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Gleichheit für alle!

14. Dezember 2012

Ich liebe Trickfilm-Serien. Eines der vielen Zeichen, dass ich mich noch nicht ganz dafür entscheiden kann, mich als einen Erwachsenen zu bezeichnen. Denn unter einigen dieser Serien sind welche dabei, die ich ungern öffentlich nenne (obwohl wer weiß, wenn ich mal gerade nix zu tun habe, werde ich mal so eine ähnliche Guilty Pleasure Liste anfertigen, wie einst zu Filmen… nur dieses Mal halt für Trickfilmserien). Doch es gibt auch immer wieder die Trickfilm-Serien, die man nur zu gerne weiter empfiehlt. So war das damals mit „Avatar – Der Herr der Elemente“. Selten stößt man auf eine Serie, die zwar für Kinder gedacht, aber deswegen nicht unbedingt kindlich naiv ist. Im Gegenteil, „Avatar“ (und damit ist nicht James Camerons „Avatar“ gemeint) war großartig: eine unglaublich faszinierende Geschichte, tiefgründige Figuren, Action, Dramatik und natürlich Spaß. In nur drei Staffeln erschufen die Macher der Serie (Michael Dante MiMartino und Bryan Konietzko) eine eigene Welt mit ihrer ganz eigenen Mythologie und Geschichte. Mittelpunkt dieser Welt war der Avatar, ein mächtiger Bändiger, der alle vier Elemente beherrschte, um in dem Land der vier Bändiger-Nationen für Gerechtigkeit zu sorgen.

Avatar Aang und seine Begleiter mussten sich gegen die mächtige Feuernation stellen. Dabei musste der junge Avatar aber erst einmal alle anderen Elemente bändigen, um anschließend gegen den Feuerlord persönlich anzukämpfen. Wie gesagt: Großartige Unterhaltung! Eine Serie, die nur zu empfehlen ist. Da tat es dann schon weh, als die Serie nach drei Staffeln ihr fulminantes Ende fand. Noch mehr tat da nur noch der Versuch weh, eine Real-Film-Reihe zu drehen. M. Night Shyamalan – angelich ein großer Fan der Serie – versagte bitter, bei der Verfilmung der ersten Staffel. Seitdem haben wir zum Glück nichts mehr von der Reihe gehört. Umso erfreulicher dann die Nachricht, dass die Macher weitermachen wollten. Mit einem neuen Avatar. Mit neuen Abenteuern. Mit einer neuen Serie.

„Die Legende von Korra“ spielt rund siebzig Jahre nach den Ereignissen der alten Serie. Die Vier Nationen scheinen glücklich vereint und der Fortschritt hat Einzug gehalten – in der großen Stadt Republika fahren Autos, Eisenbahnen, etc. Es ist eine Stadt, in die der neue Avatar Korra kommt, um bei Tenzin, dem Sohn von Avatar Aang, das Luftbändigen zu lernen. Doch die junge Korra hat viel mehr Interesse daran, die große Stadt zu erkunden, anstatt ans Luftbändigen zu denken – schließlich ist sie nur ein „Landei“ vom Südpol und hat sowas wie die große Stadt noch nie miterlebt. Hier lernt sie das Profi-Bändigen kennen, eine Sportart, bei der Bändiger-Teams gegen einander antreten. Gefesselt von dem Sport schließt sich Korra den „Feuerfrettchen“ an – bestehend aus den Brüdern Mako und Bolin. Doch neben all den tollen Sachen, die es in Republika zu entdecken gibt, muss Korra auch feststellen, dass hier vieles im Argen liegt. So kämpfen die so genannten Equalisten unter der Führung des vermummten Amon gegen die Bändiger… und somit auch gegen den Avatar.

Es war damals schon mal eine große Erleichterung, dass die gleichen Macher hinter „Korra“ stecken wie schon bei „Avatar – Der Herr der Elemente“. Was ein Wechsel in der Chefposition ausmacht, haben alle Fans mit der Realverfilmung erlebt. Somit fühlt man sich als eingefleischter Fan in der neuen Welt von „Korra“ erst einmal ziemlich schnell wohl. Der Look ist der gleiche – dieser Anime-Touch, den schon die Original-Serie ausmachte, bleibt erhalten. Er passt einfach auch perfekt zum Stil der Serie. Gleichzeitig wird das Ganze durch eine gehörige Ladung Steam-Punk aufgewertet, was mir einfach mal verdammt cool gefallen hat. Dabei haben sich die Macher dann aber auch die größte Mühe gegeben, dass sich dieser technische Fortschritt realistisch genug wirkt.

