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Ich BIN das Gesetz!!!

29. Oktober 2012

Wie muss sich das wohl für einen Autor anfühlen, wenn ein anderer seine Erfindung verunglimpft? Da erfindet ein Mann eine verdammt coole Sau, einen Cop, der das Gesetz in Zeiten der Gesetzlosigkeit in seine Hand nimmt und erschafft so eine Kultfigur. Einen Dirty Harry der Zukunft! Und dann ruft Hollywood… natürlich ruft Hollywood, schließlich hat man hier „Dirty Harry“ schon einmal erfolgreich auf die Leinwand gebracht, warum sollte man also nicht diesen Typen auch bekommen? So kommt also Hollywood, nimmt diese Idee des Autors… geht damit in irgendein Eckzimmer und macht damit schlimme Dinge. Traurige Dinge. Dinge, die man am liebsten wieder vergessen möchte. An die armen Opfer denkt keiner. An den armen John Wagner und seinem armen Judge Dredd.

Denn das, was da 1995 in die Kinos kommt, hatte sich John Wagner sicherlich nicht so gedacht. Gut einiges schon: Immerhin befinden wir uns immer noch in der Zukunft. Auf einer Erde, die mehr oder weniger verwüstet ist. Die Menschen quetschen sich in den Städten, den Megacities. Hier herrscht das Chaos. Die so genannten Judges, Polizisten, Richter und Vollstrecker in einer Person, sollen für Ordnung sorgen. Der gefürchtetste von ihnen ist Judge Dredd (Sylvester Stallone) – ein Mann, der für das Gesetz lebt. Bis er Opfer eines Komplotts wird – Bösewicht Rico (Armand Assante) will das Projekt Janus starten… dazu müssen aber Dredd und dessen Chief Justice (Max von Sydow) verschwinden. Nur mit Hilfe des Kleinkriminellen Fergie (Rob Schneider) und sexy Judge Hershey (Diane Lane) muss Dredd gegen Rico antreten.

„Judge Dredd“ tut weh… sehr weh. Was irgendwie daran liegt, dass es nicht so richtig funken will. Was Regisseur Danny Cannon gerne auf seinen egozentrischen Hauptdarsteller schiebt, mit dem er sich angeblich häufig über das Drehbuch gestritten haben soll. Aber egal, wer wem die Schuld in die Schuhe schiebt – beide haben es verkackt. Dabei fängt der Film eigentlich ganz gut an. Dredds erster Auftritt in dieser Chaos-Stadt, die entfernt an das New York aus „Die Klapperschlange“ oder das wirre Leben aus „Blade Runner“ erinnert, kommt noch verdammt cool rüber: Ein schonungsloser Dredd „vertritt“ das Gesetz – inklusive seinem Lawgiver, einer Waffe mit reichlich Wumms. Natürlich beginnt man sich hier schon ein wenig über die Rüstung des Judges zu amüsieren: viel Bling Bling, ein ultra-schicker Sack-Schutz und darunter irgendwo Sylvester Stallone.

Und mit dem Hauptdarsteller kommt das sicherlich das Dilemma des Films. Denn während der Original-Comic-Dredd seinen Helm nicht ein einziges Mal in seiner verdammten Karriere abnimmt, kann Stallone das Ding nicht früh genug loswerden. Auf der einen Seite kann ich das verstehen: Wenn Leute Stallone sehen wollen, dann wollen sie Stallone sehen und nicht nur seinen streng zusammen gezogenen Mund. Nur auf der anderen Seite: Will jemand wirklich den Rest sehen??? Stallones Mimik ist noch schlimmer als die von Kollege Arnold (der übrigens ursprünglich den Dredd spielen sollte). Stallone ist wie aus Stein gemeißelt. An und für sich eine Charaktereigenschaft, die Dredd mit ihm teilt… nur kommt der knallharte Judge bei Stallone nicht ganz so überzeugend rüber. Was aber irgendwie auch daran liegt, dass er Dumpfbacke Rob Schneider die ganze Zeit bei sich hat, der dem Ganzen wohl eine Buddy-Movie-Note geben soll. Wenn das der Fall ist, dann kann man nur sagen: „Mission fehlgeschlagen!“

Gleiches gilt dann leider auch für die abstruse Geschichte. Ich will jetzt hier nicht spoilern – für den Fall, das jemand meine Warnung hier in den Wind schlagen möchte – aber was sich die Drehbuchautoren hier ausgedacht haben, erscheint hastig und unüberlegt zusammengeschrieben. Eine 08-15-Story, über die man im besten Fall nur müde schmunzeln kann. Es gibt weder großartige Überraschungen noch aufregende Sequenzen, die man nicht in Dutzend anderen Filmen dutzende Male besser gesehen hat. Die Action wirkt aufgesetzt und extrem theatralisch… Hauptsache, Sylvester Stallone darf in seinem knappen Mucki-Shirt noch einen dummen Spruch mit ernster Miene sprechen, bevor er dann in bester „Power Rangers“-Manier anfängt, das Gesetz zu vertreten.

