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Welcome to the Jungle City!!!

28. November 2012

Irgendwann kommt für jeden „aufrechten“ Rapper der Zeitpunkt, an dem es nicht mehr ausreicht, sich ständig nur in Musikvideos vor großen Villen oder heißen Schlitten zu zeigen. Eine sexy Lady an jeder Seite und Champagner ohne Ende sagen irgendwann einfach nicht mehr „Gangster“ oder „Rapper“. Als Vertreter der hart umkämpften Rap-Szene muss man anders auf sich aufmerksam machen, vielleicht sogar neue Fans gewinnen. Und wo könnte man das besser machen als im Kino? Da wird dann mal eben schnell, die eigene, harte Vergangenheit aufgearbeitet, der Kampf an die Spitze glorifiziert und das eigene Image dann natürlich gleich mit. Beispiele dieser Art gibt’s genügend…

Es wirkt daher umso erstaunlicher, dass plötzlich – wie aus dem Nichts – einer der bekanntesten Rapper auftaucht und ebenfalls einen Film dreht. Okay, das ist jetzt nicht wirklich erstaunlich. Wird es aber, wenn dieser Film so rein gar nichts mit dem Leben des Musikers zu tun hat. RZA, Begründer des Wu-Tang Clans, will nicht seine, sondern einfach nur eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte von einem namenlosen Schmied (natürlich RZA selbst), der in dem kleinen chinesischen Dörfchen Jungle City in eine Familienfehde gerät. Der Anführer des Lion-Clans, Golden Lion wird von seinen eigenen Leuten ermordet, nachdem er den Auftrag des Kaisers angenommen hat, für die Sicherheit einer Ladung Gold zu sorgen. Der neue Anführer, Silver Lion (Byron Mann), will dieses Gold für sich. Doch in Jungle City sind noch ganz andere an dem Gold interessiert – wie etwa die Bordellbesitzerin Madam Blossom (Lucy Liu) oder der englische Soldat Jack Knife (Russell Crowe). Und dann wäre da noch Zen-Yi (Rick Yune), Sohn von Golden Lion, der auf Rache sinnt. Irgendwo in diesem Getümmel gerät auch der namenlose Schmied zwischen die Fronten und muss sich für eine Seite entscheiden.

„The Man with the Iron Fists“ ist genau das, was in diesem Kino-Jahr noch gefehlt hat – und das meine ich im positivsten Sinn, den man sich nur vorstellen kann. RZAs Regiedebüt protzt nur so mit großen Namen, die fleißig hinter den Kulissen gearbeitet haben. Gemeinsam mit Eli Roth hat RZA die Story niedergeschrieben. Präsentiert wird uns das Ganze von Quentin Tarantino persönlich, der immerhin vorgesehen hatte, dass der Schmied auch in „Django Unchained“ auftauchen sollte (was nur leider wegen Terminschwierigkeiten nicht klappte).

Es ist erstaunlich, wie sehr „The Man with the Iron Fists“ tatsächlich an einen Tarantino-Film erinnert… und irgendwie möchte man sich darüber wundern, warum der „Ach so, Asien affine“ Mr. Tarantino noch nicht so einen Film gemacht hat. Auf seine herrlich abgedrehte Art und Weise, bei der wirklich alles over-the-top ist, verbeugt sich RZA vor den alten Kung Fu Filmen längst vergessener Zeiten (natürlich auch in Punkto einfacher Story – aber das interessierte bei solchen Filmen noch nie sonderlich). In wunderschön choreographierten Kämpfen dürfen die Darsteller ihr Können beweisen. Die werden uns dann auch meisten wie bei den „Beat ‘Em Up“-Spielen verkauft: Da kämpfen dann die verrücktesten Typen gegen einander. Hier zeigt sich, dass RZA sich wirklich viel Mühe bei den Figuren gegeben hat. Die sind nämlich einfach nur der Oberhammer: Da hätten wir den saufenden, hurenden englischen Soldaten mit einem recht merkwürdigen Messer-Pistolen-Dingens oder einen Typen, der wie ein X-Men plötzlich nur noch aus Messing besteht oder ein Zwillingspaar, das in wunderschönen Tanzeinlagen seine Gegner niedermetzelt.

Und Metzeln ist ein gutes Stichwort, denn „The Man with the Iron Fists“ ist eine Zelebration der gebrochenen Arme und Beine, der abgetrennten Köpfe und des Kunstbluts. Zartbesaitete haben in diesem Film definitiv nichts zu suchen, denn hier treffen stylisch inszenierte Kämpfe auf brutale Gewalt, die gerne auch gezeigt werden darf. RZA hat da wahrlich keine Scheu.

Weniger Scheu hätten RZA und seine Schauspieler allerdings auch nicht vor einem Schauspiel-Lehrer haben dürfen. Besonders Regisseur und Hauptdarsteller RZA wirkt in vielen Szenen sehr steif und unbeholfen. Gleiches gilt auch für viele der Kämpfer, obwohl ich es bei denen noch verstehen kann – die sollen kämpfen, mehr nicht!!! Immerhin liefern Russell Crowe und Lucy Liu wirklich grandiose Performances ab. Liu erinnert sehr stark an ihre O-Ren Ishii aus „Kill Bill – Vol. 1“. Crowe darf hier einfach nur mal loslassen und macht das mit sichtlicher Freude, weswegen er eines des vielen großen Highlights von „The Man with the Iron Fists“ darstellt.

Es gibt also wahrlich nicht viel zu meckern. RZA hat ein kleines Trash-Meisterwerk erschaffen, bei dem Eastern auf Western trifft, absurd geile Fights, die sich ganz dem Beat des Soundtracks hingeben (der natürlich von RZA kommt) und herrlich schräge Figuren, von denen jede einzelne wirklich einzigartig (schräg) ist. Insofern: Der absolute Pflichtfilm für alle, die es endlich mal wieder richtig krachen lassen wollen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (you can’t write kung fu without f and u – you said it, RZA!!!)

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7 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    28. November 2012 08:38

    Uh! Klingt gut ^^

    • donpozuelo permalink*
      28. November 2012 08:50

      Ist er auch. Dir dürfte der bestimmt gefallen.

      • luzifel permalink
        23. Dezember 2012 13:14

        Trashfestival! Geiler Eastern-Style mit offenbar sehr viel Liebe zum Genre. Der ganze HipHop dazu hat auch blendend zu den völlig übertriebenen Prügelszenen gepasst. Netter Film..

        9 von 10 auf der Trash-Skala würde ich dem Streifen auch geben.

        • donpozuelo permalink*
          23. Dezember 2012 15:24

          Sag ich doch!!!! 😉

  2. 5. Dezember 2012 22:47

    Jetzt verstehe ich… 9/10…….. 😀

    Hätte ich mir nach den Kommentaren bei mir denken können.

    • donpozuelo permalink*
      6. Dezember 2012 09:07

      😀 Wie gesagt, ich fand den spitze. Irgendwie genau das, was ich mir von diesem Film erwartet hatte.

Trackbacks

  1. 2012 « Going To The Movies

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