Am Look der Serie kann man also wenig meckern. Was ich dann doch zu meckern habe, betrifft hauptsächlich die Charaktere und die Story an sich. Kommen wir zur Story: Dadurch dass sich die ganze erste Staffel auf Republika beschränkt, fehlt so ein wenig dieser Abenteuer-Road-Movie-Charakter der Original-Serie. Man kommt nicht mehr an all diesen verschiedenen Orten vorbei. Man bleibt in dieser Metropole. Die ist zwar groß genug, bleibt aber weitesgehend unspektakulär. Die Geschichte mit Amon wird auch nur mühselig ausgebaut und nimmt erst zum Ende der ersten Staffel so richtig Fahrt auf. Hier wird viel an Spannung verschenkt.

Gleiches gilt – das muss ich einfach so offen zugeben – für die Figuren. Korra ist, im Gegensatz zum vorherigen Avatar, eine kleine Schnarchnase. Gut, sie ist auch wesentlich „älter“, aber weniger dynamisch, komisch, zwiegespalten wie noch Aang vor ihr. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass genau das doch gut ist. Niemand will einen Abklatsch des Originals… aber das Gefühl der Serie kommt nicht mehr ganz so auf wie vorher. In der alten Serie gab es viel mehr interessante Figuren, die auch alle Varianten – von todernst bis total durchgedreht – abdeckten. „Die Legende von Korra“ wirkt dagegen in all seinen Charakteren sehr viel ernster, erwachsener, abgeklärter. Ein wenig mehr Komik und ein bisschen weniger Seriosität hätte ich mir da schon gewünscht.

Alles in allem ist „Die Legende von Korra“ eine nette Weiterführung, die versucht, anders und neu zu sein, dabei aber einige Kerntugenden der alten Serie vernachlässigt. Für Einsteiger ist das Ganze trotzdem geeignet, weil man die Staffel praktisch ohne jedes Vorwissen gucken und auch verstehen kann. Wer dennoch sehen möchte, wie es richtig gut läuft, der fängt erst einmal mit dem „Herrn der Elemente“ an.

Ich werde auf jeden Fall abwarten, wie „Korra“ sich noch entwickelt. Meine große Freude hat aber schon ein wenig abgenommen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein wenig mehr vom Alten wäre hier nicht soooo schlecht gewesen, ansonsten ein guter Start, bei dem alles weitere nur besser werden kann)

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9 Kommentare leave one →
  1. 14. Dezember 2012 15:20

    FINALLY 😀 Korra ist sicher ein toller und würdiger Nachfolger…es ist einfach schade, dass die Leute immer Avatar als Vergleich nehmen und die Serie nicht auch als etwas eigenes sehen. Ich LIEBE die serie, besonders der style der sich ja seit Avatar sich nochmals massive verbessert hat und beinahe wie animiertes Aquarell wirkt. Und was willst du mehr vom Alten Aang, Katara und der rest tauchen ja alle in einer Form torztdem auf! Korrasami FTW!! 😉

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2012 16:01

      Natürlich ist „Korra“ eine eigenständige Serie, trotzdem wird man nie drumherum kommen, sie mit ihrem Vorgänger zu vergleichen. Und in diesem Vergleich hinkt „Korra“ natürlich schon etwas. Aber selbst, wenn ich versuche, die Serie nicht im „Avatar“-Licht zu sehen, fiel es mir ein wenig schwer, dem Ganzen den gleichen Spaßfaktor abzugewinnen wie dem alten Team Avatar. Ich finde die Figuren teilweise nicht ausgebaut. Das fällt mir daran auf, dass ich mir nach einigen Folgen immer noch nicht alle Namen gemerkt hatte.

      Die Sache mit dem Kampf gegen den Equalisten fand ich auch etwas zu lang gestreckt, ohne das sonderlich viel passierte. Ich weiß auch nicht, hätte mir einfach ein klein wenig mehr Fahrt in der Serie gewünscht. Ein klein bisschen mehr Witz. Und ein bisschen mehr Mystik.

  2. 16. Dezember 2012 15:13

    Du hast da absolut Recht! Also für Kinder gemacht, aber nicht kindlich naiv. Alle mit denen ich gesprochen habe (und an dieser Stelle waren alle volljährig), lieben Avatar.
    Korra ist ein wenig kurz, um Kultstatus zu erreichen.

    • donpozuelo permalink*
      16. Dezember 2012 15:40

      Danke!!! Für den Kultstatus hätte Korra Aang bereits in der ersten Staffel übertrumpfen müssen. Aber ich denke mal, mit dem Finale der ersten Staffel lässt sich noch was anfangen und Korra hat durchaus noch sehr viel Potenzial, ebenso gut zu werden wie „Avatar“.

      • 16. Dezember 2012 15:54

        12 Folgen sind definitiv zu wenig, um Korra zum Kultstatus zu verhelfen! Auf weitere Folgen 🙂

        • donpozuelo permalink*
          16. Dezember 2012 17:43

          Stimmt schon, aber dafür soll es ja bei Korra eine Staffel mehr geben als bei Aang. Ist also alles noch drin!!! 😉

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