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Bösewicht-Burn-Out

7. Dezember 2012

Meine Liebe zu Video-Spielen ist ungebrochen. Ob nun die harmlosen Anfänge mit dem Game Boy über den SEGA Megadrive und Sonic bis hin zu meiner heißgeliebten PS3. Zocken geht immer und wird wohl auch immer gehen. Meine Mutter fragt mich immer, was denn so toll daran ist… Keine Ahnung, außer irgendwie alles. Endlich mal ein wahrer echter Held sein, der sich ohne nachzudenken in Gefahr begibt, der Leben rettet und am Ende groß gefeiert. Wo kann man solche Fantasien denn schon besser ausleben als in einem Spiel? Nur hier haben wir das Gefühl, tatsächlich selbst etwas erschafft zu haben.

Gut, hier und da spielt man natürlich auch mal den Bösewicht, macht Sachen kaputt und erfreut sich, die andere Seite ganz ohne Konsequenzen mal auskosten zu können. Aber so richtig Gedanken, um die Bösewichte macht man sich ja sonst eher selten. Die sind einfach nur dazu da, vernichtet zu werden. Dass die auch Gefühle haben, hatte ich bis jetzt gar nicht gewusst.

Aber es ist so. Spiele-Bösewichte haben Sorgen und Probleme wie jeder andere auch. Ralph ist einer von ihnen. In seinem Spiel „Fix-It Felix Jr.“ sorgt Ralph für Chaos. Hier muss er tagein, tagaus ein Hochhaus demolieren, nur damit Felix Jr. Alles wieder in Ordnung bringen kann, um am Ende gefeiert zu werden. Dabei denkt kein (Pixel-)Mensch an den armen Ralph. Und der möchte doch auch nur einmal in seinem Leben ein Held sein, gefeiert und gemocht werden. Und deswegen tut Ralph etwas, dass in der Spiele-Welt streng verboten ist. Er verlässt sein Spiel! Dass er damit nicht nur sein eigenes Leben und sein Spiel riskiert, merkt er dabei nicht.

 „Wreck-It Ralph“, oder wie es so schön bei uns heißt „Ralph reichts“, ist ein großartiger Animationsfilm. Eine sehr liebevolle Hommage an teilweise schon längst in Vergessenheit geratene Spiele und gleichzeitig ein toller Film über einen Held wider Willen, der sich ganz klar gegen eine klassische Schwarz-Weiß-Malerei stellt. Nicht jeder Bösewicht ist schlecht. Jeder Bösewicht trägt seinen Teil zu seinem Spiel bei. Ohne ihn würde das Ganze keinen Sinn mehr ergeben. So zumindest lernt es Ralph in seinen Anonyme Bösewicht-Meeting, das ja den meisten aus dem Trailer schon bekannt sein dürfte. Aber schon hier beweisen die Herren von Disney, dass sie sich mit Videospielen beschäftigt haben – ob nun Super Marion, Street Fighter oder Sonic… in diesen Meetings sitzen alle schweren Bossgegner und heulen sich aus. Und auch hier wieder muss man einfach merken: Sie sind alle nur menschlich und komplett missverstanden. Gerade an Stellen wie diesen merkt man, dass „Ralph“-Regisseur Rich Moore schon bei den „Simpsons“, „Futurama“ und „Drawn Together“ mitgewirkt hat. Bissige Wortspiele und coole Gags kennt der Mann und weiß genau, wie er damit umzugehen hat.

Doch bevor jetzt alle vor Angst die Finger von dem Film lassen: Ja, „Ralph reichts“ ist trotz allem ein kinderfreundlicher Film. Und nein, man muss kein Gamer sein, um den Film genießen zu können. Klar, nur wer sich mit seinen Spielen auskennt, entdeckt die zahlreichen, liebevollen Verweise, doch konzentriert sich „Ralph reichts“ auf seine eigene Welt. Alle drei Spiele, durch die Ralph wandert – sein eigenes, „Hero’s Duty“ und „Sugar Rush“ – sind fiktive Spiele. Die sind aber wiederum sehr glaubwürdig umgesetzt. „Hero’s Duty“ kommt als wildes Sci-Fi-Actiongeballer daher, während „Sugar Rush“ so eine Art „Mario Cart“ im Zuckerrausch ist. Somit bietet „Ralph reichts“ vom Optischen her sehr viel Abwechslung: vom tristen eigenen Spiel in die Sci-Fi-Welt voller fieser Krabbelkäfer hin in das Schlaraffenland aus Zucker, Schokolade und anderem Süßkram. „Ralph reichts“ hat für jeden Gaming-Geschmack genau das Richtige.

