören. Manche „Elendssongs“ sind gut, andere total schlimm… Und immer verletzt oder verlassen werden, wird es die elendigen Elendssongs immer geben.

Jetzt fragt ihr euch sicherlich, warum der Don so viel Stuss schreibt. Zu Recht. Aber ich wurde weder verlassen noch geht’s mir elend. Ich habe einfach nur Stephen Frears „High Fidelity“ gesehen. Da stellt sich Plattenladen-Inhaber Rob (John Cusack) nämlich genau solche Fragen. Gerade erst hat ihn seine Freundin Laura (Iben Hjejle) verlassen und Rob in eine tiefe Sinnkrise gestürzt. Er benutzt den Zuschauer selbst als Therapeuten und spricht uns direkt an. So erfahren wir von seiner Top 5 der in die Brüche gegangenen Beziehungen.

Da Rob sehr viele und verschiedene Listen aufführt, werde ich es ihm gleich tun und euch meine Top 5 aus „High Fidelity“ vorstellen.

5 – Die Story

„High Fidelity“ ist für mich ein bisschen schwer einzuschätzen. Vielleicht ist Frears Film eher was, wofür man die richtige Stimmung braucht. Die Geschichte von Rob wird zwar nett und kurzweilig erzählt, aber irgendwann fängt man (fing ich) an, Rob ein wenig weinerlich zu finden. Was die Story nicht wirklich schafft, ist es mir Rob als Person näher zu bringen. Immerhin bringt der Episodencharakter der Story den nötigen Schwung und dabei auch eine gute Abwechslung. Insgesamt glaube ich, dass die Story zu „High Fidelity“ in Buchform sicherlich interessanter ist, da man sich noch ein wenig mehr durch die Gedanken von Rob kämpfen kann.

4 – Die Frauen

Es gibt fünf Frauen in Robs Leben, unterschiedliche Frauen. Und irgendwie fand ich es witzig, dass mit seiner kleinen Schulfreundin angefangen wird. Die werden so oft vernachlässigt und dabei sind sie doch immer sehr wichtig. Die Frauenrollen sind stark besetzt, unter anderem taucht eine noch sehr junge Catherine Zeta Jones auf – aber das nur so am Rande. Mit den Frauenrollen wird „High Fidelity“ erst so richtig interessant. Auch wenn sie allesamt stark klischeebehaftet sind, erfüllen sie doch ihren Zweck für die Geschichte.

3 – Jack Black

Man kann ja zu Jack Black sagen, was man will – aber ich mag den Typen. Und gerade diese Musik-Filme scheinen genau sein Ding zu sein. Ähnlich wie schon in „School of Rock“ darf Black in „High Fidelity“ einen wahren Musik-Fan spielen. Als Robs bester Freund Barry darf er so etwas sein wie die Stimme der Vernunft. Nur das seine Stimme hier eine äußert ironische und wenig einfühlsame ist. Auch wenn Barry nur eine kleine Nebenrolle ist, erfüllt sie Jack Black mit Leben und macht ihn dadurch zu einem absoluten Highlight des Films.

2 – Die Musik

Ach ja, ein Musikfilm, der keine gute Musik hat, ist kein Musikfilm. Auch wenn „High Fidelity“ per se kein Musikfilm ist, sondern eher eine Komödie, spielt Musik zu jedem Zeitpunkt eine wichtige Rolle. Der Soundtrack ist bestückt mit guten Ohrwürmern, die man sich immer wieder anhören kann. Dazu kommt noch ein sehr kleiner, aber feiner Gastauftritt von Bruce „The Boss“ Springsteen.

Insgesamt wurden wohl mehr als 20.000 Songs ausgesucht, von denen es dann so 70 in den Film schafften. Aber so ein Engagement kann man wohl vom Inhaber eines Plattenladens schon erwarten, oder?

1 – John Cusack

Ich mag ja John Cusack. Der Mann hat das gewisse Etwas, mit dem er Rollen wie die von Rob wirklich mit Leben zu füllen weiß. Wenn ein Schauspieler die vierte Wand durchbricht, sich quasi als Freund an uns wendet, dann muss er seine Sache schon verdammt gut machen, damit dieses Konzept funktioniert. John Cusack bekommt das hin. Er redet so locker leicht, als würde er tatsächlich einfach so zu irgendjemandem über seine Probleme sprechen. Das man ihm irgendwann sagen möchte, er solle sich ein paar Eier wachsen lassen, stört nichts daran, dass Cusack einfach nur verdammt gut ist.

So gesehen ist „High Fidelity“ eine recht unterhaltsame Komödie über einen weinerlichen Musik-Geek, die ihre Hänger hat, aber dennoch viel Spaß macht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (was lernen wir aus diesem Film? Besten-Listen sind manchmal gut und manchmal doof)

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12 Kommentare leave one →
  1. 17. Dezember 2012 09:37

    Hach, High Fidelity! Eines der axt’schen Lieblingsbücher aller Zeiten! Ist immer auf irgendeiner Liste bei mir 😉

    Und der Film, naja, den fand ich ganz ok, aus den gleichen Gründen wie Du. Ich hatte halt das Buch schon 5-6 mal gelesen, bevor ich den Film gesehen habe. Und es werden sicher einige nachvollziehen können – zu dem Zeitpunkt hat man das Buch im eigenen Kopf schon so durchvisualisiert, da hat es jeder Film schwer. Diesen hier fand ich dennoch sympathisch.

    • donpozuelo permalink*
      17. Dezember 2012 11:12

      Das Buch habe leider noch nicht gelesen. Von daher kann ich da keine Vergleiche ziehen, aber wenn man das Buch schon mehrere Male gelesen hat, kann wohl selbst der beste Film nicht an das heran, was man in seinem Kopf hat. Doch mit John Cusack in der Hauptrolle ist dieser Film echt in Ordnung 😉

      • 17. Dezember 2012 11:29

        Mit John Cusack ist grundsätzlich alles in Ordnung 🙂

        • donpozuelo permalink*
          17. Dezember 2012 11:39

          Sag ich doch!!! Der Mann ist großartig und so eine Rolle wie in „High Fidelity“ ist wie geschaffen für ihn.

        • 17. Dezember 2012 11:56

          Aber da widerspreche ich Dir doch gar nicht 😉

  2. 17. Dezember 2012 12:07

    Wann kann man eigentlich mit deinem Review zu Hobbit rechnen? 😉

    • donpozuelo permalink*
      17. Dezember 2012 13:35

      😀 Ich hoffe am Mittwoch. Heute, sofern nix mehr dazwischen kommt, soll es soweit sein. Natürlich nur mit 48 Bildern pro Sekunde und in 3D!!!

  3. 17. Dezember 2012 13:03

    Ja, toller Film. Sehe ich auch immer wieder gerne…

  4. 19. Dezember 2012 11:57

    Einer der Filme, bei denen ich mich wieder frage: Stimmt was mit mir nicht oder mit den anderen?
    Einfach nur überbewertet und fern ab von der Realität. Ich wüsste auch nicht warum man den Film schauen sollte, wenn man verlassen wurde. John Cusack ist super, aber der Film…nein, da stimmt vieles nicht für mich, leider.

    • donpozuelo permalink*
      19. Dezember 2012 12:01

      Man kann ja nicht jeden glücklich machen 😉 Cusack ist super, das reicht bei mir in den meisten Fällen schon aus 😀

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