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Die beste schlechteste Idee

12. November 2012

1997 brachte Barry Levinson seine Komödie „Wag the Dog“ in die Kinos. Ein herrlich absurder Film, der die Macht der Medien und die Möglichkeiten zu zeigen, mit denen die öffentliche Meinung durch einfache Hollywood-Tricks manipuliert werden kann. In einem Akt der Verzweiflung wird in „Wag the Dog“ der Sex-Skandal des US-Präsidenten kurz vor den Wahlen durch einen fiktiven Krieg in Albanien vertuscht – inklusive heroischem Kriegshelden und allem Drum und Dran. Levinsons Film ist wirklich sehenswert und lässt einmal mehr die Frage aufkommen, wie sehr man den Medien wirklich trauen darf. Denn: So absurd die Idee des Films auch sein mag, könnte sie doch durchaus funktionieren.

Dass solch absurde Ideen tatsächlich funktionieren können, zeigt uns Ben Affleck in seiner bereits dritten Regiearbeit „Argo“. Darin erzählt er die wahre Geschichte von Mendez (Affleck selbst): Der soll 1979 sechs untergetauchte Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft im Iran sicher nach Hause zurückbringen. Doch die Revolution im Land macht dieses Unterfangen nahezu unmöglich. Die CIA hat mehrere wilde Ideen, doch erst Mendez kommt mit der besten schlechtesten Idee aller Zeiten: Er will in den Iran reisen – unter dem Vorwand einen Science-Fiction-Film namens „Argo“ zu drehen. Die sechs Untergetauchten sollen dabei als Filmcrew bei Location-Scouting fungieren. Mit Hilfe des Maskenbildners John Chambers (John Goodman) und dem Produzenten Lester Siegel (Alan Arkin) baut Mendez in Amerika das Lügengerüst auf – mitsamt Pressetermin, Schauspielern, Postern, Storyboard, etc… Nur wenn Amerika die Lüge glaubt, werden sich auch andere glauben. Und dann macht sich Mendez auf den Weg in den Iran.

„Argo“ versucht Mediensatire und Agenthriller in einem zu sein. Dabei stellte sich mir immer so ein bisschen die Frage, ob nicht eines von beiden besser gewesen wäre. Der erste Teil des Films beschäftigt sich mit dem Aufbau der Lüge. Dank John Goodman und Alan Arkin hat Affleck hier zwei Schauspieler, die einfach nur grandios miteinander agieren. Dazu liefert ihnen das Drehbuch ein paar ausgezeichnete Wortgefechte und sorgt so dafür, dass Hollywood hier den ein oder anderen Arschtritt verpasst bekommt. Denn im Gegensatz zu seinen CIA-Vorgesetzten kann Tony Mendez Hollywood ziemlich schnell von seiner Idee überzeugen – in Hollywood glaubt man einfach alles, so lange es irgendwie plausibel erklärt werden kann. In diesem ersten Teil des Films kommen alle „Wag the Dog“-Fans voll und ganz auf ihre Kosten.

In der zweiten Hälfte verlässt Affleck aber Hollywood und begibt sich in den Iran. Goodman und Arkin sind hier so gut wie vergessen. Klar muss Affleck ja irgendwie seine Geschichte zu Ende erzählen, aber der Hollywood-Strang fehlt einem irgendwie schon. Die Iran-Geschichte ist spannend inszeniert… mein Herzschlag ging hier und da schon ein wenig schneller, weil es Affleck sehr gut gelingt, die Angst aller Beteiligten einzufangen. Doch gerade zum Ende hin wirken eine Szene zu gewollt. Nach dem Motto „Jetzt müssen kurz vorher noch ganz, ganz viele Dinge schief gehen, damit am Ende alles gut wird.“ Wir wissen doch eh alle, wie es ausgeht… warum also dieses überflüssige Hinauszögern??? Hier könnte man Affleck vorwerfen, es ein wenig übertrieben zu haben. Da hätte ich lieber noch ein paar Szenen in Hollywood erlebt, um einfach noch mehr von Arkin und Goodman zu erleben.

