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Die Dibbuk Box

7. November 2012

Dem Internet sei Dank kann mittlerweile jeder alles verkaufen oder verschenken, was im Keller oder auf dem Dachboden stört. Ich habe das schon gemacht, andere vor mir auch – wenn man sich damit den Gang zum Müll sparen und auch noch ein wenig Geld dazu bekommt… warum nicht? Allerdings sollte man aufpassen, was man so im Internet kauft. Irgendwann (eine genaue Zeit wird nirgends wirklich genannt) verkaufte ein Typ namens Kevin Mannis eine so genannte Dibbuk Box. Angeblich hatte er sie von einer deutschen Holocaust-Überlebenden gekauft. Doch diese Dibbuk Box sollte Mannis kein Glück bringen – wie auch, wenn die Box einen Dämon gefangenhält. Der Dibbuk ist nach dem jüdischen Volksglauben ein böser Geist, der Besitz vom Körper eines Lebenden nimmt. Dass man so eine Dibbuk-Box daher besser nicht öffnen sollte, liegt da auf der Hand.

Doch wenn Mannis die mysteriöse Dibbuk-Box nicht geöffnet hätte, wäre Horror-Experte Sam Raimi nie auf die Idee gekommen, aus Mannis und seiner Box einen Film zu machen? Mit „Possession – Das Dunkle in dir“ haben Raimi und Regisseur Ole Bornedal nun Mannis‘ Geschichte auf die Leinwand gebracht… zumindest die grundlegenden Dinge: Basketballer-Trainer Clyde (Jeffrey Dean Morgan) muss noch die Scheidung von Frau Stephanie (Kyra Sedgwick) verkraften. Zum Glück hat er da ja noch seine beiden Töchter, Emily (Natasha Calis) und die etwas ältere Hannah (Madison Davenport). Bei einem Garagenverkauf nimmt Emily eine mysteriöse Box mit. Erste Versuche, diese zu öffnen, scheitern. Doch irgendwann gelingt es Emily… und damit beginnen die unheimlichen Geschehnisse.

Der Dibbuk gewinnt an Popularität. Erst bei den Coen-Brüdern in „A Serious Man“, dann in dem Horror-Streifen „The Unborn“ und jetzt endlich mal wieder in „Possession“. Man könnte fast meinen, der neue Antagonist des Horrorfilms ist geboren. Meine Damen und Herren: Der Dibbuk. Man sieht ihn nur kaum, dafür äußert sich seine Präsenz durch merkwürdiges Flüstern, Motten, die plötzlich in Scharen angeflogen kommen oder in wilden Fressattacken. So zumindest sieht Ole Bornedal den Dibbuk. Und auch wenn Bornedal nichts Neues entwickelt… das, was er uns in „Possession“ anbietet, ist hier und da schon wirklich gutes Grusel-Kino. Die Schockmomente kommen zur richtigen Zeit und hier und da hat Bornedal schon ein paar echt fiese Sachen parat – zum Beispiel eben diese eine erwähnte Fressattacke oder wenn sich der Dibbuk in Gestalt der kleinen Em vom unliebsamen Freund (einem Zahnarzt – mehr sage ich jetzt nicht) der Mutter entledigt.

An diesen Stellen merkt man dann auch, dass Sam Raimi auch irgendwo im Hintergrund die Fäden gezogen hat. Da erkennt man die Freude Raimis am einfachen, schnörgellosen Horror – einfach machen. Der Zuschauer sieht mit geschlossenen Augen eh nicht so viel von den fiesen Sachen. Aber wie gesagt, so richtig viele fiese Sachen (und vor allem neue) hat „Possession“ nicht zu bieten. Das hat zwar nicht zur Folge, dass „Possession“ ein schlechter Film ist. Nur das er möglicherweise an der Kinokasse untergehen wird. Im Endeffekt haben wir das alles schon mal gesehen: Das Exorzismus-Thema ist schon so alt wie der Horrorfilm selbst. Gleiches gilt für die süßen kleinen Kinder, die zum Ausgang allen Übels werden. Klar, das Böse macht selbst vor den unschuldigen Kleinen nicht halt… aber damit lockt man nun wirklich niemanden mehr ins Kino.

Und trotzdem kann man sich „Possession“ ansehen (und sei es irgendwann im Free-TV). Immerhin bietet „Possession“ neben dem Grusel auch gute, glaubhafte Figuren und rettet sich somit vor kompletter Belanglosigkeit. Jeffrey Dean Morgan als besorgter Vater weiß zu überzeugen – er ist in gewisser Weise ein doppelte Held: Nicht nur kämpft er gegen den bösen Dibbuk. Nein! Er muss auch noch mit der Scheidung und seinen neuen Lebensgewohnheiten klar kommen. Kyra Sedgwick ist so austauschbar wie der Dämon, der hier Besitz von kleinen Kindern ergreift. Im gesamten Film bekommt sie eine einzige Szene, in der sie wirklich punkten kann. Ansonsten versackt die gute Frau im sonstigen Geschehen des Films. Aber gut, Hauptsache Natasha Calis wird gut in Szene gesetzt. Schließlich spielt sie Töchterchen und Dibbuk gleichzeitig. Bei ihr haben wir dann den klassischen Fall: Kleine Mädchen, die plötzlich anfangen durchzudrehen, wirken immer gut auf der Leinwand. Von daher hätte Bornedal wohl auch jede x-beliebige Schauspielerin nehmen können und es hätte schon funktioniert.

So und wie schließe ich jetzt halbwegs nett ab? „Possession“ ist kein totaler Reinfall. Es ist ein grundsolider Gruselfilm, der sich allerdings wenig darum bemüht, eigene Innovationen mit einzubringen. Da hat wohl jemand zu sehr darauf gehofft, dass die Zuschauer durch das „basiert auf einer wahren Begebenheit“ beeinflussen und ängstigen lassen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (gut, aber weit unter seinem Potenzial)

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4 Kommentare leave one →
  1. 7. November 2012 22:41

    Sag ich auch, solide, aber hätte man mehr draus machen können 🙂

    • donpozuelo permalink*
      8. November 2012 21:54

      Schön, das wir wieder mal einer Meinung sind 😀

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