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Die Wahrheit über Barrow

2. November 2012

Barrow, Alaska. Ein kleines, beschauliches Städtchen, in dem jeder wirklich jeden kennt. Eine überschaubare Stadt irgendwo jenseits des Polarkreises. Nur im Winter da flüchten die meisten Menschen aus der Stadt, um der 30-tägigen Dunkelheit zu entfliehen. Und 2007 zählten die, die gingen, zu den Glücklichen. Kurz nachdem die Nacht für 30 Tage über Barrow einbrach, tauchten merkwürdige Gestalten auf. Die schnitten die übrig gebliebenen Bewohner erst von der Außenwelt ab und fingen dann ein Massaker an. Es waren Vampire, die die lange, lange Nacht ausnutzen wollten…

30 Days of Night“ von David Slade war ein toller Vampir-Film, der es unheimlich gut verstand, diese Abgeschiedenheit und Kälte von Barrow auf die Leinwand zu bannen. Es war ein grandioser und spannender Film, den man sich immer wieder gerne mal anschauen kann. Auch weil Josh Hartnett einfach so wunderbar gut mit der Axt umgeht. Wer „30 Days of Night“ noch nicht gesehen hat, sollte das dringend nachholen: eiskaltes Schauspiel mit herrlich bösen Vampiren. Und mal ehrlich, von herrlich bösen Vampiren kann man in letzter Zeit doch gar nicht genug bekommen (jetzt… kurz bevor das Glitzern wieder losgeht).

Dachte ich mir auch, und da ich ein Fan von Slades Film bin, dachte ich auch, eine Fortsetzung davon könnte man sich ja mal anschauen. Und eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Ist ja schließlich nicht meine erste fehlgeschlagene Fortsetzung. Dennoch guckte ich mir „30 Days of Night: Dark Days“ von Ben Ketai an.

Der spielt einige Jahre nach dem Massaker von „30 Days of Night“. Mittlerweile ist in Barrow scheinbar wieder alles beim Alten. Vertuschungstheorien wurden verbreitet und alles ward still. Stella (im alten Film noch Melissa George, jetzt aber Kiele Sanchez), die einzige Überlebende des langen Vampir-Nacht, versucht, die Wahrheit über Barrow und über Vampire öffentlich kund zu tun. Bei einem Vortrag in L.A. (wo es bekanntlich auch diese 30 langen, dunklen Tage gibt) trifft Stella auf Paul (Rhys Coiro), Todd (Harrold Perrineau Jr.) und Amber (Diora Baird). Die drei haben ähnliches durchgemacht wie Stella. Und sie wissen, dass es nur eine Möglichkeit gibt, dem ganzen Spuk ein Ende zu bereiten: Vampirkönigin Lilith (Mia Kirshner) muss getötet werden.

Gleich die Warnung vorweg: Dieser Film hat wirklich nichts mehr mit dem Original zu tun. Die eisige Isolation Alaskas wird gegen die schöne kalifornische Sonne eingetauscht… und auch wenn man die nur selten zu Gesicht bekommt und sich lieber in unterirdischen Tunnel rumtreibt (wie für Vampire üblich) kommt keine wirklich bedrohliche Stimmung auf. Das könnte aber durchaus daran liegen, dass der Film in der ersten Dreiviertelstunde mehr zu einem Therapie-Film verkommt, in dem all die armen Opfer ihren Halt in der Gruppe suchen. Da wird dann sehr viel schwadroniert, gezweifelt und nachgefragt.

Wenn sich die kleine Gruppe dann aber endlich ausgeheult hat, geht’s zur Sache… im Gegensatz zum Original aber weniger subtil. In bester „Blade“-Manier marschiert man ohne großen Plan einfach in die Party rein, ballert ohne Rücksicht auf Verluste auf alles, was sich bewegt und weint dann später, wenn man gebissen und ohne Munition in irgendeinem kleinen Raum wartet. Ben Ketai setzt in „Dark Days“ auf handfeste Action… vergisst aber bei all den schönen Baller-Szenen auf den gesunden Menschenverstand. Dazu kommt, dass dieses kleine Grüppchen nicht wirklich miteinander harmoniert. Die stellen sich stellenweise einfach viel zu dämlich an. Da wundert man sich dann schon, dass sie es überhaupt so weit schaffen.

Gerade Kiele Sanchez als Stella wirkt sehr weldfremd. Anfangs will man uns noch weismachen, dass sie um ihren toten Ehemann trauert, doch schon nach kurzer Zeit – ohne wirklichen Grund – macht sie wild mit Paul rum. Und solche Sachen mag ich dann überhaupt nicht. Den Sex nur der nackten Körper wegen im Film platzieren. Den ganzen Film über sind alle schwer damit beschäftigt, entweder zu trauern oder zu kämpfen, aber dann auf einmal sind da Gefühle. Wenn man es wenigstens von Anfang an ein wenig in die Richtung orientieren würde – hier und da mal ein Blick, eine Berührung, irgendwas – dann hätte ich damit kein Problem. Aber nur um Kiele Sanchez nackt zu sehen??? Naja, war ja nett anzuschauen, aber vollkommen überflüssig.

Überflüssig beschreibt dann am Ende auch den restlichen Film. Die Story mit der Königin wirkt arg an den Haaren herbei gezogen, die Stimmung des ersten Teils wird in keiner einzigen Szene aufgefangen und das Ende… das Ende ist einfach nur so grottenschlecht, dass man sich wünscht, nie von dieser Fortsetzung gehört zu haben.

Wertung: 2 von 10 Punkten (braucht kein Mensch… dann lieber noch einmal das Original)

4 Kommentare leave one →
  1. 2. November 2012 10:46

    Ich hätte ja jetzt gesagt: War ja klar. Aber da ich das Original ja auch schon nicht so pralle fand, hätte ich mir eine Fortsetzung nicht einmal von den Machern des ersten Teils angeschaut. Für mich wurde über diese Bedrohung alles gesagt und nicht einmal so toll umgesetzt (von wegen Dunkelheit…). Na ja, so lange du hiermit einigen naiven oder gutgläubigen Zuschauern eine bittere Enttäuschung ersparen kannst, hast du der Welt mal wieder einen guten Dienst erwiesen 😉

    • donpozuelo permalink*
      2. November 2012 19:04

      Da unterscheiden wir uns: Ich fand den ersten Teil toll! Klar, dass du den zweiten Teil nicht einmal mit dem Hintern anschauen würdest 😉 Zu Recht, wie sich ja jetzt zeigt.

  2. 2. November 2012 15:23

    Ich fand das Original ganz nett, aber auch nicht wirklich großartig. Den Nachfolger habe ich somit noch nicht einmal in Erwägung gezogen…

    • donpozuelo permalink*
      2. November 2012 19:05

      😀 Ich sage ja, wohl eher was für die, die den ersten Teil toll fanden. Was bei mir der Fall war… Nach dieser Flaute werde ich mich dann vielleicht doch eher den Comics widmen.

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