Dazu kommt eine wirklich toll erzählte Story mit unglaublich sympathischen Charakteren. Gerade bei der Story wird dann schon recht deutlich, dass wir es trotz aller schrägen Gags immer noch mit einem Disney-Film zu tun haben. So muss auch immer wieder klar sein, dass es in einer Welt voller Spaß und Lacher auch traurige Momente gibt, tragische… Einige davon (eine Szene ganz besonders) trafen sogar mich echt schwer. Aber wie heißt es so schön beim Flattermann: Wir fallen, um uns wieder aufrappeln zu können. Was auch in „Ralph reichts“ das Motto ist.

Das Spitzen-Duo des Films agiert genau nach dieser Maxime: Ralph und seine Freundin Vanellope von Schweetz, eine fehlerhafte programmierte Fahrerin in „Sugar Rush“. Die Beiden liefern ein großartiges Gespann, die sich herrlich komische Wortgefechte liefern. Dazu kommt, dass beide auch was die Sprecher angeht, bestens besetzt wurden (was übrigens für alle und jetzt nur für den englischen Originalton gilt). John C. Reilly und Sarah Silverman passen echt wie die Faust aufs Auge. Reillys Stimme ist wie geschaffen für diesen riesigen Zerstörer, während Silverman eine leicht nervige Pieps-Stimme annimmt, die aber umso besser zu Vanellope passt.

Doch „Ralph reichts“ wird auch mit den deutschen Stimme wunderbar funktionieren, denn Stimme ist hier nicht alles. Die Geschichte reißt mit, die Figuren sowieso und somit ist „Ralph reichts“ einer der lustigsten Animationsfilme des Jahres. Ein Film, den sich Gamer auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Und alle anderen, die einfach nur gut unterhalten werden möchten, natürlich auch nicht.

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (ach Disney, ein toller Film!!!)

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12 Kommentare leave one →
  1. 7. Dezember 2012 11:08

    Ich seh ihn mir heute Abend an aber schön zu sehen dass er so gute reviews bekommt. Ich find einfach die ganzen Poster mit dem kleinen Ding und Ralph ein bisschen zu PeodBear lastig 😛

    • donpozuelo permalink*
      7. Dezember 2012 11:52

      Na dann viel Spaß im Kino. Ich bin mir sicher, er wird dir auch gefallen!!! Und ja… das Poster ist sooo vielleicht nicht so toll, aber egal…

  2. 7. Dezember 2012 11:43

    Und die 9er-Festspiele gehen weiter 😀

    Du verlebst auch grad die schönste Kino-Zeit deines Lebens, oder? Ein Meisterwerk nach dem anderen und dabei ist Der Hobbit noch nichtmal angelaufen 😉

    • donpozuelo permalink*
      7. Dezember 2012 11:54

      Ich habe ja jetzt schon fast das Gefühl, mich entschuldigen zu müssen, dass die Filme, die ich mir fürs Kino aussuche, meiner Meinung nach echt gut sind 😉 Aber die Bewertungen sind alle ehrlich und nicht gekauft 😀

      Und beim Hobbit schauen wir mal, was da so kommt… Die bisherigen Kritiken sind sich da ja nicht so einig.

  3. 7. Dezember 2012 13:13

    Ich stimme bekanntlich zu. Und ganz nebenbei ist auch die deutsche Synchro ganz okay. Wenn natürlich erwartungsgemäss viel verloren geht. Dafür sind die Donut-Bullen Schweizer und Österreicher. Auch witzig. Die englische Synchronisation ist aber schon besser.

    • donpozuelo permalink*
      7. Dezember 2012 13:26

      Ich kenn die deutsche Fassung jetzt nur so vom Trailer her. Und wie gesagt, ich denke mal auch, dass der Film so oder so funktioniert. Weil er halt einfach super ist, der Ralph.

  4. 8. Dezember 2012 01:13

    Jetzt auch gesehen kann ich alles so unterstreichen, (zuweilen aber fast ein wenig dark, besonders der grosse Endkampf aber tortzdem gerade für mich äusserst awesome) …bis auf das, dass du ihn dir auf deutsch angesehen hast! UNANNEHMBAR!!!!

    • 8. Dezember 2012 01:15

      Deutsch ist ganz okay.

      • 8. Dezember 2012 01:17

        Kann schon sein aber wenn man Sarah Silverman und Jane Lynch im O-Ton zu Verfügung hat ist die Wahl schnell getroffen 😛

        • 8. Dezember 2012 01:21

          Also das Beste ist immer noch John C. Reilly im englischen, Lynch ist imho eher fehlbesetzt.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2012 11:00

      Wie kommst du darauf,dass ich den auf deutsch gesehen habe. Natürlich habe ich den im original gesehen. Anders geht das doch auch nicht.

Trackbacks

  1. 2012 « Going To The Movies

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