John Wagner sah seinen armen Dredd damals arg misshandelt, und auch wenn ich leider bis jetzt noch keinen seiner Dredd-Comics in die Hände bekommen habe, kann ich ihn verstehen. Denn die Idee hinter Dredd klingt schon verdammt cool und hätte das Potenzial für einen guten Film. Nur gut sind an Stallones „Judge Dredd“ wirklich nur ganz wenige Sachen… wie der Vorspann und der Abspann, denn dann weiß man, dass man es geschafft hat.

Immerhin bleibt die Hoffnung, dass das Reboot es nach fast 20 Jahren besser machen wird und dem Judge ein ehrenvolles filmisches Denkmal setzt.

Wertung: 3 von 10 Punkten (das Urteil fällt ganz klar aus: lebenslängliche Verbannung aus der Erinnerung, wenn irgendwie möglich)

14 Kommentare leave one →
  1. 29. Oktober 2012 08:24

    Der Film ist super, verstehe gar nicht, was die Leute immer alle gegen die 90er-Comicverfilmungen haben. Aber vermutlich kann die Nolan-Batman-Generation mit solchen Spaß-Filmen einfach nichts anfangen, wenn nicht semi-seriös in die Kamera gebruddelt und genuschelt wird 🙂

    • donpozuelo permalink*
      29. Oktober 2012 09:30

      😀 Das hat nichts mit der Nolan-Batman-Generation zu tun. Zumindest bei mir nicht. Aber selbst als Trash-Spaß-Film war mir der nix. (Dazu muss ich zugeben, habe ich den jetzt zum ersten Mal gesehen… nachdem ich den neuen „Dredd“-Streifen gesehen habe… und da tun sich dann doch schon Welten auf)

      • 29. Oktober 2012 21:15

        Die haben beide auch völlig andere Ansätze, weswegen man sie nicht vergleichen sollte. Ich jedenfalls hatte mit dem hier mehr Spaß als mit dem Reboot.

        • donpozuelo permalink*
          30. Oktober 2012 07:35

          Okay… kann ich verstehen. Es sind wirklich verschiedene Ansätze. Ich finde es nur vielsagend, wenn der Erschaffer (und auch Stallone) sich weitestgehend von diesem Film distanzieren. Wagner soll sich über das Reboot jedenfalls mehr gefreut haben als über die Stallone-Variante. Und das will schon was heißen 😉

        • 31. Oktober 2012 08:30

          Naja, die meisten Schauspieler distanzieren sich von Filmen, die nicht sonderlich erfolgreich liefen. Schwarzenegger distanziert sich auch von LAST ACTION HERO und ich finde den Film dennoch dufte.

          Und das Wagner verstimmt ist, ja mei. Alan Moore fand auch V FOR VENDETTA scheiße und mit WATCHMEN wollte er gar nix zu tun haben. Wer weiß, was Tolkien über Jacksons Filme denken würde, wenn er noch leben täte. Beides für mich also nicht die extremsten Kritierien 😉

        • donpozuelo permalink*
          31. Oktober 2012 08:35

          Okay, okay…. Obwohl ich Moore zumindest bei „Watchmen“ ein klein wenig Recht geben würde! Der Comic ist einfach mal nicht zu verfilmen. Es ist zwar ein netter Film geworden, aber trotzdem fehlt da eine ganze Menge. Aber gut… Autoren sehen das wohl immer kritischer…

  2. 29. Oktober 2012 10:56

    Ach, da gab es schon mal einen Versuch Dredd auf die Leinwand zu heben. Hm, hat mich nie interessiert, vielleicht weil die Vita von Stallone für mich ein absolutes Sperrgebiet ist.
    Und da der Trailer zum neuen DREDD vollkommen bescheuert ausgesehen hat, bleibe ich der Comic-Verfilmung ohnehin fern.

    • donpozuelo permalink*
      29. Oktober 2012 11:05

      Oh nein… und das gleich zu zwei Dingen:
      1) Stallone sollte man nie so ganz außen vorlassen. Immerhin hat der Mann mit Rambo und Rocky zwei äußerst prominente Charaktere der Filmgeschichte gespielt. Und das sollte man ihm schon hoch anrechnen.

      2) Den neuen DREDD sollte man nicht so einfach an sich vorbei gehen lassen. Sag ich jetzt mal nur so 😉

      • 29. Oktober 2012 19:31

        Mag ja sein, dass Rocky und Rambo zwei kultige Filmfiguren geworden sind. Stallone ist mir aber so unsympathisch, dass mir egal ist, was er für das populäre Kino getan hat – sorry. 😀

        Und DREDD werde ich an mir vorbei gehen lassen, auch wenn es mir sicherlich schwer fallen wird, deinen Überredungskünsten in Form einer wohlwollenden Kritik stand zu halten 😉

        • donpozuelo permalink*
          30. Oktober 2012 07:33

          Na gut 😉 So ein bisschen versteh ich das ja auch. Stallone war mir auch nie so ganz geheuer. Da mochte ich von all den Muskelmännern doch den Arnie am liebsten.

          Und was „Dredd“ angeht, werde ich mir Mühe geben 😉

  3. 29. Oktober 2012 23:03

    Ich glaube mit deiner Movie Review wird eine gänzliche Auslöschung des Films aus dem Gedächtnis nicht mehr möglich sein 😉

Trackbacks

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