Aber lasst euch davon trotzdem nicht abschrecken. „Argo“ ist – trotz dieses kleinen Kritikpunkts – ein toller Film. Ben Affleck beweist mit seinem dritten Film, dass er wirklich bestens hinter der Kamera aufgehoben ist. Gleichzeitig festigt er so auch seinen Ruf als Schauspieler. Er spielt Agent Tony Mendez mit einer unglaublichen Ruhe. Mendez wird bei ihm zu einem unscheinbaren Helden. Er ist ein Mann, der selbst Angst hat. Der sich aber deswegen nicht vor seiner Verantwortung drückt. Tony Mendez ist wirklich ein bemerkenswerter Kerl. Und Affleck bringt das äußerst glaubwürdig rüber. Zu John Goodman und Alan Arkin ist ja an dieser Stelle schon alles gesagt worden: Die beiden sind das Salz in der Suppe, die „Argo“ heißt. Brian Cranston darf nach „Drive“ und „Total Recall“ endlich mal ein bisschen mehr Leinwandzeit für sich in Anspruch nehmen. Als Mendez‘ Vorgesetzter ist er das gute Gewissen, der Mann, der im Hintergrund versucht, Mendez und die anderen sicher nach Hause zu bekommen.

Ben Affleck ist der Hattrick gelungen. „Argo“ ist ein Film, den man auf keinen Fall verpassen sollte. Es ist ein packender Thriller, bei dem weniger mehr gewesen wäre. Es ist ein klein bisschen auch eine bissige Hollywood-Satire, bei der mehr durchaus wünschenswert gewesen wäre. Affleck hätte hier ruhig ein bisschen entscheidungsfreudiger sein können… aber was soll’s? „Argo“ ist dennoch einer der besten Filme dieses Jahres geworden und ein weiterer Erfolg für Regisseur Ben Affleck.

Wertung: 9 von 10 Punkten (so viel zum Thema „unglaublich, aber wahr“… die besten Geschichten sind halt doch immer noch die, die wahr sind)

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12 Kommentare leave one →
  1. 25. November 2012 14:11

    Den Film wollte ich ursprünglich im Kino sehen, er läuft aber nur sehr sporadisch in der nahen Umgebung und als ich auch noch den einzigen O-Ton-Termin nicht wahrnehmen konnte, warte ich jetzt einfach auf die Blu-ray. Denn der Trailer und jetzt auch diese Review machen einfach Lust auf Hollywood-Satire und Polit-Thriller in einem.

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2012 14:46

      Ein toller Film, wirklich!!! Und das Warten auf die Blu-ray dauert hoffentlich nicht sooo lange. 😉

  2. 25. November 2012 14:33

    Ich fand Ben Affleck vor der Kamera ja eher dürftig, aber seine Regie ist wirklich gut. Ein etwas kitschig und unnötig dramatischer Film, aber im Grunde seeeeehr cool.

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2012 14:53

      Ja, das Ende war mir tatsächlich auch etwas zu kitschig, aber ansonsten alles gut. Toller Film!!!

      • 25. November 2012 15:27

        Ne, eben nicht alles. Der Ben war vor der Kamera eine Schlafmütze. 😉

        • donpozuelo permalink*
          25. November 2012 15:49

          Naja, so sehr nun auch nicht. Ich fand ihn eigentlich ganz gut.

  3. 13. Januar 2013 09:14

    naja ob die geschichte wahr ist (im sinne genau so passiert) weiß keiner, aber man glaubt dem film es wäre so 😉

    • donpozuelo permalink*
      13. Januar 2013 22:18

      Naja, die Geschichte klingt so absurd, dass sie schon wieder wirklich wahr gewesen sein könnte. 😉

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