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It’s judgement time!!!

14. November 2012

John Wagner wird sicherlich ziemlich nervös gewesen sein, als plötzlich wieder einmal Hollywood an seine Tür klingelte. Ich stelle mir, dass Wagner sich weinend und fluchend gleichzeitig in einer Ecke seines Hauses versteckte, um das Klingeln des Telefons, das Klopfen an der Tür und die Rufe von draußen nicht hören zu müssen. Schließlich war dieser arme Mann schon einmal vor langer Zeit von Hollywood kräftig in den A…., sagen wir lieber, man hatte es nicht gut mit ihm gemeint und sein großes Werk verschandelt.

Doch könnte es sein, dass Wagner vielleicht doch noch Erlösung finden könnte? Seit 2006 arbeitete man fieberhaft daran, seiner Version des Judge Dredd gerecht zu werden. Man wollte dieses unsägliche Ereignis von damals vergessen. Einen Sylvester Stallone als Judge einfach nicht akzeptieren. Und wie es Hollywood so gerne macht, entstand ein Remake. Dieses Mal aber ohne den 90er-Jahre-Kitsch. Dieses Mal bleibt der Helm auf dem Judge und die Gerechtigkeit in seiner Hand.

In „Dredd“ hat unser Judge (Karl Urban) zwei Probleme: Er soll auf den Rookie Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) aufpassen. Und gleich an ihrem ersten Tag verschlägt es Dredd in den 200 Stockwerke hohen Turm Peach Trees – ein Turm wie eine Stadt. Voller Menschen, die in kleinen engen Wohnungen eingepfercht leben. Und ganz, ganz oben haust Ma-Ma (Lena Headey), Dredds eigentlich größtes Problem. Denn Ma-Ma vertickt von dort aus die Droge „Slo-Mo“. Dredds und Andersons Anwesenheit bleibt natürlich nicht lange unbemerkt, Ma-Ma schließt den Turm und macht Jagd auf die Judges.

Turm/ Hochhaus? Polizei, die drinnen gefangen ist? Ein fieser Gangster, der von oben herab die Jagd auf die Polizisten eröffnet? Kommt einem irgendwie bekannt vor, nicht wahr? Alle, die sich von Gareth Evans‘ „The Raid“ haben mitreißen lassen, werden sich stark erinnert fühlen. Nur sollte man dabei zwei Dinge bedenken: a) man sollte den Machern von „Dredd“ nicht unbedingt Plagiatsvorwürfe machen, wenn man bedenkt, wie lange schon an „Dredd“ gearbeitet wurde und b) man sollte jetzt auch nicht erwarten, dass Karl Urban in bester Martial-Arts-Manier durch das Hochhaus zieht. Das wäre mit dem Helm und seiner Ausrüstung auch nicht wirklich möglich. Stattdessen gibt Dredds Lawgiver den Ton an… und so wird in „Dredd“ in bester Manier geballert, geballtert und geballert. Man könnte das hier und da fast schon als Negativpunkt anbringen, wenn Regisseur Pete Travis das Ganze nicht so verdammt stylish in Szene gesetzt hätte. Durch die Droge „Slo-Mo“ gibt es ein paar sehr schöne Slow-Motion-Sequenzen. Alles in allem präsentiert sich „Dredd“ als fetziges, überladenes Action-Feuerwerk.

Doch nicht nur was das angeht, bleiben Drehbuch und Regisseur konsequent. Karl Urban scheint nicht der Star zu sein, der sich zu sehr in den Vordergrund spielen will. Oder er versteht einfach seine Rolle… denn im Gegensatz zu Sly behält Urban seinen Helm auf. Die Illusion Dredd wird aufrecht erhalten. Wir erfahren nichts von diesem Judge… keine Hintergrundgeschichte, keine Gefühle, kein gar nichts. Dieser Mann ist das Gesetz, er lebt für das Gesetz und es interessiert ihn auch nichts anderes als das Gesetz. Das will mal gesagt sein, denn meine Befürchtungen gingen immer in die Richtung, dass der Film irgendwann mal Dredd und die hübsche Dame an seiner Seite zusammenbringen würde. Doch – soviel darf ich jetzt an dieser Stelle wohl mal spoilern – auch Dredds Hose geht in diesem Film nicht auf. Ihr braucht also keine Angst vor schwülstigen Liebesschwüren des Killer-Richters zu haben.

Dredd ist Dredd – ein Fels in der Brandung, die in Form von Ma-Mas Schergen und Ma-Ma selbst sehr daran interessiert sind, diesen Felsen ins Wanken zu bringen. Und hier und da gelingt ihnen das auch… Dredd ist nicht unfehlbar, das ist irgendwie beruhigend. Schließlich hat er mit Lena Headeys Ma-Ma eine würdige Gegnerin. Man kann auch Headey nur gratulieren, die hier mit Narbengesicht Mut zur Hässlichkeit beweist. Diese äußerliche Hässlichkeit bringt sie dann auch sehr schön in ihrer eigenen Darstellung der Schurkin unter. Somit kommt ein gutes Gleichgewicht zwischen Gut und Böse zustande… obwohl man sich bei dem knallharten Dredd eh immer ein wenig fragen muss, ob dieser Mann das Gesetz nicht hier und da ein wenig zu frei interpretiert 😉 (Aber hey, das macht die Rolle ja dann auch gleich wieder ein wenig interessanter!)

John Wagner dürfte zufrieden sein. All die, die mit der Stallone-Version nichts anfangen konnten, sicherlich auch. Und selbst die, die sie mochten, werden an dem neuen „Dredd“ ihren Spaß haben. „Dredd“ ist dreckig, hart und unbarmherzig. Nur selten bekommt man eine Verschnaufpause, aber die will man eigentlich auch gar nicht. „Dredd“ macht Laune, mehr von diesem undurchsichtigen Judge zu sehen… und damit dürfte die Operation „Reboot“ wohl erfolgreich gewesen sein.

Wertung: 9 von 10 Punkten (hart, härter, Dredd – das Reboot gibt dem Street Judge eine neue Chance und die wurde gut genutzt)

Noch ein Wort zum 3D: Nett, aber man hätte auch drauf verzichten können. (Wie bei so vielen Filmen)

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22 Kommentare leave one →
  1. 14. November 2012 07:08

    Klingt gut. Hatte schon überlegt Donnerstag ins Kino zu gehen. Werde ich wohl machen.

    Mir hat übrigens der Stallone-Dredd gefallen. Ich bin also gespannt, ob du mit deiner These Recht hast. 😉

    • donpozuelo permalink*
      14. November 2012 09:10

      Ich fand den Stallone-Dredd so sehr lala… Da sieht der Urban-Dredd schon wesentlich besser aus. Und da du ja auch ein großer Fan von „The Raid“ warst, wirst du sicherlich mit diesem Film sehr viel Spaß haben.

  2. 14. November 2012 09:43

    Wow…dann werde ich ihm wohl eine chance geben müssen

    • donpozuelo permalink*
      14. November 2012 09:58

      Auf jeden Fall!!! Ein sehr geiler Film!

  3. luzifel permalink
    14. November 2012 10:07

    Nice one.. Der steht auf meiner Liste ^^

    • donpozuelo permalink*
      14. November 2012 11:43

      Da, wo er hingehört!!! 😉

  4. 16. November 2012 11:46

    Nö, tut mir Leid, der Film interessiert mich mal so überhaupt nicht. Sieht sicherlich sehr geil auf der großen Leinwand aus, aber es ist a) ein Superheld und b) laufen im Moment doch deutlich besser klingende Filme, die nur darauf warten, dass ich mein Geld an der Kinokasse lasse.

    • donpozuelo permalink*
      16. November 2012 12:01

      Nöööööööö… ist eben kein Superheld. Oder zumindest kann man Dredd nicht als Superheld im klassischen Sinne bezeichnen. Aber gut, den kann man sich auch ganz gut im Heimkino angucken. Wirkt da halt nur nicht mehr ganz so gut wie auf der großen Leinwand 😉

      • 16. November 2012 12:26

        Ach, dann eben Comicverfilmung – ist für mich (meist) dasselbe – und ich habe von beidem genug gesehen 😉

        • donpozuelo permalink*
          16. November 2012 13:09

          😀 Naja, ich eigentlich auch. Aber das ein oder andere interessiert mich dann doch. Und wenn es mich nur dazu bringt, mir doch mal den Comic dazu durchzulesen 😉

  5. 19. November 2012 00:03

    Wow, ich bin begeistert, schon die zweite richtig gute Wertung zu diesem Film. Bislang hatte ich nur schlechte Kritiken gehört. Wunderbar, dann werde ich ihn mir geben 😀

    • donpozuelo permalink*
      19. November 2012 06:24

      Ja, ich fand den richtig gut. Schön konsequent durchgezogen. Ein klasse Film und eine wunderbare Dredd-Verfilmung.

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